Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1846)
- Date
- 1846-09-07
- Page
- Seite 544 (sequence 8)
- Language
- German
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544 zu verschaffen, und gesiegt habe.'— Er hofft, daß das Ministerium die Bedenklichkeiten der Gemeinden, die noch keine Juden haben, dahin berücksichtigen werde, allenfalls die Erlaubniß zur Uebersiedelung von den Gemeinden abhängig zu machen und hierzu eine Majorität von 3/s anzunehmen, und schließt sich dem Kommissionsantrage an. Fauth beruft sich, vielleicht zum ersten Male in seinem Leben, auf die Autorität des leider wol auch in dieser Sache zu früh verstorbenen v. Rotteck. Er liest vor, was Rotteck über die Juden und ihr Verhältniß zum Staate gesagt, und liest dann, nachdem er die Angriffe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Heidelberg auf seinen letzten Bericht in dieser Sache mit seiner Verachtung beschenkt, Stellen aus einem Werke des Abg. Rindeschwender vor, die, wie crsteres, gegen die Juden gerichtet sind, und hofft, daß Rindeschwender heute bekräftigen wird, was er damals geschrieben (Rindeschwender: Sie werden sich gewaltig irren.). Er verwahrt sich dagen, als wolle er Abschaffung von Religionsgebräuchen im Tausche gegen die Ertheilung von Rechten, verlangt aber gleich darauf die Abschaffung des Sabbats und des Talmuds. Als einen Hauptgrund der Gefährlichkeit für den Staat schreibt er den Juden die Eigenschaft allzugroßer und rascher Sclbstvermehrung zu; doch trägt er nicht darauf an, daß man, wie in Aegypten, die Söhne der Juden ersäufen solle und nur die Töchter leben lasse, was auch nach Christ's letzter statistischer Nachweisung keinen Nutzen gehabt hätte. Hiernach stellt er seinen Antrag wieder, auf den er sich beruft, da er ihn in seinem ihm vorliegenden damaligen Bericht nicht findet. — Sollte der sich selbst der Vergessenheit übergeben haben?! Bassermann erhebt sich und mit ihm die ganze Gallerie, ihm so den besten Beweis ihrer Sympathien gebend. — Wer die Freude auf allen Gesichtern der Zuhörer sieht, wenn dieser (um mit dem Verstorbenen zu reden) juvenile Redner zum Sprechen aufsteht, den muß es freuen, daß alle Schmähungen des Morgenblatt-Gespenstes und der „süddeutschen" Todtkranken ohne alle Erwiederung bleiben. Wem so alle edlen Herzen entgegenschlagcn, der darf stolz aufseine Feinde sein. — Zn einer geist- und gemüthreichen, glänzenden Rede widerlegt er die Vorwürfe, die man den Juden macht, er beruft sich auf die Zeugnisse der holländ. Minister, wovon er das vom Minister des Innern verliest. Er beweist damit, daß erst durch Aufhören des Druckes, der auf den Juden lastet, die noch Zurückgebliebenen sich auf die Höhe der Zeit schwingen würden. Er weist darauf hin, wie noch kein jüdischer Arzt, Advokat oder Soldat wegen des Sabbats seiner Pflicht nicht nachgekommen sei, und daß man keine Ueberflügelung von den Juden zu fürchten hätte, die am Samstag und Feiertag ihren Handel nicht betreiben, es diesen im Gegentheile schwer sein würde mit den christlichen Kaufleuten zu konkurriren. — Man werfe den Juden auf dem Lande den Vieh- und Nothhandel vor und schneide ihnen die Mittel und Wege zu einem andern Erwerbe ab, schließe sie von der edelsten Laufbahn im bürgerlichen und staatlichen Leben aus. — In einer kleinen Gemeinde sitzen oft viele jüdische Familien, die sich nicht alle durch Handwerke ernähren können, beisammen, der Boden gehörte seit langer Zeit den christlichen Bewohnern, für die er manchmal nicht ausreiche, und nahe dabei seien Orte, die keinen Juden aufnehmen, ein großer Theil der Gemeinden wandere aus, die Juden wollen zum Behufe des Bebauens die Güter kaufen und werden abgewicsen; welcher spezielle Fall im Wahlbezirke des Sprechers sich ereignet, zum Nachtheile der Juden einerseits, die dadurch gezwungen waren, den Nothhandel fortzutreiben, und der auswandernden Christen andrerseits, die ihre Güter, wegen Mangels an Käufern, nicht auf den Werth bringen konnten. Er spricht über die Aengstlichkeit bei Anstellungen und sagt, wie es zum Beispiele einem jüdischen Amtmanne durch die viel strengere Kontrolle weit weniger möglich sei, als einem christlichen, sich die kleinste Ungerechtigkeit zu Schulden kommen zu lassen. — Er spricht gegen den Egoismus, wegen des zu gebenden Antheils an Atmenden rc. die Bürger anderer Konfession nicht in Gemeinden aufnehmen zu wollen, und beweist, wie gerde die Städte, die keine Juden hätten, denen man den Handelsgeist und die Rührigkeit nicht absprechcn könne, in Verfall gekommen. Er beweist dies durch Nürnberg, dessen große Häuser und Räume verödet stehen, während die aus Nürnberg vertriebenen Juden sich in dem l'/s Stunde entfernten Fürth niedergelassen hätten.