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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-28 · Heft 40 (28.9.1846) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 40 (28.9.1846)
Date
1846-09-28
Page
Seite 584 (sequence 4)
Language
German
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584 der und der vorhandenen nur noch geringen Anzahl von Talmud- und Bibelkennern in den Gemeinden gleichfalls die Gelegenheit fehlt; abgesehen davon, erfahrt er auch keine Sylbe von der Methodik der hebräischen Uuterrichtsdisziplinen, erfährt er nichts über die Leitung eines Synagogenchors, sieht er dazu kein mustergebendes Vorbild, wird er in der Führung eines solchen nicht geübt und kann er in christlichen Sewinarien, wo ein derartiges Bedürfniß nicht zu befriedigen n'öthig ist, über Abfassung und Haltung von Predigten, womit man früher oder später, namentlich nach der Einführung der neuen kurzen Liturgie, die Lehrer doch betrauen muß, keine Belehrung erhalten, welche Belehrung sogar für den Fall Bedürfniß wird, wenn man das Ab lesen gedruckter Predigen einführt, da auch hiezu Geschick und Kenntniß des Gegenstandes erforderlich ist, wenn es fruchtbringend sein soll. Die Verirrung der auf religiösem Gebiete bei uns herrschenden und kämpfenden Begriffe, die doktrinären Vorurtheile und Jrrthümer, die unpraktische Ideologie, Unanstelligkeit und Ratlosigkeit jeder Art, die bei so manchem jetzigen Lehrer, der einsam und sich selbst überlassen in den Landgemeinden dasteht, zu gewahren ist, erhärtet die Wahrheit meiner Angabe bezüglich der bis jetzt unbefriedigten Bildungsweise der Lehrer. Es kündigt sich demnach die Nothwendigkeit eines jüdischen Lehrerseminars als eine dreifache an. Zuerst soll der Lehrer in diesem Institute einen genügenden Fonds nicht nur in den allgemeinen, zur höher« Bildung gehörenden Kenntnisse, sondern diese auch in den speziell jüdisch-theologischen und sprachlichen Fächern erhalten. Ferner soll der Zögling in den jüdischen Seminarien die Kunst erlernen zu einem gedeihlichen Unterrichtertheilm in allen Lehrzweigen der jüdischen Schule, die Kunst zur Handhabung einer veredelnden Schulzucht, die Kunst zur Leitung des Chors, zur würdevollen Vornahme der liturgischen Verrichtungen rc. Endlich drittens soll ihm in demselben — was das Wichtigste ist — eine tüchtige Charakterbildung, eine Gestnnungstüchtigkeit, eine alle seine Handlungen regelnde und regierende Religiosität beigebracht werden, so daß er, in's Amt getreten, durch weihenden Unterricht und veredelnde Erziehung, durch die heilige Flamme der Religion, die in seinem ganzen Lehrton herausströmt, den Funken des Glaubens und der Tugend dem Herzen seinem noch rm Morgen des Lebens stehenden Schüler einhauchen, sie zum höchsten Ziele der Menschheit entgegenführen und vor einer der Judenheit fremden Verweltlichung der Schule schützen. Durchdrungen von der Nothwendigkeit und Wichtigkeit der Bildungsanstalten für jüdische Lehrer Deutschlands wage ich der hochwürdigen Rabbinerversammlung die ergebenste Bitte zu unterbreiten: „Dieselbe wolle hochgencigtest mit der projektirtea Aka- „demie für werdende Rabbinen auch ein Seminar für „jüdische Lehrer verbinden, aus welchem tüchtige Arbei- „ter hervorgehen können, die in allen Gegenden des „Vaterlandes im heiligen Berufe der Menschenbildung „mit Einsicht und Geschicklichkeit wirken, durch welche „die Gemeinden (außer dem Rabbinatsorte) einen Mit- „telpunkt für ihre religiösen Bedürfnisse und die Freude „einer fortschreitenden Bildung das schöne Erblühen „ihrer Hoffnungen und Wünsche und die Gewißheit „guter Früchte wahrnehmen." Die Kosten zur Errichtung eines jüdischen Seminars können nur unbedeutend sein. An manchen Fächern der theologischen Fakultät kann auch das Seminar partizipiren, wie dies z. B. in Würzburg war, wo die Klerikalseminaristen, den Verträgen beiwohnen mußten, welche die Zöglinge des Schulseminars in Pädagogik, Katechetik re. erhielten; und für die anderen Unterrichtszweige genügen einige Pädagogen, für deren Besoldung im Falle einer etwaigen Kollekte zur Fundirung des in Frage schwebenden Institutes die zahlreichen Lehrer in ihren Gemeinden sich gewiß mögliche Mühe geben werden. Meine zweite Bitte, die ich der hochgeneigtcn Aufmerksamkeit und Berücksichtigung der hochwürdigen Rabbinerversammlung zu unterwerfen wage, ist: „Dieselbe wolle angelegentlichst einen Zen- „tral-Schulb ücher-Verlag für die jüdischen „Lehranstalten Deutschlands konstituiren." Die Kinder der jüdischen Schulen bedürfen nicht nur eine weit größere Bücheranzahl, als die der christlichen, sondern müssen sich diese auch im Verhältnisse zu christlichen Schulbüchern zu sehr hohen Preisen verschaffen, so daß z. B. ein Katechismus der christlichen Schulkinder 2 Sgr. kostet, während dieser für die jüdische Jugend mindestens eine Auslage von 8—10 Sgr. nöthig macht. Wegen dieses Umstandes entbehren die Zöglinge jüdischer Schulen, besonders auf dem Lande, ihren nöthigen Bedarf an Schulschristen, was zur Folge hat, daß der Unterricht in den betreffenden Objekten innerlich schwer und manchmal unmöglich wird, der Schüler keinen Anhaltepunkt hat, sich keiner Vorbereitung und Wiederholung befleißigen *) Unser Katechismus kostet nur 3 Gr. Redakt.

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