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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-21 · Heft 39 (21.9.1846) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 39 (21.9.1846)
Date
1846-09-21
Page
Seite 579 (sequence 15)
Language
German
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579 Lösung in ein Gebiet zu bringen, wo die Befriedigung des Verstandes nur ein einzelnes Moment ist; wo Pflicht und Recht sich nicht logisch abmessen lassen; wo höhere und niedere Stufe keine charakteristischen Abzeichen haben; wo in der Form ein hoher Grad von Religiosität lebendig sein kann, in der Formlosigkeit zu leicht ein völliges Vergessen der religiösen Regungen stattfindet; wo die Form den religiösen Geist wecken und nähren soll, der religiöse Geist hinwiederum an der Form Nahrung und Halt sucht — Momente, welche die aufgestellte Formel als eine Täuschung des berechnenden Verstandes in einem Gegenstände, der immensurable ist, erscheinen läßt. — Sie hörten nicht auf Moses vor Kürze des Odems und vor schwerer Arbeit! Predigt am Sabbat Waera in der Synagoge zu Schwerin von Dr. Samuel Hold heim. Schwerin, 1846. Auf scharfsinnige Weise wird aus 2 Mos. 6, 9 der Satz eruirt, „daß die äußere Freiheit des Bekenntnisses mit der innern Freiheit des Geistes Hand in Hand gehen müsse, wenn durch sie unsre religiöse Wohlfarth erreicht werden soll." Dies wird an den Israeliten in Aegypten erwieseu, dies durch das Mittelalter bis zur neuesten Zeit verfolgt, daß bei Mangel an Gewissensfreiheit, bei Druck von außen die Entwickelung der innern religiösen Freiheit nicht erdrückt, aber unterdrückt worden. Da nun unsre Zeit immer mehr äußere Freiheit bringt, so müssen wir auch nach innerer streben, und Wahrheit in unfern Gottesdienst bringen, was der Redner insonders auf die Opfergebete und die Bitten um Rückkehr nach Palästina anwendet. Was bei dieser, wie der vorhergehenden Predigt des Herrn I)r. H. auffällt, ist, daß der Redner zu viel abschweift, seine Gedanken nicht konzinn genug aneinanderreiht und nicht scharf genug aufstellt, so daß sie dem Hörer nicht so klar entgegentreten können, wie es sein sollte. Magdeburg, 14. September. Versuche eines Scheintodten. Breslau, 1846. Diese, zum Besten der Abgebrannten iu Guteutag bestimmte Sammlung von Gedichten — wir sehen nicht ein, warum sie der Dichter einem „Scheintodten" vindizirt — hat einen bestimmt ausgeprägten Boden. Jener Ziespalr, in welchen der gebildete Jude, der aber in den Tiefen von Wissenschaft und Kunst oder in einem angemessenen Lebensberufe Trost, Kraft, Befriedigung nicht zu finden vermag, geräth, sobald er auf seinen Lebenswegen in bürgerlicher und sozialer Beziehung sich zurückgestoßen, beschränkt, gedrückt sieht; jene, oft krankhafte Reizbarkeit, die ihm in Vergangenheit und Gegenwart überall das Schreckbild des Judenhasses und der, das Individuum unverdient treffenden Verachtung und Ausschließung vor die Seele führt; der daraus erwachsende Hohn über die Falschheit der Welt, der die wunde Seele am Meisten selbst verwundet; die Resignation, die zuletzt süße Befriedigung im bittem Schmerze sucht und findet — dies ist der Boden, aus welchem diese Gedichte entsprungen sind. Wir gestehen es gern, daß viele derselben tief in unser Herz greifen, und selbst gefühltes Weh wieder zum Bewußtsein rufen. Aber wir können es nicht minder verhehlen, daß sie im Ganzen krankhaft sind. Ob der Dichter es selbst gefühlt, daß diese Gedichte meist einen überwundenen Zustand schildern, als er ihr Datum, welches die Mehrsten in die zwanziger und Anfangs der dreißiger Jahre versetzt, dabei setzte? Wir Juden sind nicht wehr die schmerzerfüllten, die getretenen Dulder: längst ist die Reaktion gekommen, und macht uns zu kräftigen Kämpfern, zu Mahnern und Schuldeinfordrern; längst haben wir erkannt, daß die Schuld nicht allein an den Jenseitigen liegt, sondern daß wir gewaltig am eignen Heit arbeiten müssen, uns selbst umwandelnd, und die Zeit, so sie Zurückbleiben wollte, überwindend. Dies ist es, was wir vom Dichter erfaßt und kräftig zum Ausdruck gebracht wünschten. Die Sprache ist lebendig, die Form mannigfaltig; doch jene nicht immer korrekt, diese nicht immer gelungen. Hie und da ein trivialer Gedanke oder Ausdruck. Mitempfinden wird jeder Leser, und dem Dichter oft die Hand drücken für die Aussprache innerster Gefühle. Ein Theil der Gedichte behandelt auch angemessen Erzählungen und Sentenzen des Talmuds, wie auch der Dichter gewandt Stellen der Schrift zu benutzen versteht. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l'/rNgr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Lemförde, den 5. September 1846. Nachruf! Am Sabbat, den 29. vorigen Monats traf die hiesige Gemeinde ein höchst schmerzlicher Verlust, indem ihr würdigstes Mitglied, der Herr Kaufmann Jakob Moses Kugelmann, im fast vollendeten 79sten Lebensjahre seine höchst thatenreiche irdische Laufbahn endete. Dieser würdige Mann hatte sich nicht nur stets als höchst rechtlicher und gewissenhafter Geschäftsmann aus-

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