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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-09-07 · Heft 37 (7.9.1846) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 37 (7.9.1846)
Date
1846-09-07
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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541 Ernst und die lichtvolle Klarheit dieser Verhandlungen zu erkennen Gelegenheit hatten, könnten es ertragen, wenn Einzelne, die in unpraktischer Weise allen Sinn sür ruhige Entwickelung verloren haben, sich als Repräsentanten der jüdischen Gemeinden mit ihren Forderungen hinstellen, wir könnten es ertragen, wenn wir auch darüber mitleidig lächeln müßten; wenn aber Verdrehungen und Entstellungen hinzukommen, wenn derselbe Mann, der sich früher als Handlanger der orthodoxen, gegen die Rabbinerversammlung ankämpfendcn Partei hergab, nun auch der Abfasser der genannten Verwahrung ist, wenn die ganze Wirksamkeit der diesjährigen Versammlung durch Verschweigungen und Umdeutungen in's Lächerliche gezogen werden soll, dann ist die böse Absicht zu klar, dann wäre es sündhaft, zu schweigen. Die Rabbinerversammlung hat es anerkannt, daß die Schwierigkeiten in Bezug auf den Sabbat vorläufig noch nicht zu lösen sind, sie weiß es, daß sie bloß ein Geringes zur Beseitigung der Kollisionen beigetragen hat; aber höheren Interessen gegenüber hat sie alle Bedenklichkeiten entfernt. Sie hat dem Beamten die Arbeit erlaubt; sie hat alle weitgetriebenen Umzäunungen und Fiktionen beseitigt; sie hat sür den Gottesdienst Alles gestattet, abgesehen von noch manchen Einzelheiten, die auch tief eingreifend sind in's Leben: ist das wirklich nichts? Dem Verkehr und der werktagigen Thätigkeit ihn öffnen, das kann sie nicht, das wird sie nicht, und sollte es sich zeigen, daß diese am jetzigen Sabbat durchaus nicht zu unterlassen sind, nun, dann wird sie wol eher, wenn auch schmerzlich ergriffen, für die Verlegung stimmen, als die Entweihung eines Ruhetages, der bloß den Namen noch behält, sanktioniren. Sie hat hingegen die zweiten Festtage als nicht verbindlich erklärt; sie hat die widersinnigen Trauergebräuche abgeschafft, die anderen, die Bedeutung haben, auf eine kürzere Zeit beschränkt; ist das Alles Nichts? Man frage doch den „Zionswächter", man frage den „Orient", man frage die „Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums", ob vies wirklich Nichts ist? sie werden mit Jammern und Verdammung antworten. Aber die Versammlung wird sich sicherlich — wir hegen zu den Männern, die wir kennen gelernt, ein solches Vertrauen — weder durch Verdächtigung noch durch Verspottung irre machen lassen, und die Quelle der einen wie der andern zeigt sich um so mehr als eine trübe, wenn man weiß, daß sie eine und dieselbe ist. Man will bald auf diese, bald auf jene Weise das kräftige Organ eines gediegenen, naturgemäßen Fortschritts zerstören, nach allen Seiten hin um den nöthigen Kredit bringen. Aber dieses frevelhafte Bemühen scheitert an dem gesunden Sinne der Gemeinden, die ihre verkappten, bald orthodoxen, bald radikalen vorgeblichen Vertreter hinlänglich kennen. Von der hiesigen Gemeinde können wir dies wenigstens mit vollster Bestimmtheit sagen. Will die deutsche Judenheit redlich, ohne Schisma, ohne Zerstörung des religiösen Lebens fortschreiten: das Institut der Rabbinerversammlung — davon haben wir uns überzeugt — ist das kräftigste und heilsamste Mittel dazu; dieses untergraben, wäre Verrath an der guten Sache. Aus Thüringen, 28. August. (Privatmitth.) Während einer Ferienreise verweilte ich vor Kurzem an einem Sabbat in dem freundlichen Städtchen Bleiche rode und fand in der dortigen, sonst so friedlichen Gemeinde eine Aufregung, die mich wahrhaft betrübte. Möchte man doch bedenken, daß keine Reform nur irgend einen Werth hat, wenn sie auf Kosten der Eintracht erzielt wird, überhaupt ruhiger und besonnener zu Werke gehen, daß nicht gehässige Parteisucht das religiöse Gefühl gänzlich zerstöre! Von dem vereinten Streben des wackern Vorstehers, Herrn Frühberg, des würdigen Geistlichen, Herrn Pincus und der Bessergesinnten der Gemeinde läßt sich wol eine baldige friedliche Ausgleichung der Streitpunkte ohne Einmischung der weltlichen Behörde mit Gewißheit erwarten, damit der nahende Versöhnungstag dieselbe wieder versöhnt und vereint finde. ...m Bleicherode, 27. August. (Privatmitth.) Anliegend übersende ich eine Abschrift des mir gewordenen hohen Ministerial-Reskripts mit der Bitte, dasselbe in die Zeitung des Judenthums aufzunehmen, überzeugt, daß Sie die Spalten Ihres weit verbreiteten Blattes jeder Einsendung öffnen, die von allgemeinem Interesse ist. Dieserhalb, den jetzigen traurigen Zustand unsrer, früher so friedlichen Gemeinde und die Spaltung in derselben mit Stillschweigen übergehend, darf ich nicht unerwähnt lassen, daß die Zerwürfnisse, welche leider

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