Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 40 (28.9.1846)
- Date
- 1846-09-28
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
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585 kann und der Lehrer wie ohne Kompaß auf dem weiten Meere des Unterrichts umhersteuert. Eine weitere Folge dieses Uebelstandes ist, daß eS immer noch an tüchtigen methodischen Lehrbüchern für jüdische Lehranstalten fehlt, da tüchtige Kräfte bei Abfassung von Schulwerken keine günstige Aussicht für ihre Arbeiten haben, weil Buchhandlungen wegen des seitherigen ungewissen Absatzes solche Schulschriften ungern und größtentheils nur ohne Honorar in Verlag nehmen. Würden nun die hochwürdigen Mitglieder der Rabbinerversammlung, oder auch nur ein Theil derselben, sich verbinden, die von einem aus ihrer Mitte gewählten und gebildeten Ausschüsse für zweckdienlich befundenen Schulschriften in den ihrer Aufsicht unterstellten Schulen einzuführen, so könnten entweder diese Schriften im Selbstverläge herauskommen, und die Druckkosten durch Vorschuß der betreffenden Gemeinden gedeckt werden, oder es dürften sich leicht Buchhändler finden, die zu den b i tligsten Ladenpreisen sich bequemen, wodurch die Vortheile erzielt werden, daß die jüdischen Schulkinder ohne große Geldopfer zum Besitze ihrer n'öthigen Bücher und dann nur Werke zum Gebrauche kämen, die für Geist und Auge des Zöglings zweckmäßig sind, und endlich, daß dadurch ein Wetteifer unter den sachkundigen Schriftstellern in der Anfertigung geeigneter Schulbücher entstehen würde. Indem ich hiermit vorliegende, in das Wohl unserer Glaubensgenossen tief eingreifende zwei Anträge in die Hände einer hocherleuchteten Rabbinerversammlung zur Prüfung ergebenst niederlege, beharre ich mit Bezeigung vollkommner Verehrung. Hoppstädten, im Fürstenthum Birkenfeld, den 1. September 1846. Emanuel Hecht, Lehrer. Zeitungsnachrichten. Türkei. Konstantinopel, 2. September. (Oest. Bl.) Adrianopel wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. August von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht, die in dem volkreichen Judenviertel ausbrach und in wenigen Stunden, trotz der angestrengtesten Bemühungen dem Brand Einhalt zu thun, über 600 größere und kleinere Häuser, 110 Kaufläden, 40 Tavernen, 6 Synagogen und mehre Vorrathsmagazine in Asche legte; über 1000 Familien befinden sich ohne Obdach; man schätzt den durch diesen Brand angerichteten Schaden auf mehr als 18 Mill. türkischer Piaster. Amerika. Philadelphia. Am 20. April hielt die hebräi, sche Sonntagsschule ihre öffentliche Prüfung ab, dir befriedigend aussiel. Die Finanzen der Anstalt sind im besten Zustande, und aus den Ueberschüffen bereits ein Fonds von 650 Dollars gebildet. — Die jüdische Gesellschaft n?2Ki ivn 'n zu gegenseitiger Unterstützung in allen Unglücksfällen hat die Korporationsakte erhalten, und wächst die Zahl der Mitglieder, die von 21 bis 45 Jahr alt sein müssen, immerfort. (The Occid.) Cincinnati. Die hiesige Gemeinde hat den Herrn I. K. Gutheim als Prediger angestellt, mit der Verpflichtung, Sabbat um Sabbat eine Predigt zu halten, und den religiösen Jugendunterricht zu leiten. — Die Gemeinde „Bene Jeschurun" ist im Begriff, eine neue Synagoge zu bauen. (The Occid.) Kingston aus Jamaika. Im Juli ist hier ein Bazar zum Besten der beiden jüdischen Schulen dieser Stadt eröffnet worden; der Bürgermeister ist Patron des Bazars, der sehr reich versehen worden, und einen guten Erfolg verspricht. (The Jam. Disp.) New Aork, 9. August. (Privatmitth. Dritter Artikel.) Je mehr nun die Auswanderung von europäischen Israeliten sich häuft, je größer ihr Umfang von Jahr zu Jahr wird, desto nothwendiger wäre es, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Fürchten Sie nicht, daß ich Ihnen mit einem Projekt komme; ich kenne die festländischen Juden noch zu gut, um zu wissen, daß eine allgemeine Idee eine Verwirklichung keineswegs zu erwarten hat. Die Verbindung unter den Juden ist zu lose, der Blick derselben als Juden lediglich auf ihr lokales Weichbild beschränkt, um ein allgemeines Werk ausrichten zu können. Lediglich einige Gedanken will ich äußern, welche im Interesse der Auswanderer selbst liegen. Unter den Einwanderern in Amerika hat die größere Zahl im Auge, sich in den entfernteren Gebieten Nordamerikas Grund und Boden zu erwerben, den-