Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1846)
- Date
- 1846-09-07
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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539 der Israeliten hinarbeiten. Schauen Sie nach Frankreich, Belgien und Nordamerika, wo die Grundsätze der Religionsfreiheit den Juden die gleichen Rechte erkämpft haben, welche die Christen besitzen, und Sie werden die Ueberzeugung gewinnen, daß die öffentliche Meinung sich für die Emanzipation der Juden ausgesprochen, und daß nur noch das Vorurtheil dem Verlangen unserer Petenten entgegensteht. Ja, offen gesagt, nur das Vorurtheil steht den Juden als feindliche Schanze gegenüber, das Vornrtheil, welches seine Grundlage in dem zartesten Kindesalter erhält, wo der unreife Knabe seinen Gespielen verachten zu dürfen glaubt, weil er der Sohn eines Juden ist, wo er sieht, wie er diesen seiner Geburt, nicht seines Glaubens wegen — denn von einem solchen kann hier wol noch keine Rede sein — ungestraft mißhandeln und beschimpfen darf, das Vorurtheil, welches schwer der Mann überwältigt, wenn er das Gift in frühester Jugend eingesogen hat. Verhehlen wir es uns nicht, es ist ein gewisses Gefühl des Hochmuths, welches uns abhält, den Juden, auch wenn er sich als Mann wacker, tugendhaft und gesinnungstüchtig bewährt, als unsers Gleichen, als unfern Vorgesetzten anzuerkennen, den wir als muthwillige Knaben einen Juden schimpfen zu dürfen geglaubt haben, und daß sich auf diese Weise die Sünden unsres Kindesalters und unsrer Jugend an uns rächen. Und dieses Vorurtheil, welches schwinden muß, sobald es nicht mehr mit uns aufwachsen kann, wenn unsere Kinder nicht mehr hören, daß ihr jüdischer Gespiele die gleichen Rechte, wie sie, nicht erwerben könne, ist auf der einen Seite ein engherziges Ueberwälzen von Lasten auf andere Staatsgenoffen, und beruht auf der andern Seite auf unbegründeter Furcht. Wenn es denn ein so großes Nebel für eine Gemeinde ist, Juden unter ihren Bewohnern zu zählen, warum erhoben sich denn nicht die von einem solchen Unglück heimgesuchten Gemeinden wie ein Mann, um durch die Emanzipation einen Theil dieser Verhaßten auf Andere überzuwälzen, und warum sind denn diejenige Gemeinden, welche von dieser Landplage befreit sind, nicht so patriotisch, den Anderen einen Theil dieser Last abzunehmeni Daß aber die Furcht vor dem Uebersiedelungsrechte eine unbegründete ist, geht aus dem Erfahrungssatze hervor, daß die Wucherer unter den Juden ihr abscheuliches Gewerbe nicht an den Bewohnern der Gemeinden, in welchen sie wohnen, sondern gerade an Auswärtigen ererziren. Hier sind wir nun auf dem Punkte, darauf aufmerksam zu machen, daß nur in den gemeindebürgerlichen Verhältnissen die Grundursache zur Klage über die Lebensart der Juden zu finden ist, und diese Ursache liegt so nahe. Wie können denn die Israeliten, welche auf einzelne Gemeinden zusammengedrängt sind, quasi glebae adscripli, Landwirthschaft und Handwerke treiben, da vielleicht die ganze Gemarkung nicht so groß ist, um jeder Judenfamilie den n'öthigen Grund und Boden zu gewähren, und am Ende mehr jüdische Handwerker da wären als Abnehmer? Lasse man sie aber sich vertheilen, öffne man ihnen alle Gemeinden zur Gründung eines Nahrungszweiges, wie man ihnen die Straßen in den Städten geöffnet hat, versperre man ihnen nicht ferner den Weg, wenn sie aus ihrer Absonderung heraustreten wollen, und jeder Unterschied wird schwinden, wie er schon geschwunden ist bei einem großen Theil der Juden, welche wir in unsre Gesellschaft ausgenommen haben. Meine Herren! Die Zeiten, in welchen die Menschen sich des Glaubens wegen anfeindeten, des Glaubens wegen Rechte streitig machten, sind vorbei, und so wie die Petenten begonnen, wollen wir mit Canning's Worten schließen: „Politische und religiöse Freiheit der ganzen Welt!" §. 13. Ihre Kommission, meine Herren, geht auf weitere Details über die Art der Durchführung der Emanzipation nicht ein; sie überläßt dies einem zu hoffenden Gesetzentwürfe, in welchem allerdings wird Vorsorge getroffen werden müssen, daß diejenigen Nachtheile nicht eintreten, welche mit der plötzlichen Durchführung einer solchen durchgreifenden Maßregel verbunden sein könnten, und zweifelt nicht, daß eine spätere Kammer, welche einen solchen Gesetzentwurf zu berathen haben wird, die erforderlichen Bestimmungen trifft, und will zum Schlüsse nur noch wiederholen, daß die Emazipation, auch im Prinzipe vollständig durchgeführt, dem Wucherer oder Nothhändler für seine Person keine Früchte bringen kann. Ihre Kommission, meine Herren, schlägt Ihnen einstimmig vor: „Die sämmlichen, die bürgerliche Gleichstellug der Juden mit den Christen bezweckenden Petitionen dem großherzogl. Staatsminisierium mit Empfehlung zu überweisen." Zeitungsnachrichten. Australien- Sydney, 2. März. (Je«’. Chron.) Die neue Synagoge zu Launceston wird am nvv feierlich eingeweiht. — Die hiesige Gemeinde hat sich