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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-31 · Heft 36 (31.8.1846) · p. Seite 529

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 36 (31.8.1846)
Date
1846-08-31
Page
Seite 529 (sequence 13)
Language
German
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529 niederlegen, und zwar in hart anschuldigenden, ehrenrührigen Ausdrücken. Als Mitglied jener Versammlung finde ich mich veranlaßt, diese Anschuldigungen'mit aller Entschiedenheit und Indignation zurückzuweisen und es wird nur weniger Worte bedürfen, um die gedachte Versammlung gegen die Angriffe der Verwahrung vor dem Publikum zu vertheidigen. Wer sind jene Angreifenden? Es sind Mitglieder einer besondern Genossenschaft, die eine rasche, radikale Umgestaltung des Judenthums in allen seinen hergebrachten Normen und Institutionen wünschen und anstreben, es sind Männer, die es schon öffentlich bekannt haben, daß ihre Reformgrundsätze weit ab vom Historischen liegen und auf Ansichten und Ansprüchen beruhen, die ihre Wurzel weniger in der Entwicklung und vernünftigen Fortbildung des konfessionellen Elements, als in dem gänzlichen Umschwünge der Intelligenz, der Zeitbildung einerseits und in dem Bedürfnisse der Gegenwart andrerseits suchen und haben. Ueber den Standpunkt, über die Berechtigung dieser Ansprüche ist nicht weiter zu streiten. Wer die Freiheit der Ueberzeugung hat, wird auch diese Richtung gern zu Wort kommen lassen und ihr das Recht des Bestehens nicht schmälern. Nur muß sie nicht exklusiv werden, muß nicht Alles neben sich und um sich negiren, muß nicht hochmüthig sprechen, ich bin das Ganze, ich bin die Gemeinde, sonst verfällt sie selbst wieder dem Vorurtheile, dem Fanatismus — auch die Bildung hat ihren Fanatismus! — gegen den sie doch so gewaltig zu Felde zieht. Die Thatsache nämlich ist, daß die Mehrzahl der Juden in Deutschland zwar eine Fortbildung, einen Fortschritt will und dafür reif ist, aber einen stetigen, einen allmäligen, keinen Umsturz, keine Umkehr, ja daß noch ein großer Theil selbst für die allmälige Reform erst gewonnen werden muß. Die Rabbinerverfammlung aber will nicht jene einzelnen Fraktionen, jene — der Ausdruck sei mir erlaubt — vorgeschobenen Posten der Reform, sondern möglichst die Mehrzahl, ja die Gesammtzahl in ihrem religiösen Bewußtsein repräsentiren. Ihre Beschlüsse, ihre Ansprüche sollen in der Mitte der verschiedenen Gemeinden selbst einen Wiederhall, und so Annahme und Verwirklichung finden. Denn eine Verwirklichung auf anderem als dem freien Wege der Billigung wird nicht gesucht und darf in religiösen Angelegenheiten nicht gesucht werden. Sie weiß aber auch, daß sie MiWilligung, und zwar nach beiden Seiten, nach beiden Extremen hin finden kann und findet, eben weil sie keinem Extrem sich hingiebt. So muß sie es auch wol über sich ergehen lassen, wenn über die Ergebnisse ihrer diesjährigen Berathungen von manchen Seiten der Stab gebrochen wird, wenn der Eine viel mehr, der Andere viel weniger erwartet hat, wenn sie dort konservativer, hier destruktiver Tendenzen angeklagt wird. Die Ansichten lassen sich nun einmal nicht vereinigen oder vermitteln. Aber die Verdächtigung, die gehässige Anschwärzung der Gesinnung, der moralischen Motive ihrer Mitglieder, und zwar in Bausch und Bogen, ist ein arger Schandfleck in jener „Verwahrung". Wenn die Protestirenden in Frankfurt behaupten, die Rabbiner der Versammlung wollen „pricsterliche Autorität sich anmaßen", wollen „den bessern Geist, als ihren hierarchischen Absichten hinderlich, im Keime ersticken", so haben sie damit den Boden einer Polemik betreten, auf welchen kein ehrenhaftes Mitglied jener Versammlung ihnen ohne Schamröthe über die böse Verirrung seiner Glaubensgenossen folgen kann, so erfordert es aber auch keine sonderliche Prophetengabe, um zu errathen, daß hier weniger das gute Interesse für die Sache, als persönliche Gereiztheit und Leidenschaftlichkeit zu solchen Sünden gegen alle Billigkeit und Humanität verleitet hat. Und wer vollends die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde in Frankfurt kennt, denen liegen die Triebfedern zu dieser „Verwahrung" offen, der wendet sich aber auch von derselben mit gerechtem Unwillen ab. Oldenburg, 14. August. Wechsler, Landrabbiner. Trier, 22. Augnst. (Privatmitth.) DieTrier'sche Zeitung enthält folgenden Artikel des Oberrabb. Cahn, nachdem derselbe die breslauer Adresse an die dritte Rabbinerversammlung mitgetheilt hatte. „In dieser Adresse, die von Augen- und Ohrenzeugen der ununterbrochenen ernsten Verhandlungen und Berathungen der Rabbinerversammlung ausging, ist der wahre und richtige Standpunkt dieser Versammlungen im Allgemeinen und der letzter» insbesondere ausgesprochen, und hat diese daher auch Alle fteudigst überrascht und innigst erhoben. Denn

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