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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-14 · Heft 38 (14.9.1846) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 38 (14.9.1846)
Date
1846-09-14
Page
Seite 553 (sequence 5)
Language
German
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553 Frage der Verlegung aus dem Kreise ihrer Berathungen ferne zu halten — denn was Einzelne gelegentlich darüber geäußert, ist nicht als Ausdruck der Versammlung als solcher zu betrachten, — da sollte sie den an deren Gebiet so nahe anstreifenden Gegenstand jetzt einer speziellen Berathung unterziehen? Bewahre! sie hat in voller Einsicht gehandelt, wenn sie denselben — nicht etwa verworfen, nicht etwa ganz beseitigt, sondern — vertagt hat. Vorgebracht muß der Gegenstand allerdings wiederum werden, Besorgnisse immerhin fremder Art können, dürfen nicht bewirken, daß man gleichgültig es mit ansehe, wie einem großen, sehr großen Theite der Juden das Gotteshaus gewissermaaßen verschlossen werde. Dafür muß allerdings etwas geschehen, und war dieses Jahr nicht der geeignete Zeitpunkt dafür, so wird dieser im nächsten oder in einem spätern eintreten." Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New 6.August. (Privatmitth. Erster Artikel.) Unter den Vortheilen und Segnungen, welche die amerikanische Freiheit dem jüdischen Einwandrer entgegenbringt, ist die in Europa s. g. Emanzipation der Juden fast das Geringste. Daß der Jude hier am Staats- und Gemeinwohl sich betheiligeri, daß er in den Senat, in die Kammer, in die Jury, in den Gemeinderath rc. gewählt werden könne — welcher Amerikaner wird sich darüber wundern? Der Engländer und Amerikaner gehen von der Anschauung aus, was nur irgend dem Staate und Volke nützen könne, das müsse sorgfältig benützt werden — während dem europäischen Festländer die Ansicht eingewurzelt ist, das Amt, das ein Jude bekleidet, könne ein Christ bekleiden, und dieser sei dann durch jenen verdrängt; das Brod, das ein Jude ißt, damit könne ein Christ sich sättigen, und wäre da viel besser angewandt. Der Engländer und Amerikaner sehen cs als einen Verlust an, wenn der Jude — da er doch begabt sein könne — vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen ist; während der Festländer es als einen Verlust ansieht, daß der Jude zum öffentlichen Dienste gelangen könne, denn dadurch wird die Zahl der Konkurrenten größer, und ungern sieht er sich durch den Geist der Zeit gezwungen, darin zu willigen. Aber wie gesagt, es ist dies in der That noch ein Geringes. Aber die freie Bewegung des Einzelnen, diese ist es, welche selbst dem emanzipirten Juden in Europa fehlt. Können Sie sich die Gefühle eines polnischen Juden vorstellen, wenn er nicht mehr den Vexationcn der Paßpolizei unterworfen ist? wenn er nicht mehr täglich mit Zittern und Zagen die dunkle Polizeistube zu betreten braucht, mit der Todesangst, es könne irgend einem kleinen Beamten einfallen, ihm nach Hause, nach dem gefürchteten Hause zu visiren? wenn ihm hinter der kleinen Gabe seines Bruders nicht der drohende Gensd'arm steht mit dem Arbeitshause oder gar mit dem Schub? Können Sie sich das Gefühl eines b....schen oder m....schen Juden denken, wenn er nicht mehr aus den Tod eines Verwandten zu warten braucht, um sein Brod mit seiner Hände Arbeit zu erwerben; wenn er nicht mehr auf die Schaar seiner Kinder zu sehen braucht mit bekümmertem Vaterauge: wo werdet ihr dereinst eure Heimathsstätte auch außer dem Erstgebornen finden? Oder die Gefühle eines p.schen Juden, der in der Heimath jenseits des Flusses sich nicht ansiedcln durfte, und nun Hunderte von Flüssen, Seen rc. durchfährt und überall einen Heerd sich gründen kann, er hat nur die Auswahl? Denken Sie sich das Wunder: gestern empfing mein Nachbar, er ist ein Jude aus A. D., eine Zitation vor Gericht, und es stand nicht einmal darauf: „An den Schutzjuden N. N."!- Also diese Freiheit der Bewegung, die dem Individuum hier gegeben ist, die ihn in keiner Art beschränkt, außer im Verbrechen, die ihn all der Wickelbänder und Zwangsjacken entledigt, die ihn in Europa einschnürten; diese ist die vorzüglichste Morgengabe Amerika's, diese ist es auch, welche eine umwandelnde Kraft auf die Individuen ausübt, eine so unwiderstehliche Gewalt der Bildung, daß man nach wenigen Jahren die cingewanderten Individuen nicht wieder erkennt. Wenn man vom europäischen Standpunkte aus die große Anzahl verkümmerter, zum Theil entarteter Subjekte betrachtete, die jährlich auf die Küsten der neuen Welt ihren Fuß setzen: so würde man in die höchste Angst gerathen. In Europa, wo man mit so ängstlicher Spannung die Kriminalstatistik verfolgt, wo man die Verbrechen — NB. nach den Strafen! — sorgfältig klassisizirt, registrirt, und die Daten als höchstes Urtheil über die Volkssittlichkeit

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