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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-14 · Heft 38 (14.9.1846) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 38 (14.9.1846)
Date
1846-09-14
Page
Seite 557 (sequence 9)
Language
German
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557 ihnen das Leben nicht gönnen, wer billig ist; ja, wer vernünftig ist, wird deren Dasein sogar für ersprießlich halten, denn das Salz darf nirgends fehlen. Aber wenn diese Individuen sich dann zur Allgemeinheit aufwerfen, und dieser ihre Lebensnormen vorschreiben wollen — so müssen sie auf den Mund geklopft werden. Sie werden es immer erleben, daß sie sich im Stich gelassen sehen. Mögen doch die Herren einmal dahinter kommen, daß es gar keiner Geisteskraft dazu bedarf, um zu sagen, Alles, was in der Bibel steht, ist ein Symbol, ein Symbol ist für uns nicht mehr norhwendig, daher—ein Strich durch. Es ist dies die leichteste Weise, mit allen Institutionen und Formen fertig zu werden. Ueberhaupt ist es das Bequemste, keine Religion zu haben. Nur thue ein solcher nicht damit groß, und wolle der Welt die Größe seiner Weisheit, und die Höhe seines Standpunkts nicht aufreden. — Daß das Volk die von der Rabb. Vers, vorgeschlagenen Reformen nicht sofort annimmt, hat man als einen Beweis für ihre Nichtwirksamkeit, für den Mangel an Autorität angesehen und ihr oft genug vorgeschoben. Allein es ist dies immer der Fall. Die Masse darf nicht zu beweglich sein. Es wäre dies ein Unglück. Denn das Gewicht, welches sie in ihrem Glaubensbekenntniß festhält, wäre dann zu leicht. Erst dann darf eine Reform in das Volk übergehen, wenn sie sich als unabweisliche Nothwcndigkeit dargcthan, wenn sie selbst unbewußt ausgeführt worden. Es gilt hier nur immer der Masse die Wege bahnen, damit jene diese zur rechten Zeit beschreiten könne. Daher thut es gar nichts, daß die jüdische Masse die Beschlüsse der Rabb. Vers, vorerst nur entgegenn i in m t. In dem weisen und richtige Theile derselben wird das Annehmen auch nicht fehlen. Mannheim, 30. August. (Privatmitth.) Je wichtiger das Votum der zweiten Kammer Badens in unsrer Angelegenheit ist, und zwar um so wichtiger, als dieses den früheren Beschlüssen dieser selben Kammer so glanzend widerspricht: desto eher werden Sie auch noch folgende ergänzende Mittheilungen aus der Landtagszeitung, welche die hiesige Abendzeitung giebt, in die A. Z. d. I. aufnehmen. Es wird darin gewissermaßen auch eine Selbstkritik der Kammer über ihre früheren Beschlüsse gegeben, es tritt darin die Frische der jüngern Anschauung gegen ältern engherzigen s. g. Liberalismus so lebendig hervor, daß sie vom höchsten Interesse sind. v. Jtzstei n: Sie haben, meine Herren, von dem Abg. Christ denAntrag'vernommen, welchen die Kammer vor mehreren Jahren zum ersten Male faßte, als die Frage der Emanzipation zur Sprache kam; der Antrag ging aus von dem seligen von Rotteck, der Zierde der Kammer, und die Kammer hat ihn fast einstimmig angenommen, wie auch seit jener Zeit immer mit großer Mehrheit. Wer diesen Antrag aufgefaßt hat, wird daraus ersehen, daß die Kammer sich nie gegen die Emanzipation ausgesprochen hat, sondern daß sie die Mittel gegeben wissen wollte, wodurch manche Schwierigkeiten, die der vollkommenen Emanzipation entgegenstanden, beseitigt werden könnten. Mit Unrecht hat der Abg. Christ behauptet, daß man die Beseitigung religiöser Grundsätze verlangt habe. Nein, das ist nicht der Fall, es waren andere Gegenstände in Sprache. Man wollte berathen wissen, wie der Mißstand zu beseitigen sei, daß der jüdische Handwerksbursche bei seinem christlichen Meister auch am Samstag arbeiten kann, weil sonst die jüdischen Handwerker nicht leicht bei den christlichen Handwerkern ausgenommen werden können. Es war ferner die Rede davon, wie man dem Schacher, dem Viehhandel und Viehverstellen Vorbeugen, wie man die Israeliten an Ackerbau und Gewerbe gewöhnen könne, statt daß sie sich nunmehr größtentheils, wie Sie mir zugeben werden, dem Viehhandel und dem Schacher widmen. Das waren die Gründe, welche den Abg. v. Rotteck und die Kammer bei jenem frühem Beschlüsse leiteten. — Es ist mir aber eben deswegen leid, daß der Abg. Christ diesen Antrag, der wohlgemeint, wenn auch vielleicht nicht praktisch, oder nicht ausführbar war, einen unwürdigen genannt hat, einen unwürdigen, den der würdige v. Rotteck vorgeschlagen hat; einen unwürdigen, den die Kammer seit mehreren Landtagen festgehalten hat. Ich kenne übrigens den Abg. Christ und weiß, daß er es nicht übel meint, wenn er so etwas sagt. Er wollte damit gewiß nicht v. Rotteck wehe thun, und auch der Kammer keinen Vorwurf machen. Daher gehe ich weiter in meinen Bemerkungen. Seit dieser Zeit ist von Seiten der Israeliten das nicht geschehen, was damals mit jenem Anträge gewünscht wurde. Jndeß, Jeder, der jenem Beschlüsse zugestimmt hat, muß und wird für den Fortschritt sein, es wird sich 38*

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