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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-28 · Heft 40 (28.9.1846) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 40 (28.9.1846)
Date
1846-09-28
Page
Seite 583 (sequence 3)
Language
German
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583 Synagoge und Staat, von „dieser Werkstätte des Geistes Gottes", wie sie Herder nennt, hängt zum großen Theite die ganze Zukunft, das gegenwärtige wie künftige Wohl und Weh unserer Religionsgenoffen mit ab.*) Von der Wichtigkeit und Rothwendigkeit einer guten Schulbildung war mau darum von jeher nicht nur Ln Israel so durchdrungen, daß man den Jugendunterricht selbst der Ausübung religiöser Vorschriften vorzog, die Gemeindeglieder zur Errichtung und Erhaltung jüdischer Schulen selbst Ln den jammervollsten Zeiten verpflichtete, die Lehrer von Gemeidesteuern dispensirte und sogar die Synagogen zum Lehrgebrauche verwendete, sondern auch außer Israel erkannten selbst Heiden des Alterthums (wie Seneka, Cicero, Alexander der Große und Andere) wie in der Gegenwart christliche Fürsten und Staatsmävner, der Gelehrtenwie der Bürgerstand den Einfluß eines gut geleiteten Kinderunterrichts. Selbst diejenigen, die das Streben nach geistiger Freiheit mit mißliebigen Blicken betrachten, wagen es nicht, gegen zweckmäßige Anordnungen zur Verbesserung des Schulwesens auch nur leise ihre Stimme zu erheben, müssen vielmehr bekennen, daß in der Schule die künftige Blüthe des Staates, das Saatfeld aller Bildung und Tugend liegt, und ohne sie der bürgerlichen Gesellschaft die eigentliche Lebensquelle, der Volksbildung die Nahrung und die wahre innere Kraft, und dem gesammten Menschengeschlechte das Hülfsmittel für Fortschritt und Bildung fehlt. Die Seele der Schule, das eigentliche Erziehungswerkzmg der jungen Bevölkerung ist aber der Lehrer. Er haucht in der Schule das vorwärtstreibende Leben ein, von ihm geht der bildende und veredelnde Geist aus, von ihm, dem Schutzengel heranblühender Kinder, wird der Same des Guten für kommende Geschlechter in die Herzen hoffnungsvoller Schüler ausgesäet; von dem Interesse, der Einsicht und dem Geschicke derer, die das Steuerruder in der Schule zu führen haben, ist daher zum großen Theile die geistige und religiöse Bildung unserer Glaubensgenossen abhängig. Sollen jedoch diese Jugenderzieher so wirksam und wohlthätig werden, wie sie sein können, so ist schlechterdings eine geregelte und umfassende Bildung derselben unerläßliche Bedingung. Rur von guten Bäumen können gute Früchte kommen *) Ich befürchte nicht, daß mich die erleuchtete Rabb. Vers, wegen dieser Aeußerung der Eitelkeit und des Stolzes zeihen wird. ib -m«i ina brr (yörvr) rasa. und was man nicht selbst hat, kann man Anderen nicht geben. Lehrer, die das Schulamt übernehmen ohne klare Begriffe von ihrem Berufe, ohne gründliche Kenntniß ihrer Lehrfächer, ohne Kenntniß der Erziehungsgrundsätze und der Kinderseele, oder zu einer Zeit übernehmen, wo Andere beim gründlichen Studium erst zur Einsicht ihres Nichtwissens gelangen, können keinen wirklichen Nutzen stiften. Der Lehrer darf nicht wol iw Amte lernen, was zur würdigen Führung desselben gehört, es darf dem Zufalle und der Mannigfaltigkeit der Verhältnisse, in welche er tritt, nicht überlassen bleiben, wie er die nöthige Berufsreife erhält; auch kann er durch Rebenstudium und Privatbildung jetzt auf eine der Zeit entsprechende Weise nicht die erforderliche Befähigung erhalten. Es machen sich daher Schulseminare, in welchen der echte Lehrergeist seine Entwicklung und Thatkraft erhält, in welchen die religiösen Führer der jungen Generation (und wol auch der vieler Gemeinden) selbst zur Religion angeführt, zur religiösen und geistigen Führung gebildet und in religiöser und geistiger Führung vorgeübt werden, in welchen die Jünglinge mit den ihnen hier eingeflößten Grundsätzen in einer geistigen Ehe wie auf Leben und Tod sich vermählen und die Empfänglichkeit der noch unreifen und jeden Eindruck fast kindlich wiedergebenden Gemüther allen Lehren so gläubig und bereitwillig gleich Orakelsprüchen entgegenkommen, als eine dringende Forderung geltend. Diese Zwecke können indessen nur in Schulseminaren, die im Geiste des Judeuthums und für die Bedürfnisse der deutschen Judenheit eingerichtet sind, erzielt werden. Die christlichen Lehrer-Bildungsanstalten sind für die sie besuchenden jüdischen Jünglinge theils nachtheilig, theils ungeeignet. Abgesehen davon, daß der christliche Geist dieser Seminare auf die Gesinnungswerse des spätem jüdischen Religionslehrers, ich will nur sagen, gefährdend wirken kann und solcher Geist doch in keinem Falle geeigenschaftet ist, den jüdischen Zögling für seinen angestammten Gottesglauben zu entflammen, zu begeistern und ihm eine lebendige Ueberzeugung von den unumstößlichen Wahrheiten seiner Religion Ln das Herz zu graben, wie solches doch sein sollte, — abgesehen davon, daß der jüdische Seminarist Ln demReligionsfache leer aus- und ihm später eine freie Behandlung dieses wichtigen Lehrgegeostandes sicher ab geht; — abgesehen davon, daß er hier den Sprachunterricht sammt deren Hülfswissenschaften, die hebräischen Unterrichtszweige, nicht erlernen kann, und ihm dazu auch anderwärts durch die Auflösung

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