Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1846)
- Date
- 1846-09-07
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
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545 Wie da der Handel und die Fabrikation blühe und dies kleine Fürth zu einer reichen Bevölkerung angewachsen, während Nürnberg nur damit sich rühmen könne; „wir haben hier nur Christen"! — Er spricht auch von Konstanz in dieser Beziehung und hoffentlich sind seine Worte von dem anwesenden Bürgermeister Hüetlin von dort, erfaßt worden. — Er spricht davon, wie das Vorurtheil so schwer zu besiegen sei, und wie dieses alle Mittel gegen die Juden ergreife, ja daß ein anwesender Abgeordneter sich auf die Geschichte berufe und zeige, daß schon Joseph in Egypten ein schlechter Minister gewesen, und die 7 mageren Jahre benutzt habe um den Pharao, seinem Herrn, die Familien des Landes leibeigen zu machen. — Armer Joseph, warum mußtest du durch Noth und Kerker an die Stufen des Thrones kommen, um den Feinden deiner Glaubensgenossen nach so vielen tausend Jahren noch als Waffe gegen deine Enkel zu dienen. — Hättest du nur derPotiphar nicht deinen Mantel gelassen; dies war unverzeihlich! Der Redner erklärt sich mit dem Kommissions-Antrag einverstanden. Nach ihm sprechen noch in gleicher schöner, kräftiger Weise, im vollen Bewußtsein des Rechts, das sie vertheidigen, v. Soiron und Hecker, der großartig und wahrhaft ergreifend seine frühere Meinung gegen die Emanzipation, mit seiner tief begründeten, bessern Ueberzeugung widerlegt. Weller ergreift das Wort gegen die Emanzipation, weil er vorgiebt, die Juden hielten sich allein für das auserwählte Volk Gottes und sähen stolz auf alle Andersglaubenden herab. Man würde durch Gleichstellung der „Kinder Abraham's" noch eine Aristokratie bilden, und wenn er sich auch frei von jedem Haß und Vorurtheile wisse, und im Menschen nur den Menschen sehe, so dürfe man den „Söhnen Abrahams" (war der vielleicht kein Mensch?) keine größeren Rechte geben. Er wirft den Juden das entsetzliche Bergehen vor, zu jeder Zeit und unter allen Völkern trotz Druck und Verfolgung Juden geblieben zu sein, ohne durch Amalgamirung mit den anderen Völkern neue Völker zu erzeugen, wie es von anderen Stämmen in Spanien, Britannien rc. geschehen! Rechnet es der Sprecher nicht auch den Christen als Verbrechen an, daß sie in China, der Türkei, und unter den Heiden Christen geblieben, und nicht sich mit diesen vermischend, Christ-Chinesen und Christ- Heiden gezeugt? Aus diesen Gründen wolle er nicht, daß die Juden emanzipirt würden, wenn er auch, wie er Anfangs sagte, gar nichts dagegen habe, wenn man ihnen das Recht gebe, Gemeinderäthe zu werden. — Kapp fühlt sich gezwungen nun zu sprechen, obschon er vor Weller's Rede entschlossen gewesen, auf das Wort zu verzichten. — Er widerlegt die Befürchtungen Weller's in Bezug auf den Stolz der Juden, das auserwählte Volk zu sein, indem er ihm die römisch-katholische Kirche entgegenhält, die sich auch die einzig wahre nennt, ohne daß man deßhalb ihren Bekennern Rechte verweigert. — Er stimmt für den Antrag. — Buß spricht im Eifer des religiösen Mannes gegen den Antrag aus zwei Gründen. 1) Wegen des Grundsatzes des christlichen Staates, der unverträglich mit der Emanzipation sei, und 2) Im Interesse des orthodoxen Juden, den er erhalten haben wolle. Das Volk sei, wie in allen Konfessionen, so auch bei den Juden streng gläubig, nur der reichere Theil sei vom Schwindel der Zeit ergriffen; es gelte aber nickt diesen, nicht die Amalgamation mit den Christen, sondern den orthodoxen Juden und mit ihm die Religion zu erhalten. — Er schlägt eine Art jüdischer Kolonie vor, die sich selbst verwalten solle. — Ich hoffe sie haben schon daran genug und erlassen mir seine Ausführung. — Er stimmt gegen den Antrag. — Der Berichterstatter Brentano hatte den Präsidenten, der die Diskussion nach der Rede des Abg. Kapp durch die letzten Worte Brentano's schließen wollte, gebeten, dem Abg. Buß das Wort noch zu geben, obschon den weiteren 16 vorgemerkten Rednern es wegen vorgerückter Stunde nicht gegeben werden konnte. Brentano nahm nun das Wort, fragend den Abg. Buß, an was er den christlichen Staat erkenne, an seinen christlichen Handlungen, an den Taufscheinen seiner Unterthanen oder an dem christlichen Glauben derselben, in welchem Falle er weiter fragen müsse, zu welchem Staate Buß vor 10 Jahren gehört habe, als er noch die Unsterblichkeit der Seele geleugnet? Buß wirft ihm das Wort „Lerläumdung" hinüber, aber Brentano will es ihm in seinen eigenen Schriften gedruckt zeigen; er spricht gegen die Angriffe auf 37*