Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 40 (28.9.1846)
- Date
- 1846-09-28
- Page
- Seite 588 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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588 darin nicht mehr seien, sollten in einer Generalversammlung die zu dieser Zahl Fehlenden gewählt werden. Sechs Mitglieder sollen also in Zukunft genügend sein, die geeigneten Beschlüsse zu fassen. Nachdem die diesfälligen Verhandlungen von den Anwesenden unterzeichnet waren, wurde die Versammlung, die auf alle Anwesenden einen bleibenden Eindruck gemacht hat, aufgelöst. Berlin, 11. September. (Privatmitth.) Vor längerer Zeit hat sich hier ein Verein gebildet, der wol in weiteren Kreisen bekannt und zur Nachahmung empfohlen zu werden verdient. Es ist dies ein 'israelitischer Vorschußverein, der sich zum Zweck gemacht hat, solchen Juden, welche durch unverschuldetes Unglück heruntergekommen sind, aber durch Hebung und Belebung ihres Geschäfts noch vor gänzlicher Verarmung und Almosennehmen geschützt werden können, die zu diesem Behufe nöthigen Kapitalien zu verschaffen. Mitglied des Vereins wird man durch bestimmte Schenkungen, oder durch ein zinsfreies Darlehen von mindestens 50 Lhaler auf zwei Jahre, und beläuft sich die Zahl dieser edlen Männer bis jetzt auf 40. Die ausgegebenen Unterstützungen sind gänzlich zinsenfrei, doch muß sich der Empfänger verpflichten, von jedem Thaler seiner Schuld allwöchentlich einen Silbergroschen zurückzuzahlen, so daß dieselbe nach 30 Wochen gänzlich getilgt ist. Anspruch auf diese Wohlthat hat jeder Jude, der hier drei Jahre ansässig ist und so lange ein ehrliches, unbescholtenes Geschäft betrieben hat. — Zur Charakteristik der hiesigen Zustände und Richtungen will ich noch eine wahre Anekdote mittheilen. Vor Kurzem ließ hier ein Herr Jehuda Rosenberg, Rabbiner in Ratzki, die bis jetzt nur als Manuskript vorhanden gewesenen Responsen des R. Jehuda S. R. Aschers aus Toledo («an p ■n) hier abdrucken. Er wandte sich natürlich vor Allem um Unterstützung an die hiesigen Herren Rabbinatsaffessoren Oettinger und Rosenstein, die ihm denn auch zugesagt wurde. Allein als Letzterer, der sich durch nichts als durch einen fanatischen Derkctzerungseifer auszeichnet, die genannte Schrift durchgelesen hatte, beschied er den Herrn Rosenberg zu sich und verlangte von ihm, daß er die in der 20. n8rrw vorkommende Anfrage, ob man beim Gesetzstudium unbedeckten Hauptes sitzen dürfe, und die Antwort, daß dies bei großer Hitze wol erlaubt sei, nicht mit abdrucken lasse. Da nun der ehrliche Mann solch unredliches Ansinnen standhaft zurückwies, so gerieth der glaubenswüthige Rabbi in großen Zorn und betheuerte, seine fördernde Hand gänzlich von ihm zurückziehen zu wollen, was denn auch wirklich geschah! —. Die hiesige Reformgenvssenschast hat unter den drei Bewerbern um ihre Predigerstelle, Holdheim, Heß und Hirsch, den Erstern gewählt, so wie den vr. Friedländer aus Brilon als einen zweiten Prediger, Erstern lebenslänglich, Letztern auf 3 Jahre. Berlin, 18. September. In hiesiger Gemeinde zirkulirt gegenwärtig eine Dankadresse an die badensche zweite Kammer wegen ihres Votums in Angelegenheit der jüdischen Glaubensgenossen. (In Altona desgleichen. Redakt.) Oesterreich. Altofen, 30. August. (Privatmitth.) Der Erlaß der Toleranztaxe ist geschehen. Rührend und herzerhebend zugleich ist's anzusehen, mit welch' inniger Dankbarkeit die ungarische Judenschaft diesen Gnadenakt — der uns die Güte und das Wohlwollen unseres Monarchen beurkundet — aufnahm. Am 29. d. M. wurden in allen Synagogen Ungarns Danklieder gesungen, und andächtige Gebete für das Wohl unsres geliebten Königs entstiegen den dankbaren Herzen und Lippen jeglichen jüdischen Ungars! — Auch wir Altofner, die man so oft des Rückbleibens beschuldigt, wir blieben diesmal hinter unseren ungarischen Glaubensbrüdern nicht zurück, wir begingen die Feier dieses Tages auf eine würdige, entsprechende Weise. Zeitlich begann der gewöhnliche Sabbatgottesdienft, dieser ward um 10 Uhr beendet, worauf Herr Leopold Braun, erster Lehrer des deutschen Faches unsrer Schule, einen auf die Feier des Tages Bezug habenden Vortrag, der allgemein zu Herzen sprach, begann. Herr Braun sprach sich recht lebhaft und treffend über die Nothwendigkeit der Gesetze und deren Aufrechterhaltung aus; als Text wählte er den 1. Vers des verlesenen Wochenabschnittes 'm tmsi», und wir können mit gutem Gewissen sagen, sowol die Bearbeitung als auch die Art des Vortragens ließ nichts zu wünschen übrig. — Sodann