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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-21 · Heft 39 (21.9.1846) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 39 (21.9.1846)
Date
1846-09-21
Page
Seite 578 (sequence 14)
Language
German
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578 So schwand ein Tag dahin, auf den wir uns Jahre lang gefreut, und dessen Feier uns mehrere Monate beschäftigt hat. Er schwand dahin, wie alle Tage unsres Lebens, aber gewiß nicht spur- und wirkungslos. Er zeigte unsrer entlegnen Gemeinde, wie sehr ein geregelter Gottesdienst doch mehr geeignet ist, die Andacht zu heben, und die Sinne dem Schöpfer zuzulenken. Indessen haben wir ein ehrfurchtgebielendes Gotteshaus, in welchem die Ordnung nach und nach einzuziehen beginnt; das schändliche Schwätzen hat gänzlich, und das erniedrigende Verschachern der niitn zur Hälfte aufgehört. Traurig genug muß es da ausschauen, wenn das Nichtplauschen und Nichtschachern im Gotteshause schon als ein Zeichen des Fortschritts bezeichnet werden muß. Indessen wollen wir hoffen, daß mit der Zunahme der Bildung und Sittcnveredelung, so wie durch die sanften Belehrungen unsres Predigers, wir von Stufe zu Stufe weiter rücken werden. Unserm Vorstande, an dessen Spitze Herr Moritz Diner, ein junger geist- und talentvoller 26jähriger Mann steht, hat die Vorsehung dieses Jahr einen segenvollen Wirkungskreis vorgezeichnet, auf dessen Boden er unsterblichen Ruhm und himmlischen Segen einernten kann. Unter seinem Präsidium ist dieses Jahr die Schule in's Leben getreten und die neue Synagoge eingeweiht worden. Beide Institute jung und schwach bedürfen der Stütze und des Nachhelfens, damit sie erstarken und feststehen und stürmischen Angriffen Trotz bieten könnten. Beide haben leider Feinde, die bloß der Vorstand unschädlich machen kann, und Beide sind wichtig genug um das Ziel und das eifervolle Streben solcher würdiger Männer zu sein. Sehr oft ist in diesen Blättern die Wichtigkeit eines vom Fortschritt beseelten intelligenten Vorstandes in allen jüdischen Gemeinden besprochen worden, aber nirgend ist er so fühlbar, und kann so heilsam wirken, als in unserm Vatcrlande. Hier ist die Verwaltung der Gemeinde ihm ganz und gar anheim gestellt; unsere großmüthige Regierung legt uns keine Schranken an, und unterstützt gern jedes wohlwollende Streben. Ein für das Gute beseelter Vorstand kann in einem Jahre mehr befördern, mehr wirken und verbessern, als es sonst in einem halben Jahrhundert zu geschehen pflegt. Aber auch verderben kann er, den Fortschritt hemmen und den Aberglauben bestärken helfen. Jedes Zurückbleiben einer Gemeinde also, jeder Rückschritt, so wie jede geistige Vernachlässigung lastet einzig und allein zu schwerer Rechenschaft aus der Seele des Vorstandes, so wie jede geistige Erhebung in derselben, jede Zunahme an Bildung und Wissenschaft ihm allein auch zum ewigen Ruhme dient. Deshalb haben wir Einwohner jüdischer Gemeinden in Ungarn vorzüglich zu wünschen, solche Männer an der Spitze der Verwaltung zu sehen, die das wahre Wohl Israels zu beherzigen wissen, die sich bestreben, das Licht der Aufklärung überall zu verbreiten; die mit Kraft und Energie, mit Geduld und Beharrlichkeit ausgerüstet sind, dem starren Stabilismus die Stirne bieten zu können. Und deshalb möge auch Gott unserm heutigen Vorstande die Kraft verleihen, das begonnene Werk zu vollenden; die Jugendschule festzustellen, zu vervollkommnen und genau zu bewachen, und das Gotteshaus zu einer geweihten heiligen Stätte zu gestalten, in welcher nicht bloß altpolnisch sich gebrrdende, schaukelnde und überlaut schreiende Männer beten können, sondern auch wohlgesittete, anständig sich benehmende und wahrhaft fromme ihre Andacht finden. A. B. Literarische dtacyrichten. Magdeburg, 13. September. (Predigten.) Predigt bei der am 2. April flattgefundenen Einweihung des Gotteshauses der Genossenschaft für Reform im Judenthum gehalten von Dr. Sam. Holdheim, großh. meckl. schwer. Landesrabb. Berlin, 1846. Die Anlage dieser Predigt ist einfach und kunstlos, so daß sie vielmehr ein Bortrag zu nennen, da sie sogar eines Textes entbehrt, wenn nicht das gelegentliche Erwähnen von Hiob 8, 7 dafür gelten soll. Es werden die Fragen behandelt: welches ist der ursprüngliche Boden, auf dem dieses Heiligthum errichtet worden? und welches ist der Grundstein, den Ihr zu seinem Aufbau gelegt habt? Als der Boden wird der „Glaube" betrachtet, der wieder lebendig werden soll in seiner Reinheit; als der Grundstein: alles Todte von uns wegzuschaffen, und das Lebendige aus der Zerfallenheit zu retten. Für das Letztere stellt der Redner die Formel auf: „nur eine wahrhaft höhere Stufe der innerlicheu Religiosität berechtigt zur Aufgebung dessen, was der nieder« Stufe noch Pflicht und Bedürfniß ist." Es versucht diese Formel freilich eine mathematische

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