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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-14 · Heft 38 (14.9.1846) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 38 (14.9.1846)
Date
1846-09-14
Page
Seite 556 (sequence 8)
Language
German
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556 Deutschland. Aus Württemberg, 20. August. (Privatmitth.) Am 3. August fand in Heilbronn ein großes Turnfest statt, wobei gegen 1000 Turner aus Stuttgart, Ulm, Ellwangen, Heidelberg, Mannheim, Frankfurt, Mainz, Hanau, Köln, Schleswig u. s. w. mitwirkten und durch die Schönheit und Riesenhaftigkeit ihrer körperlichen Uebungen allgemeine Bewunderung erregten. Das Interessanteste am Feste war übrigens die allgemeine Versammlung der Turner am Vorabende, die zur Berathung der für ein kräftiges Gedeihen des Turnwesens förderlichen Interessen abgehalten wurde. Hier galt es namentlich die geistige Seite des Turnens — die Heranbildung eines kräftigen, gesitteten und für alles Gute empfänglichen, gleichgesinnten deutschen Männerstammes — zu vertreten und wurden hiebei die schönsten Reden gehalten. Diese Versammlung ist es aber auch, welche in diesen Blättern Erwähnung verdient, denn hier zeichnete sich ein Israelit — Hofgerichtsadvokat Eller von Mannheim — am Vortheilhaftesten aus. Derselbe wußte durch die Herzlichkeit, Klarheit und Freisinnigkeit seiner Rede alle Anwesenden so zu begeistern, daß er sich eines allgemeinen, fortwährenden Beifalls zu erfreuen hatte. Unbeschreiblich gut war daher auch der Eindruck, den das Auftreten eines solch wackern Israeliten auf das Volk machte. Männer, die früher die abgeschmacktesten Vorurtheile gegen Israeliten äußerten, hört man jetzt mit Begeisterung von diesem Ehrenmanne sprechen und so äußerte sich aller Orten eine günstige Rückwirkung hievon für Israeliten. Es ist erfreulich, diese rühmliche Anerkennung und Auszeichnung eines Israeliten bei Gelegenheit eines Turnfestes mitthellen zu können. Möchten diesem ehrenden Beispiele recht Viele folgen und die Israeliten, um mit den Worten eines unserer berühmtesten Abgeordneten zu sprechen, sich nicht so sehr an die großen Machthaber anlehnen, als vielmehr sich mit dem Volke befreunden und wir werden alsdann schneller und auf festerem Grunde emanzipirt werden. Ein Turner aus Schwaben. Von der Saale, 30. August. (Privatmitlh.) Die mit so vielem Geräusch aufgetretene, „im Namen der deutschen Israeliten" sich ankündende „Verwahrung" gegen die dritte Rabbinerversammlung hat also einen völligen Durchfall erlitten. Zwölf, sage zwölf Unterschriften hat sie bekommen! Der Vers, schüttet seine Klagen darüber in den Busen seiner Freundin, der D. A. Z. aus, vielleicht auch in den der O. P. A. Z. oder der Hanauer Ztg., das wissen wir nicht, da diese uns nicht vor's Gesicht kommen. Er meint, die zweite Protestation sei prinzipiell doch mit der Verwahrung übereinstimmend. Mit Nichten, denn die Verwahrung hat es nur mit den Rabbinen, die Protestation mit den Beschlüssen der Rabb. Vers, zu thun; jene verleumdet, diese bestreitet; jene raset, diese verneint. Im Ganzen haben die Herren Frankfurter abermals gezeigt, daß sie gut negiren können — die Welt hat aber gezeigt, daß sie nichts damit zu thun haben will; und so sind die negirenden Herren Frankfurter selbst negirt worden, was sie der Welt nicht übel nehmen dürfen, denn diese hat cs von ihnen selbst gelernt. Die Herren Frankfurter haben abermals gezeigt, daß sie im Judenthum einen vollständigen Nihilismus, das heißt ein Nichts, haben wollen; und die Welt hat es ihnen auch erwiesen, daß sie Nichts von ihnen will. Die jüdische Welt will allerdings etwas Positives haben, denn was sollte sie wol mit einem Ding anfangen, das außen und innen ein leeres Papier wäre, auf das jeder Schulbube hinkritzeln dürfe, was ihm beliebe. Eine Religion, die nicht bloß im Gehirnkasten einiger, die Philosophie in einem Paar Mußestunden verfuschenden Spintesirer bestehen, sondern die das Herz und den Geist ihrer Bekenner mit wahrhaft religiöser Erkenntniß und Erhebung füllen, und um die Fahne eines positiven Bekenntnisses schaaren will, diese kann nicht formlos, mit einem wächsernen Körper, den jeder Sonnenstrahl flüssig macht, bestehen; und ob sie auch Kultur und Leben das Recht einräumt, ihr die veralteten Gewänder abzunehmen, so kann sie ihnen doch nicht selbst das Messer in die Hände drücken, welches ihr das Herz aus dem Leibe schneiden, und die Adern öffnen soll. Es ist dies Alles so klar, daß man wirklich verblendet sein muß, um es nicht zu sehen. Fürwahr, es wird immer und unter allen Glaubensparteien Individuen geben,,die mit Vielem, was die Religion lehrt, und wie sich in der Erscheinung darstellt, nicht übereinstimmen. Niemand wird

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