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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-14 · Heft 38 (14.9.1846) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 38 (14.9.1846)
Date
1846-09-14
Page
Seite 560 (sequence 12)
Language
German
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560 müßte sorgfältig auf die Erhaltung seines Rufes wachen. Die Stockjuden wollen die Emanzipation nicht, weil sie dadurch eine Verschmelzung befürchten, die uns gerade erwünscht sein muß. Die Idee des christlichen Staates endlich sollte man nicht zu Schlüssen mißbrauchen, welche zu Verfolgungen und Bedrückungen führen, die wir in den Christenvcrfolgungen in Syrien, in den Bedrückungen der Katholiken in Rußland und früher in England beklagten. An die Grundsätze der Freiheit und Gerechtigkeit heute zu appelliren, habe ich nicht nöthig; wir werden gerecht sein. — v. Soiron glaubt, daß es der Widerwille gegen die Juden ist, welcher gegen die Emanzipation entscheidet. Allein wo es sich um staatsbürgerliche Rechte unserer Mitbürger handelt, darf Zuneigung oder Abneigung nicht maßgebend sein. Ohne jenen Widerwillen fallen alle Gründe der Gegner zusammen. Man wird dann nicht mehr sagen, das Judenthum sei staatsgefährlich, man wird sich nicht mehr auf den Talmud berufen, den man nicht gelesen hat, nicht mehr von einem theokratischen Staate sprechen, den selbst die am Hellsten Sehenden nicht mehr erblicken, man wird auch die Vermehrungsfähigkeit der Juden nicht mehr fürchten. Es fragt sich dann nur noch: Haben die Juden das Recht, emanzipirt zu werden? und dieses Recht ist anzuerkennen, — was der Redner näher ausführt. Man muß ferner den unglücklichen Zustand der armen Juden verbessern, und nicht immer nur von dem Fortschritt sprechen, von dem man selbst Vortheil hat. Was hilft cs, wenn die Polizei Judenknaben zwingt, ein Handwerk zu lernen, wenn sie es nicht ausüben dürfen, wo sich Gelegenheit dazu bietet? Eine öffentliche Meinung gegen die Emanzipation der Juden hat der Redner noch nicht gehört, sondern nur ein Privatinteresse der Oertlichkeit. Eine solche Meinung verdient keinen Respekt; man könnte in dieser Weise auch eine Meinung für die Prügelstrafe zu Stande bringen, wenn man nur Jedem, der mitstimmt, für ihn und seine Familie einen Freibrief gegen die Prügel gäbe. Der Redner stimmt für den Kommissionsantrag. Hecker hat schon 1842 erklärt, daß er nicht der Emanzipation entgegen trete, sondern sich bemühte, einen Mittelweg aufzufinden zwischen den gebildeten und den Stockjuden. Inzwischen ist ein Ereigniß eingetreten, welches Anlaß gab, näher nachzudenken über die Verfolgung um des Glaubens willen. Es ist schwer, sich loszusagen von den Vorurtheilen der Jugend; aber ich habe mich losgemacht von der Tradition, die nichts ist, als ein fortgesetztes historisches Unrecht, und ich werde heute für die Emanzipation der Juden stimmen. Die Bedrückung der Juden in Deutschland erklärt sich aus der Unfreiheit unserer Staaten, wo es den Gedrückten wohl thut, wenn sie noch Jemand haben, an dem sie sich erholen, den sie knuffen und mißhandeln können. Wir wollen uns lossagen von diesem Standpunkte der Unfreiheit und aufstreben zur Freiheit, und ich stoße mich an der Volksmeinung nicht, die jeder edeln Bestrebung anfänglich entgegentrat. Wir sind berufen, dem Volke grundsätzlich voranzugehen und wollen sehen, ob das Volk sich nicht ebenfalls erhebt. Es wird eine bessere Zeit kommen, wo das Volk diejenigen segnen wird, die ihnen vorangehen mit der Leuchte der Vernunft. Die Absonderung zwischen den Christen und Juden ist noch in viel höherem Grade unter den christlichen Ständen vorhanden, zwischen dem Reichen und dem Armen, dem Adeligen und dem Bürgerstand, besonders hinsichtlich ehelicher Verbindung, endlich zwischen dem Amtmann und dem Bürger. Dieser Absonderung sollen wir entgegenwirken und der Furcht vor den Juden sollte man aus Schamgefühl nicht erwähnen. Der Redner schließt mit der Bemerkung, daß die Petition aus einer Gemeinde, die früher für die Emanzipation eingekommen, jetzt dagegen lautet, daher rühre, daß ein Mann eingewirkt, der sie durch Furcht zu Stande gebracht. Wollen wir uns selbst emanzipiren, so müssen wir für die Emanzipation der Juden stimmen, und wenn zwei Drittheile des Landes zur Zeit noch dagegen wären. Hannover, 3. September. (Eingesandte Berichtigung.) Eine Privatmittheilung aus Hannover in No. 36 d. Bl. bespricht das projektirte Lehrerseminar. Wir sind ermächtigt zu erklären, daß alle Angaben dieser Privatmittheilung unwahr sind — was hier auch allgemein bekannt ist. Der Fonds ist noch keineswegs so groß, daß schon jetzt an eine Eröffnung der Anstalt gedacht werden könnte; vielmehr ist sehr zu wünschen, daß die Landgemeinden besonders größere Anstrengungen machen, um die baldige Eröffnung zu ermöglichen. Es versteht sich daher wol von selbst, daß an die Wahl eines Inspektors

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