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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-21 · Heft 39 (21.9.1846) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 39 (21.9.1846)
Date
1846-09-21
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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sie sagte zugleich, daß diese Suppenbewilligung dazu dienen solle, die religiösen Besorgnisse mancher Eltern zu beseitigen. Der Verein, der etwa zur Hälfte aus frommen und zur Hälfte aus freidcnkenden jungen Leuten besteht, erwiderte, wenn die Sache denn so gemeint sei, so müsse er sich erst überzeugen, ob die Kinder denn an den übrigen Tagen nichts Gesetzwidriges erhielten und ob es auch mit dem Geschirr gesetzmäßig zugehe. Zeitungsannoncen u. dgl. kamen dazwischen, und obgleich die Aufregung ziemlich gestillt ist, so ist die Sache doch noch nicht ganz in Ordnung. Auch wegen der Meziza ist einige Anregung hier. Es existirt nämlich ein Mohel, von dessen beschnittenen Kindern seit einigen Jahren eine beträchtliche Anzahl (angeblich 15) an bösartigen Haut- und Eiterkrankheiten starb. Dieser Mann wurde, so wie die Sache ruchbar wurde und mehrere Aerzte erklärten, es sei hier eine Ansteckung vermittelst des Speichels vorhanden, erst von der Mohelimgesellschast, und als dies nicht half, von der altonaischen und von der hiesigen Gemeinde öffentlich interdizirt. In seiner von einem Nicht-Wahnsinnigen unerhörten Hartnäckigkeit verschaffte sich der Mann nun eine Operation in einem kleinen überelbischen Orte. Hierauf erkrankte nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie und der Ortsphysikus requirirte durch Vermittlung der hannoverschen Regierung eine gerichtliche Untersuchung gegen den Mann. Einer unserer hiesigen Aerzte benutzte die Gelegenheit, um bei der Gemeinde auf gänzliches Verbot der Meziza anzutragen. Die Folgen sind leicht zu berechnen: da wir bisher nur einen einzigen Mohel haben, der seit vielen Jahren ohne Meziza beschneidet, dieser aber altert und nicht zur deutschen, sondern zur portugiesischen Gemeinde gehört*), so werden die deutschen Mohelim auf der Meziza bestehen, weil Jeder sich vor seinem Nachbar genirt; einige nichtssagende Ordnungsmaßregeln werden dann allenfalls eingeführt werden und die nicht kleine Anzahl derer, die überhaupt keine Beschneidung wollen, werden die gute Gelegenheit benutzen und *) Dieser Mohel ist zugleich Chasan am hiesigen neuen Tempel. Das ist aber ein lediglich zufälliges Zusammentreffen und der Tempel hat bisher noch nicht das Geringste wegen der Meziza verfügt, obgleich dies bereits mehrfach und sogar corain prolocollo behauptet worden ist. Korresp. eine Furcht affektiren. Der hiesige Senat wird sich aber eben so wenig darein mischen, als es der frankfurter that, und so wird die Beschneidung seltner werden, zumal da die Frauen hier bedeutend mitzureden haben. Nach dem erfolgten Ableben zweier Direktoren unserer Talmud-Tora-Schule sind zwei neue Mitglieder erwählt und mehrere wichtige Modifikationen sind zu erwarten. Es war auch hohe Zeit, daß, unbeschadet des religiösen Systems, ein wenig junges Blut in. die Verwaltung kam. Bisher war es so unmöglich, dort Sing- und Turnunterricht einzuführen, als vor 30 Jahren eine Landkarte. Auch ist diese Schule wol die einzige in der Welt, die keinen eigentlichen Oberlehrer hat: was sie dennoch leistet, ist daher mehr «znoigue als parcegue. Die Jewish Chronicle No. 23 berichtet mit vieler Freude, daß Dr. Adler eine in vornehmen Kreisen vorgegangene Ehe zwischen einem Mitgliede der orthodoxen und einem der reformirten Synagoge eingesegnet hat, woraus sich die Sinnesänderung des hochwürdigen Herrn folgern läßt, welcher, sagt das schelmische Blatt, ja gewiß nicht zweierlei Maaß und Gewicht für Arm und Reich haben wird. Durch die Gefälligkeit eines Freundes erhalten wir ein vom 3. Juli datirtes Anerkennungsschreiben des Zentral-Komite's der briltischen Juden an Dr. Löwe bezüglich seiner russischen Reise mit Sir Moses Montesiore. Es lautet: „At a meeting of this board beld on Wednesday evening last, Sir M. M. on referring to bis recent visit to Rnssia, expressed his appreciation of tbe valnable Services, whicb vou had rendered him in his arduous and benevolent undertaking, more particularly in his Conferences with his Coreligionist, and I am deputed agreably to a resolution of this board passed on the same evening to offer to you its cordial thanks for yonr kind Cooperation. I have much pleasure in being the medium of communicating the sentiments of the board to you and etc. etc. gez. David Salomon, President.“ Beigcfügt war eine Aufforderung der Chefs der Judengemeinde Wilna's, worin Dr. Löwe zum Predigen in der dortigen hochberühmten Synagoge (vor 15,000 Zuhörern) aufgefordert wird, und eine alle europäischen Ausdrücke der Dankbarkeit überfliegende

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