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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-28 · Heft 40 (28.9.1846) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 40 (28.9.1846)
Date
1846-09-28
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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590 ihn in unsrer Mitte zu erhalten, mit dieser Erklärung gelingen, seinen sonst guten Namen in den Augen der Oeffentlichkeit wieder hergestellt zu haben. Zwanzig im Namen von 120 Gemeindemitgliedern. * *) Pesikh, 5. September. (Privatmitth.) Gemäß eines vom Vorstande der hiesigen Jsraelitengemeinde erlassenen Zirkulars wurde am vergangnen Samstag (29. August) zur Feier des Gnadenakles Sr. Maj. in Erlassung der Toleranztaxe ein besondrer Gottesdienst mit Predigt und Gesang k. veranstaltet. Den in verschiedenen Journalen bereits befindlichen Berichten zufolge wurden in den größeren Gemeinden in Gegenwart eines größer» jüdischen Publikums und der christlichen Honoratioren des Ortes würdige und dem Gegenstände angemessene Reden gehalten und vor denselben die bei solchen Gelegenheiten üblichen Psalmen 21, 67 u. nach denselben das ungarische Volkslied vom Chor abgesungen.... In kleineren Gemeinden, wo man sich den herzbewegenden Gefühlen der Freude noch ungezwungner hingiebt und die Zivilisation noch nicht so weit gediehen ist, daß man sich schämen sollte, recht vom Herzen lustig zu sein, beschränkte man das Fest dieses glücklichen, in der Geschichte der ungarischen Juden Epoche machenden Ereignisses nicht bloß auf kirchliche Feier, sondern mischte auch etwas weltlichere Genüsse mit ein, und zogen z. B. ein großer Thcil der Gemeindemitglieder während des ganzen Sabbat mit einer christlichen Musikbande durch den Ort und zum Rabbiner, zum Vorsteher u. A., überall unter Musikklang und Jubelgeschrei ein Weilchen zechend und schmausend. Bedenkt man, wie das Volk**) nur zu geneigt ist, den faktischen Zustand alsogleich für den rechtlichen zu *) Die Unterschriften sind uns eingesaudt, und wir ermächtigt, sie auf jede Anfrage namhaft zu machen. Redakt. *) Und zwar nicht nur der ungebildete Theil desselben, sondern auch die Gebildeteren, Gelehrten und Rechtskundigen. So z. B. noch in neueren Zeiten Emeritus Kelrmen io seinen Institutiones Iuris hungarici privali leitet das Kapitel von den Rechten der Juden mit folgenden Worten ein: Mosaica Religio tolerala solutn est in Hungaria, et pro luilione aliisque benefieiis, quibus Hebraei apud nos perfruunlur, pensum loleranliale solvendum liabent. Quia vero Toleranlia plenuiu Civitatis jus non Iribuil, nec toleralos ordinehmen, und die Juden schon darum, weil sie Toleranzsteuer zahlen müssen, für Fremde und bloß Geduldete zu betrachten, wenn auch diese Steuer die ungerechteste und intoleranteste ist, so muß man sich allerdings über Aufhebung dieser mehr für die sie einfordernde Legislation als für die zahlenden Juden schmachvollen Steuer vom Herzen freuen.... Daß aber die Eintreibung der Steuer ein totales Unrecht war, ist klar; da es nicht dem König sondern dem Lande zusteht Fremde aufzunehmen, dieses aber die Juden schon vor 8—900 Jahren gastfreundlich empfing, lange also bevor es (1527) den österreichischen Königen unterthan wurde*), unter deren Regierung nana reipublicae ineinbra efficif, consequens esl u. s. w, u. s. w. (T. II. §. 160. S. 179—81.) E. *) Gewöhnlich wird behauptet, daß die Inden in früheren Zeiten von den Ungarn ganz iguorirl und darum auch nicht wie in anderen Länder» durch Steuern und ähnliche Mittel vexirt wurde»; andere Scharfsinniger- oder Gelchrterseinwollende behaupten, daß die Israeliten in den älteren Zeiten mit den Jsmaeliteu koufondirt wurden. Wie irrig ersicre Ansicht sei, zeigt schon ein oberflächlicher Blick auch die vielen Jude» betreffenden Gesetze, worunter mehrere vom ersten Jahrhundert der ungarischen Könige, wie Ladislaus der Heilige (f- 1095) Deere!, lib. I. cap. 9. 10. und Kalman (f 1115) Decret. lib. I. cap. 74. 75. u. lib. II. cap. 1. 2. 3. Eine nähere Betrachtung aber der Gesetze zeigt uns nur zu deutlich, wie man Israeliten nicht mit Jsmaeliten konfondirte, sondern streng unterschied und bei Behandlung der Erstcren ganz andere Prinzipien als bei den Letzteren befolgte. Denn während man die Jsmaeliten höchst gastfreundlich aufnahm und ihnen Festungen und Boden im besten Theil des Landes anwies (Anonimus cap. 57. loa. de Thurocz cap. 22.) und sie durch alle mögliche Mittel anzuziehen, in sich aufzunehmen und mit der Nation in Eins zu verschmelze» suchte, verfuhr man mit den Juden ganz anders, indem man sie zwar gütig behandelte und durch Freiheiten und Privilegien anzuziehen und zu fesseln strebte, sie aber doch durchaus stets in achtbarer Entfernung von sich halten wollte. Und während man die gemischten Heirathen der Juden mit Christen strengst untersagte (Ladisl. I. 74.), gebot mau den Jsmaeliten, ihre Töchter Ungarn zu gebe». (Ismaelilamm vero nullus audeat filiam suara jüngere malrimonio aiicujus de gente sua, sed noslra. Coloin. I. 48.) ... Man sieht leicht, daß die Juden damals iw Vaterlande nicht bloß tolerati, sondern allgemein geachtet und angesehen — wenn auch gegen Jsmaeliten und Andere zurückgesetzt — waren, da man sich mit ihnen verheirathete und erst ein Gesetz des heiligen Ladislaus, wahrscheinlich durch Einflüsterungen der am Hofe weilenden Römlinge hervorgerufen, diese verbieten mußte. ....

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