Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1846)
- Date
- 1846-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 4L X. Jahrgang. ÄllgeMklne Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von r»r. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 5. Oktober 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist.der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Harfenklänge: Die Propheten Israels. 1. Jeschajah. 2. Jirmejah. Zeitungsnachrichten: Nordamerika: New-Uork. Aegypten: Alexandrien. Preußen: Bergheim, Köslin, Neuwied, Schwerin an der Warthe. Deutschland: aus Baden. Oesterreich: Papa, Eperies, Preßburg, Pesth, Pefth. Literarische Nachrichten: Pesth. Auszüge: Die heldenmüthige Jüdin oder daö Märtyrthum der jungen Hachnel. (Fortsetzung.) Harsenklänge. Die Propheten Israels. 1 Jeschajah. Dort, am Saume der Wüst', erhebt sich die Schwinge des Adlers; Langsam steiget er auf, die mächtigen Fittige lustend; Schau, jetzt breitet er aus hinrauschend sein ganzes Gefieder, Schlägt zu Wellen die Lust, daß e§ brauset; schnell gleitet sein Schatten Ueber die Steppe dahin, daß blitzen die Strahlen der Sonne. Auffährt krächzend die Schaar der furchtergriffenen Vogel, Flatternd im Kreise, die Flucht sich suchend, doch nimmer sie findend: Während zur Sonne hinauf sich hebet der Segler der Lüfte. Da, die heimische Flur vergessend, erschauet sein Auge Ferne Küsten und Meere, entlegene Höhen und Gipfel, Weit gebreitete Länder und endloser Wüsten Umsäumung, Ihren Segen und Fluch, ihr Blühen und ihre Verödung. Spät erst kehrt er zurück, und birgt sich im einsamen Horfle, Den er auf schaurigem Fels an schwindelnder Wölbung gebanet. Also die heilige Kraft des Jeschajah. Gewaltiger Schwingen, Hebt der prophetische Geist sich über der Menschen Gewimmel, Ueber die Wüste des Lebens, und über die Söhne des Lasters. Israel nahet dem Fall, und Juda ist längstens gewichen, Seiner Weihe vergessend, ergab es sich thöricht den Götzen, Treibet die Buhlerei der verpesteten Völker, die Schandthat Sündiger Stämme, die Recht und Gerechtigkeit niemals erkannten. Ach, statt zum einigen Gott in ursprünglicher Kraft sich zu halten, Auf den Felsen zu bauen, von nichtigen Wassern umwoget. Sucht es am Nilsirom Trost, und Erquickung am flüchtigen Euphrat! Sieh, da erbebet voll Schauer die heilige Kraft des Jeschajah, Die vom Seraph geweiht, vom dreimal Heilig durchdrungen, Bor dem Antlitz des Herrn in erhabenem Zittern gestanden. Aufwärts steigt sein Gefieder, und lüftet sich weit auseinander,