Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1846)
- Date
- 1846-08-31
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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528 theilweise durch Wort und- ThaL bereits als Lüge gestempelt habt? Heute werft- Ahe der Versammlung vor, daß sie „ihre pomphaft ang.ekün:di.gte Aufgabe geilöst zu haben vermeint, wenn sie einen langst veralteten, dasHerz nicht mehr erhebenden Kultus mit neuem Flitter umgiebt." Ware die Beschuldigung wahr, daß die von der Rabb. Vers, zu bearbeitende und, wie wir aus sicherer Quelle wissen, noch im Laufe des nächsten Winters theilweise erscheinen werdende neue Liturgie nichts weiter als ein Flitter um den veralteten Kultus wäre, — wie sie es, wovon die Protokolle der zweiten Rabb. Vers, offen Zeugniß geben, sicherlich nicht ist — warum habt Ihr im vorigen Jahre, als die Liturgie bei der Rabb. Vers, vor Euren Augen verhandelt wurde, Euch so unreformistisch verhalten und nicht allein den so gerechten Protest dagegen nicht laut werden lassen, sondern sogar noch am Schluffe der dessallsigen Verhandlungen die Rabb. Vers, beadreßt und befesteßt? Glaubt Ihr die deutsche Judenheit wirklich noch so gedankenlos und geistesarin, um nicht einzusehen, von wannen ihr Heil kommen kann und wird? Meint Ihr, mit den verbrauchten Schimpfworten wie „priesterliche Autorität" und „hierarchische Absichten" einen Schreckschuß in das Lager Israels zu thun und es blindlings gegen die Männer aufzureizen, welche Zeit und Kraft und mitunter die Lebensruhe daran setzen, um in das erstarrte Religionswesen Leben und Flüssigkeit zu bringen, welche vor den Augen aller Welt zusammentreten, um mit Ernst und Würde über die religiösen Bedürfnisse der Gegenwart zu berathen, und die Ergebnisse dieser Berathung wiederum der Welt offen vorlegen? Haltet Ihr die deutsche Judenheit für so verblendet und unmündig, daß sie es Euch auf's Wort glauben wird, daß eine Rabb. Vers., und es ist dies gerade die in Rede stehende dritte Rabb. Vers. — welche durchweg die sogenannten zweiten Feiertage, also sechs Feiertage im Jahre, für religiös unbegründet und unverbindlich erklärt, welche den orientalischen Trauergebräuchen sämmtlich für unsre Zeit und Verhältnisse die Geltung abgesprochen, ja welche bezüglich der Sabbatgesetze die mögliche Milderung und Erleichterung gesucht und ausgesprochen, und welche endlich die Ausgleichung der Lehre mit dem Leben bezüglich der Speisegesetze sich zur nächsten Ausgabe gesetzt, daß diese Rabb. Vers., Eurer, lügenhaften AnLlage gemäß, „je.de Frage, wobei auch nur ein kleiner Stein des Tlnstossies a.us der praktischen Lebensbahn des in und mit der Welt lebenden Israeliten hinweggeräumt werden soll, ängstlich vermeidet?" Man weiß wirklich nicht, ob man Eure Dreistigkeit oder Eure Thorheit mehr beklagen soll! Wir aber rufen Euch im Namen unserer zahlreichen deutschen Glaubensbrüder zu: die deutsche Judenheit ist mündig geworden! Sie weiß es, daß ihr Heil von denen nicht kommen kann, deren Herz für's Judenthum erstorben ist, und die so lange sich nicht befriedigt halten werden, als noch ein Grundstein am Gebäude der alten Glaubensburg feststeht; daß diese Nihilisten ebenso einer gesunden Entwicklung des religiösen Lebens feindlich im Wege stehen, wie die stabilen, die in einem ewigen Schlafe versunken sind. Sie weiß es, daß Fortschreiten nicht Fortstürmen und Zusammenstürzen, Entwickeln nicht Zerreißen heißt; ja, sie weiß es, daß die Zeit Fortschreiten und Entwickeln, aber nicht Niederreißcn und Zusammenstürzen fordert, und daß ein wahrhaftes Fortschreiten und eine naturgemäße Entwicklung auf dem Gebiete des Judenthums nur durch ein Institut, wie das der Rabb. Vers, angebahnt werden kann, welches zwischen Stabilität und Radikalismus die Milte haltend, die Grundsäulen und den Hauptriß des Religionsgebäudes festhält, die äußeren Formen aber nach und nach den Bedürfnissen der Zeit gemäß sich umwandeln läßt. Und indem die deutsche Judenheit dies weiß und erkennt, wird sie trotz dem Geifer erhitzter Gegner dem Institute der Rabb. Vers, fortwährend ihr Vertrauen, ihre Theilnahme und ihre Unterstützung mit Liebe und Begeisterung zuwenden. Alzey, den 12. August 1846. (Folgen die Unterschriften von vier Vorstehern der israelitischen Religionsgemeinde.) Bremen, 19. August. (Privatmitth.) Folgende Erklärung gegen die „Verwahrung" bringt die Bremer Zeitung: Die Bremer Zeitung von gestern hat einen Artikel aus dem Frankfurter Journal ausgenommen, in welchem mehrere Mitglieder der frankfurter israelitischen Gemeinde gegen die Ergebnisse der breslauer Rabbinerversammlung eine sogenannte „Verwahrung"