Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-21 · Heft 39 (21.9.1846) · p. Seite 577

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 39 (21.9.1846)
Date
1846-09-21
Page
Seite 577 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225483--08036-3238830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

577 III. Normen für dieEinrichtungdcrTauchbäder, wo solche beibehalten werden wollen. 1) Die Tauche muß in einem heizbaren, mit einem Bretterboden belegten, durch Fenster gehörig erhellten Zimmer eingerichtet sein. Das Badlokal ist stets reinlich zu halten. Die Fenster müssen, wo sie den Blicken von außen ausgesetzt sind, mit Vorhängen versehen sein. 2) In der Regel sind nur Tauchen zu gestatten, welche mit Quell- und Flußwasser gespeist werden, weil dieses nach den Ritualgesetzen an jeden passenden Ort geleitet werden darf, was bei dem Regenwaffer nicht der Fall ist, und weil auch ein Quantum von einigen Maaßen Quellwaffer genügt, um zu gestatten, daß anderes geschöpftes und gewärmtes Wasser hinzugegossen werde. 3) Der Badebehälter muß durchaus mit wohlzusammengefügten Steinplatten bekleidet, höchstens drei oder einen halben Fuß tief sein und soll wegen der Schwierigkeit der Erwärmung nicht mehr als das ritualmäßige Wasserquantum von zwei Eimern vier Jmi württembergischen Maaßes halten. Derselbe darf nicht über einer Quelle, wie es bisher häufig der Fall war, angelegt sein, sondern es muß sowol das kalte als das in einem Kessel von angemessener Größe zu erwärmende Wasser durch, mit einer Hahneneinrichtung versehene Röhren in den Badebehälter geleitet werden. Im Boden muß derselbe eine Abzugsöffnung zum Ablassen des Wassers erhalten und seine Einsenkung in den Fußboden darf nur insoweit stattfinden, daß diese dem Abflüsse des Wassers nicht hinderlich ist. 4) Sowol im Sommer als im Winter soll dem Bade bis zur Herstellung eines angemessenen Wärmegrades warmes Wasser zugelaffen und in rauher Jahreszeit auch das Badclokal erwärmt werden. Für Arme ist das nöthige Holz aus dem Armenfonds der Kirchengemeinde abzugeben. Oesterreich. LiPtau Sz. Mik1«s, 6. August. (Privatmitth.) Der gestrige Tag war uns ein Tag der Freude und der Wonne. Es war nämlich der Tag der Einweihung unsrer prachtvoll neu erbauten Synagoge, und wir genossen die Freude, eine ungcheure Menge von Menschen aller Konfessionen herbeieilen zu sehen, um dieser Feierlichkeit beizuwohnen. Um 10 Uhr des Morgens beim Signale einiger Böllerschüsse begann der Zug aus dem Gemeindehause in das neue Gotteshaus nach folgender Ordnung. Voran die Nationalfahne mit 24 Schulknaben und eben so vielen weißgekleideten Mädchen, dann der wohleingeübte, aus der teschner Gemeinde herbeigeholte Chor mit der Musik; der Herr Rabbiner und der Herr Prediger im Ornate unter einem Baldachin nv tragend, denen 12 a'spT mit brennenden Wachskerzen zu beiden Seiten folgten; sodann die Vorsteher der Gemeinde, die Herren Bauinspektoren, Schulkommissäre und die Vorsteher der wohlthätigen Vereine auch brennende Wachskerzen tragend. Vor dem Komitatshause angelang, schlossen sich dem Zuge an unser vielgeliebter Herr Obergespann, Sr. freiherrlichen Gnaden Anton von Majtheny, die Herren Vizegespane, die löbl. Stande und Magistcatuellen, so wie die dort versammelten königl. Beamten, hohe Geistlichkeit und viele andere Honoratioren. Unter Absingung passender Psalmen bewegte sich der Zug in ungestörter Ordnung bis in das Innere der Synagoge, allwo zuerst das rma ft» vom Chore gesungen wurde. Der Rabbiner sprach dann den Segen rnun, zündete unter Absingung eines eigends hierzu von Herrn Simon Bacher verfaßten hebräischen Gedichtes das Tan t an; die üblichen 1 nspn mit den rib wurden gemacht, allwo dann der Prediger, nach Verrichtung des Gebetes für den Landesvater, die Kanzel bestieg, und mit kraftvollen, in das Herz der Zuhörer tief eindringenden Worten über die Weihe dieses Hauses, über seinen Zweck und seine Bestimmung, sprach. Herr B. Lewinstein hat bei dieser Gelegenheit nicht minder als bei jeder andern die Bewunderung seiner Zuhörer auf sich gezogen, und sein besonderes Rednertalent an den Tag gelegt, und daß seine gemüthlichen Worte nicht spurlos verhallen, zeigt die geistige Belebung, die hier zu herrschen beginnt. Nach der Predigt wurde das nwa- Gebet mit dem Chore verrichtet, worauf die Volkshymne die Feierlichkeit schloß. Geistig erbaut und herzlich vergnügt verließ die große Menge das Gotteshaus, und Festessen und Unterhaltungen wechselten untereinander bis spät in die Nacht hinein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.