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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-14 · Heft 38 (14.9.1846) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 38 (14.9.1846)
Date
1846-09-14
Page
Seite 558 (sequence 10)
Language
German
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558 darum nur fragen, in welchem Maße wird der Fortschritt eintretrn können. Der Abg. Christ redet von der vollen Emanzipation. Ich, meine Herren, der recht gut fühlt, daß den Israeliten die Rechte gehören, wie den Christen, kann dcmungeachtet noch nicht für die vollkommene Emanzipation stimmen, obschon ich, wie gesagt, den Fortschritt will. Ich bin nicht für die alsbald einzuführende volle Emanzipation, weil ich glaube, daß der Abgeordnete nicht gerade dasjenige, was er persönlich für gut findet, bevorworten muß, sondern weil ich glaube, als Abgeordneter die Pflicht übernommen zu haben, nur für die Einführung jener Maßregeln zu stimmen, von denen ich gewiß bin, daß sie das Wohl des Landes befördern, daß sie keinen Mißmuth unter dem Volk erwecken, daß sie keinen Widerstand erzeugen, der, so lange die Verhältnisse noch bestehen, zu großen Mißverständnissen, ja ich möchte sagen, zu vielem Streit und Verdruß in dem Land und in den einzelnen Gemeinden führen kann. Ich kenne, meine Herren, die Stimmung der Bürger und der Landleute, denn, wie ich Ihnen schon mehrmals gesagt habe, ich lebe viel unter dem Volk und kann Sie versichern, ich fürchte, daß, wenn die Emanzipation plötzlich, was übrigens der Berichterstatter selbst nicht will, in ihrem ganzen Umfang cingesührt würde, eine laute Stimme des Mißmuths unter dem größer» Theile der Landbewohner sich erheben würde, daß wir einen großen Theil des Volks von uns stoßen würden, während wir in dem Volke unsere Stütze finden müssen. Das badische Volk ist zwar viel und besonders politisch gut ausgebildet; aber in dem Punkte der Judenemanzipation ist es noch befangen. Darum trete ich zum größten Theil der Ansicht des Abg. Gottschalk bei. Ich will aber in Betreff der Wählbarkeit der Israeliten noch weiter gehen, und gehe deswegen auf die Wahlen über. Ich war es, der früher bei der Berathung über die Gemeindeordnung viel dafür gekämpft hat, daß man den Israeliten das Recht gebe, in den kleinen Ausschuß gewählt zu werden. Ich habe damals auch schon verlangt, daß man sie wählbar erklären soll als Gemeinderäthe, wenn sie das Vertrauen des Volkes gewinnen können. Ich will dieses noch, und will auch, daß sie als Bürgermeister erwählt werden können, wenn das Vertrauen der Bürger sie dazu ruft. Die Hauptfrage ist aber, wie bereits angeführt wurde, die Frage der Uebersie. delung, sie ist hochwichtig für die Israeliten, aber auch für die christlichen Bürger des Landes. Es ist nicht damit geschehen, daß die Juden Bürger einer Gemeinde werden; nein! sondern der Verdruß, sei er gegründet oder nicht, wird dadurch entstehen, daß der als Bürger angenommene Jude auch Ansprüche auf die Allmende der Gemeinde machen wird, das ist der empfindliche Punkt, der den größten Widerstand hervorbringen wird. Will nun aber eine Gemeinde den Mann doch zum Bürger nehmen, will sie ihn übcrsiedeln lassen in die Stadt- oder Landgemeinde, wohlan! dann geschieht nur, was sie will, aber dann will ich auch, wie der Abg. Gottschalk, daß nicht die Regierung mit dem Recht, welches die Gemeindeordnung ihr giebt, befehlen kann, weil der Mann das Vermögen und einen guten Leumund nachgewiesen har, darum soll und muß er als Bürger angenommen werden; nein, ich will das allein abhängig gemacht haben von der Mehrheit der Gemeinde, und zwar einer bedeutenden Mehrheit, wie sie der Abg. Gottsckalk bezeichnet hat, von drei Fünftel. Ich rede von Verstorbenen nie Schlimmes, demungeachtet muß ich hier anführen, daß wir in unserer Kammer Männer gehabt haben, die mit unendlicher Wärme und Kraft für die Emanzipation wirkten, aber als es an die Uebersiedelung kam, für welche sie ebenfalls sprachen, doch gesagt haben: Aber! in meiner Stadt, in meiner Gemeinde können wir keine Juden annehmen!! Ich bin für die Emanzipation unter diesen einstweiligen Beschränkungen und glaube, daß dieser Schritt in der Frage der Emanzipation einstweilen genügen wird, denn zu Ministern werden die Juden es nicht leicht bringen; da sind immer andere Leute da, die darauf warten. Ich werde also ebenfalls für die Ueberweisung der Petition stimmen, jedoch unter Be. zugnahme auf die von uns ausgeführten Rücksichten und Beschränkungen. Fauth: Die Israeliten werden mit der Lobrede des Abg. Christ sehr zufriden sein; aber man sollte von einem Beschlüsse, den so viele Kammern sesrhielten, nicht wegwerfend sprechen, v. Rotteck und mehrere Berichterstatter wurden von israelitischen Schriftstellern aufs Gröbste geschmäht, namentlich von vr. Rieser, worüber Rotteck aber mit Verachtung wegsah. Der Weg zur Emanzipation ist immer noch, wie 1831, die Wegräumung der Hindernisse.

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