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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-28 · Heft 40 (28.9.1846) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 40 (28.9.1846)
Date
1846-09-28
Page
Seite 586 (sequence 6)
Language
German
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586 selben zu bearbeiten, und so nicht bloß für sich, sondern noch mehr für ihre Kinder und Kindeskinder werthvolle Besitzungen zu erlangen, welche, da die Grenzen der Kultur immer weiter sich ausdehnen, und die Bevölkerungen an Orten, wo sie vor Kurzem noch dünne waren, riesenhaft anwachsen, immer werthvoller werden, und die Kinder armer Bauern in einigen Dezennien zu reichen Gutsbesitzern machen. Freilich ist dies kein geringes Unternehmen; Muth, Kraft, Ausdauer sind erforderlich; Gefahr und Entbehrung zu ertragen. Zum Ziele kommen diese am Ehesten, wenn nicht Einzelne es unternehmen, sondern in kleinen Verbänden. Ich sage, kleine Verbände, denn bei einer größern Menschenzahl sind die Erfordernisse so groß und umfassend, daß sie selten zu beschaffen sind, und die Theilnehmer gewöhnlich mit vielen Verlusten sich auflösen und doch vereinzeln. Aber kleinen Verbänden ist das Unternehmen leicht zu beginnen und leichter durchzuführen. Sie finden bald angemessene Stätten, helfen sich einander durch, ohne daß der Verein von Anfang an zu viele Bedürfnisse hätte. Beides findet bei den jüdischen Einwanderern in der Regel nicht statt. Das Beispiel, daß Juden in einem gewissen Verbände hierherkommen, ist sehr selten, und wenn es ist, so geschah es lediglich im Interesse der Ueberfahrt; bei der Ankunft zerstreuen sie sich. Noch seltner ist der Fall, daß eingewanderte Juden Ländereien zu erwerben und zu bebauen die Absicht haben. Sind es Handwerker, suchen sie für ihr Gewerk Beschäftigung; sind es Händler oder Kaufleute, setzen sie alsbald ihr Gewerbe fort; sind sie gar Nichts, suchen sie sich möglichst durchzuschlagen; Aerzte und Lehrer bleiben natürlich bei ihrer Kunst und Wissenschaft. Allein einerseits wird dies im Laufe der Zeit nicht gut ausfallen, und für Einzelne wie für Alle große Nachtheile bringen. Eine große Zahl wird hier das Elend finden, welches sie zu Hause verlassen haben, und untergehen. Andrerseits muß man voraussetzen, daß auch die jüdischen Einwanderer mit immer besseren und gereifteren Ansichten Europa verlassen, und ein neues Vaterland in der Absicht suchen werden, nützliche Bürger zu werden, und sich und ihren Nachkommen eine sichere Stelle zu suchen. Wir müssen daher in Europa darauf aufmerksam machen, daß die jüdischen Auswandrer auch darauf denken mögen, sich dem Landbau zu widmen, und für diesen gerüstet hierherzukommen, wo sie für denselben immer noch den besten Wirkungskreis finden, und wo so viele Subjekte ihre ganze Nachkommenschaft als sichergestellte Glieder der Gesellschaft zu Gut und Ehren bringen können. Dazu wäre es dann sehr zweckmäßig, wenn öfter eine Zahl Auswandrer zusammenträte, um in einem mäßigen Verbände die Mittel zur Ausführung jenesZweckes und zur gemeinsamen Ueberwindung der Schwierigkeiten zu finden. Solche, nicht erzwungene, sondern natürliche jüdische Kolonieen, wie sie alle Länder Europa's hierhergesandt haben, würden auch für die Stammesgenoffen in der Zukunft die ersprießlichsten Folgen haben. Zu diesem Zwecke würde es aber von größtem Vortheile sein, wenn sich in Seestädten, wie Hamburg — Bremen kann ich nicht nennen, weil dort keine Juden wohnhaft — Liverpool rc. Komitv's bildeten, welche für die jüdischen Auswandrer, die diesen Zweck hätten, Mittelpunkte, Gelegenheiten zur Vereinbarung abgäben. Da ganz Mittellose diesen Zweck durchaus nicht verfolgen können, so würde ein solches Konnte nicht einmal ganz umsonst zu arbeiten brauchen. Leicht wäre eS, daß rin solches Konnte mit Sachverständigen hiesigen Ortes in Verbindung träte, um nothwendige Vorkehrungen und Notizen zu erlangen. Ich gebe diese Gedanken dem Publikum anheim. Das Nützliche und Wohlwollende wird einleuchten. Buenos Ayres, im Juli. (Privatmitth.) Ueber das ehemals spanische, jetzt so sehr zersplitterte, amerikanische Festland sind nicht wenige, wol einige hundert Juden zerstreut. Selbst in der Soldateska dienen einige Männer, jüdischer Abkunft. Sie bekennen aber ihren Glauben nicht und halten wenig zusammen, ja, wenn sie auch als Juden bekannt sind, und es nicht verleugnen, so leben sie doch nicht als Juden, und das Judenthum verliert sich in ihren Familien so sehr, daß die kommende Generation nichts mehr davon wissen wird. Am Meisten ist dies bei Engländern und Portugiesen der Fall, während die Deutschen wenigstens die Kunde ihrer Abstammung nicht von sich weisen. Ein Umschwung dieser Zustände kann nur erwartet werden, wenn eine größere Zahl Juden an einem Orte hier zu Lande sich an-

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