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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-31 · Heft 36 (31.8.1846) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 36 (31.8.1846)
Date
1846-08-31
Page
Seite 532 (sequence 16)
Language
German
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532 gelegt werden können. Hierher rechnen wir „die Verwerfung aller rabbinischen Satzungen". Mein Gott, welche Feindschaft gegen di« rabbinischen Satzungen, diese allesamint in's Feuer zu werfen. Vielleicht ist doch ein Körnlein Gutes in dieser und jener! Dann: ,,di« Nichtverbindlichkeit aller älteren religiösen Vorschriften, die mit Len Wichten des Israeliten als Menschen und Staatsangehörigen in Widerstreit treten können"; das ist nun so eigentlich gar nichts, denn mit dem theoretischen Satz wird Zeder einverstanden sein, wird aber sofort «inwenden, di« religiösen Vorschriften treten, richtig verstanden, mit dem Menschen und Staatsangehörigen gar nicht in Widerstreit, aber es kommt auf die praktische Ausdehnung dieses Satzes an, und da kann man ihn wie ein Stück arabischen Gummi's ziehen und zusammenschnellen. Ferner: „die Auffassung der echten Religionsquellen dem Geiste nach", ja, da werden Euch die Kabbalisten und Chassidim als Brüder begrüßen: denn der Geist, ja, daS ist ja am Ende „der Herren eigner Geist", was kann der „Geist" nicht am Ende hinein- und herausklügeln — das zeigt die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte hinlänglich. Und das nennen di« Leute Entwickelung! Dieses Hauen und Stechen in's Blaue hinein. Sagt mit einem Worte: wir wollen gar keine religiöse Form und Vorschrift, wir wollen lediglich ein Paar moralische Sentenzen! und Ihr seid fertig, man weiß, was Ihr wollt. Jedermann versteht Euch. Ihr macht den Rabbinen so oft dm Vorwurf, sie rückten mit ihren Meinungen nicht geradezu heraus, und — siehe da, Ihr lhut es erst recht nicht, sondern versteckt Euch hinter Worte. 4) Hierauf Komplimente für die erste und zweite Rabb. Vers. — gewiß sehr unschuldig. Zu, sogar billige Rücksichten lassen sie nehmen — sicher sehr unschuldig. Wenn nur nicht hinter allem dem die Adresse vom vorigen Jahre stände! Ich glaube, sie steuerten noch einmal die Kosten der Rabb. Vers., wenn sie die Adresse vom vorigen Jahre damft zurückkaufen könnten. 5) Daher die Anschuldigung der diesjährigen Vers. Diese soll „ein starres Festhalten an dem todten Buchstaben und den herkömmlichen Formen" -erwiesen haben; etwa in der Festfrag«? Nein; in den Trauergebräuchen? Nein; in den Beschneidungsformen? Nein. Also nur? sie hat den Sabbat nicht auf den Sonntag verlegt. Das ist der tobte Buchstabe, das ist die herkömmliche Form! Wir fragen: ist das unschuldig? Es ist nicht unschuldig, denn sie reden von „Beschlüssen" in Bausch und Bogen, wo sie doch nur einen Punkt im Sinne haben; es ist -aber auch — alketl», wo sie einen so bedeutungsvollen Gegenstand, eine mit der Selbstständigkeit des ganzen Judenthums, mit der positiven Erscheinung desselben so tief verwachsene Institution mit einem Male über's Knie gebrochen haben wollen. Ist Euch der Sabbat überhaupt ein tobtet Buchstabe, eine nur herkömmliche Form — nun, warum sagt Ihr es nicht? Wir wären abermals mit einander fertig. Glaubt Ihr aber dies nicht, hattet Ihr den Sabbat auch für eine nothwendige, unumgängliche, segensreiche Institution der Religion — nun, so stehet nicht so gleichgültig, so nichtssagend, so eitel und leer bei dem Kampfe Eures Glaubens mit dem Leben um diese geheiligte Institution; macht nicht ein so dummes Gesicht dazu, wenn Ihr die Schmerzen und Wehen der Gewissenhaftigkeit mit dem Leichtsinn und der Gleichgültigkeit gewahret! 6) Nun kömmt der Protest; sie protestircn gegen die Nichtanschließung an deutsches Volk und deutsche Sitte; dies ist abermals bloß — albern. Ist der Sonntag eine deutsche, oder eine christliche Sitte? Schließen wir uns mit dem Sonntag den Deutschen, oder den Christen an? Seht, wie Ihr verdrehet! Und warum? Um Euch bei dem deutschen Volke gut Kind zu machen! O diese alberne Hofdienerei, diese thörichte Kriecherei, mit der Ihr nichts gewinnt — als die Verdächtigung Eurer Glaubensgenossen. Wer wird Euch danken? Die Deutschen nicht, die darin noch feine Heldenthat sehen, wenn Ihr am Sonntage mit ihnen nach Homburg fahret oder Kegel schiebet. Wir sicherlich nicht. 7) Zum Schlüsse noch eine Verwahrung „der öffentlichen Meinung gegenüber". Wisset, Lieben, es giebt außer der öffentlichen Meinung, di« sich gemeinhin breit macht, noch eine öffentliche Meinung, die aus tiefer-m Erfassen des Gegenstandes und der Motive hervorgcht, die in den Geistern der Ernsten, in den Gemüthem der Edlen ihren 'Platz har. Der erstern gegenüber mag Eure Verwahrung Beifall haben. Bei der zweiten werden weise Bedenken stattsinden, und zwar: was verwahren sich da einige Männer, die nicht Anspruch machen können, die

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