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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-31 · Heft 36 (31.8.1846) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 36 (31.8.1846)
Date
1846-08-31
Page
Seite 531 (sequence 15)
Language
German
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531 Ueberzeugung der intelligenteren Israeliten vielen herkömmlichen und mit dem Leben der Gegenwart völlig unverträglichen Vorschriften und Gebräuchen entschieden entgegentritt. Diese Ueberzeugung verwirft namentlich alle rabbinische Satzung und Kasuistik, alle Werkheiligkeit und insbesondere die jetzige Verbindlichkeit irgend welcher älteren religiösen Vorschriften und Formen, die mit dem bürgerlichen und sozialen Leben und den Pflichten des Israeliten als Menschen und Staatsangehörigen in Widerstreit treten können; sie fordert vielmehr, daß die echten Religionsquellen dem Geiste nach aufgefaßt und zur Aufrechthaltung eines reinen, von erstorbenen Vorstellungen und leeren Formeln freien, das sittliche Leben kräftigenden Bekenntnisses angewendet werden. In diesem Sinne hoffte man den Glauben mit dem Leben in vollständigen Einklang gebracht zu sehen. Unter diesen geistigen Bewegungen entstand das Institut der Rabbinerversammlung. Mit lebhafter Theilnahme folgten wir dem Gange dieser neuen Erscheinung, welche die Aussicht öffnete, daß wissenschaftliche Rabbinen, den Standpunkt der heutigen Intelligenz würdigend, die Bahn zu den dringend geforderten Reformen ebenen würden. Die Verhandlungen der beiden ersten in Braunschweig und Frankfurt gehaltenen Versammlungen schienen auch die Hoffnung zu bestärken, daß die Rabbinen mit dem intelligentern Theile der Gemeinden Hand in Hand gehen und die Reformen, wenn auch mit manchen, durch ihre Stellung gebotenen Rücksichten, in's Leben rufen wollen. Unsre Erwartung ist aber nicht in Erfüllung gegangen; die dritte Rabb. Vers, hat vielmehr in ihren Beschlüssen gezeigt, daß sie in starrem Festhalten an dem tobten Buchstaben und den herkömmlichen Formen die Ueberzeugung des Geistes und die Forderungen des Lebens unbeachtet lassen und das Gewissen des Einzelnen bei unschuldigen Handlungen mit Bedenklichkeiten belasten wolle. Wir finden daher in den Beschlüssen der diesjährigen Rabb. Vers, keinesweges die Vertretung der Gegenwart, vielmehr nur die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Lebensansichten einer verblichenen, längst überwundenen Zeit; wir finden, daß diese Rabb. Vers, ihre Mission in einem ganz andern Sinne aufgefaßt hat, als die früheren Verhandlungen anzudeuten schienen. So fühlen wir uns denn gedrungen, ja sogar, zur Steuer der Wahrheit verpflichtet, öffentlich auszusprechen, daß wir gegen die diesjährigen Beschlüsse, so wie gegen alle Folgerungen, die daraus auf den Stand der allgemeinen Bildung, auf unsere innige Anschließung an deutsches Volk und deutsche Sitte gezogen werden könnten, protestiren. Wir erklären insbesondere, daß diese Beschlüsse, welche rabbinische Kasuistik und Werkheiligkeit wieder in's Leben rufen oder gar Scheidewände zwischen religiösen Gebräuchen und bürgerlichem Leben ziehen könnten, unsrer religiösen Ueberzeugung widerstreben, daß wir sie in keiner Hinsicht als den Ausdruck unsrer Gesinnung gelten lassen, daß wir vielmehr dieselben mit aller Entschiedenheit abweisen, und, der öffentlichen Meinung gegenüber, uns dagegen auf's Feierlichste verwahren." Diese Protestation ist offenbar durch die erste hervorgerufen worden. Diese enthielt so viel Unmoralisches, sie ging aus so niedrigem Haffe, aus so persönlichen Leidenschaften hervor, sie umfaßte so viele falsche Anschuldigungen, so hinterlistige Verketzerungen, daß jeder Ehrenhafte sich nicht daran betheiligen konnte. Aber sie setzte doch zugleich den Mitgliedern des ehemaligen Reformvereins die Pistole auf die Brust; sie stellte sie der Frage preis: stimmt Ihr mit den Beschlüssen über den Sabbat, mit der Nichtverlegung des Sabbats auf den Sonntag überein, oder nicht? wollt Ihr dazu schweigen, oder nicht? im erstem Falle seid Ihr dafür, und straft Euch Lügen; im zweiten Falle sprechet. So mußte man protestiren; so wurde diese zweite Protestation. Wirft dies nun schon ein eignes Licht auf dieselbe, indem ihr Ursprung so außer ihrer selbst erscheint, so gestatten wir uns folgende Bemerkungen über sie selbst. 1) Hat diese zweite Protestation alle Beschuldigungen der Rabb. Vers, von Hierarchie, priesterlicher Autorität, Hinterlist, und was die schönen Dinge noch waren, fallen lassen, gänzlich beseitigt — insofern ist sie unschuldig. 2) beginnt sie mit einer Reihe allgemeiner Sätze, die Jeder unterschreiben kann — insofern ist sie sehr unschuldig. 3) fährt sie mit gewissen allgemeinen Sätzen fort, mit denen man so eigentlich gar nichts anfangen kann, die in ihrer Ungewißheit sich so hin- und herwenden lassen, und schon so oft in ihrer Leerheit nachgewiesen sind, daß sie am Ende auch als ein müsstges Spielwerk in die Kategorie der — Unschuld

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