Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 38 (14.9.1846)
- Date
- 1846-09-14
- Page
- Seite 559 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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559 Es flieht viele Israeliten, die zu den trefflichsten Männern gehören; allein eine theilweise Gleichstellung ist nicht möglich, und wenn die Israeliten sich nicht darauf einlaffen wollen, zu erklären, ob die Sabbatfeier unter Umstanden bei Seite gesetzt «erden kann, so liegt die Schuld an ihnen, wenn sie nicht emanzipirt werden. In Frankreich, Württemberg u. s. w. giebt es verhaltnißmaßig viel weniger Israeliten als in Baden, auf dieses Beispiel kann man sich also nicht berufen. Es fehlen ihnen nicht mehr viele Rechte und das Bedenklichste wäre allerdings der Eintritt in den Allmendgenuß durch das Uebersiedelungsrecht. Auch der Bericht (des Redners) auf dem letzten Landtag wurde in einer Sendschrift in einer Weise angegriffen, die eigentlich durch starres Festhalten am Talmud u. s. w. gegen die Emanzipation spricht und worüber auch er mit Verachtung weggehe. Das häufige Eintreten von Juden in Gemeindeämter wäre ebenfalls nicht wünschenswerth, es könne aber dazu kommen, daß sich die Israeliten um 12 Prozent stärker vermehren, als die Christen. Der Redner verliest eine Stelle aus einer frühern Rede des Abg. Rindeschwender gegen die Emanzipation und bemerkt, daß viele Landleute durch den Wucher der Juden zum Auswandern veranlaßt werden, um den Rest ihres Vermögens aus ihren Händen zu retten. Die früheren Kammern haben gethan, was die Billigkeit verlangt, und er schlägt daher vor, den frühern Beschluß zu wiederholen und mit Bezug auf die Beschlüsse von 1831 u. s. w. zur Tagesordnung überzugehen. Bassermann: Der frühere Bericht des Abg. Fauth gegen die Emanzipation hat der Sache mehr genützt, als viele unserer Reden, und so wird auch, hoffe ich, sein heutiger Vortrag nicht schaden. Wenn Israeliten stark gegen jenen Bericht, wie gegen den Abg. v. Rotteck aufgetreten sind, so zeigt dies, daß sie sich nicht mehr treten und schlagen lassen, sondern, wenn sie geschmäht werden, mit männlichem Zorne begegnen. Der Redner verliest Zeugnisse der holländischen Ministerien über die guten Folgen der Emanzipation. Auch Rotteck war im Grundsätze für die Gleichstellung, nur das Vorurtheil oder, wie er glaubte, die öffentliche Meinung hielt ihn ab, sich unbedingt dafür zu erklären. Aber so gut als dieser Grund könnten auch andere, z. B. eine Belohnung, Jemanden abhalten, nach seiner eignen innern Ueberzeugung zu stimmen. Wenn die Juden auf die Zumuthungen von 1831 eingegangen wären, dann würden sie der Emanzipation nicht würdig sein. Man muthet ja auch jn der Türkei den Christen nicht zu, ihren Sonntag auf den Freitag, den die Türken feiern, zu verlegen. Die Bedenklichkeiten einiger Redner theilt er nicht, zumal habe das Beispiel von Kurheffen gezeigt, daß die vollständige Emanzipation (dort mit Ausnahme der Juden, welche Nothhandel treiben) nicht schade; wegen des Allmendgenuffes und der Uebersiedelung sollten allerdings Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Allein, wenn die Kammer nach dem Anträge der Kommission die Petition dem großh. Staatsministerium zuweist, so ist doch noch ein weiter Weg bis zu der vollständigen Emanzipation. Der Redner erzählt Beispiele aus seinem Wahlbezirke, wo Juden nicht gestattet wurde, Grundstücke zu erwerben, wo sie zum Bau christlicher Kirchen beitragen mußten u. s. w. Man verweist auf Wucher der Juden, und meint dann, wer für die Emanzipation aus Grundsatz spreche, müsse Freude an diesem Wucher haben. Und sind denn die Juden dadurch schlecht geworden, daß sie gleichgestellt waren? Wenn ein Christ sich schlecht benimmt fragt.Niemand nach der Religion; begeht aber ein Jude ein Verbrechen, so soll es die ganze Religionsgenoffenschaft verschulden. Der Redner führt aus, daß die gemeindebürgerlichen Rechte der Juden verbessert werden müssen; man sollte auch den Christen das Recht nicht nehmen, wenn sie wollen, Juden zu Gemeindeämtern zu wählen, eben so verhält es sich mit der Wahl zu Abgeordneten. Viele werden durch einen gewissen Neid veranlaßt, sich zu widersetzen und die Städte, welche die Juden ausschlossen, haben es zum Theil schwer gebüßt, wie z. B. Nürnberg durch die Entstehung von Fürth. Der verstorbene Minister Winter sagte, Karlsruhe wäre ohne die Juden nicht geworben, was es ist, und ich weiß nicht, ob Konstanz wohl daran thut, die Juden auszuschließen. Gerade wenn man will, daß sie sich noch für Anderes als für Gelderwerb interessiren, sollte man sie zu öffentlichen Aemtern zulassen; dadurch erweitern sich die Gedanken. Während aber wir über den öffentlichen Geschäften unfern Erwerb vernachlässigen, beschränken wir die Juden einzig auf die Sorge für ihren Erwerb. Ein Jude würde sich im Amt weit mehr in Acht nehmen müssen, als der Christ, er