Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-31 · Heft 36 (31.8.1846) · p. Seite 527

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 36 (31.8.1846)
Date
1846-08-31
Page
Seite 527 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225443-3225480--07983-3238774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

527 in der Bibel niedergelegt, von Moses, dem Manne Gottes, von Jesaias und den übrigen Propheten uns und der ganzen Menschheit gelehrt wurde, kann und wird es in Ewigkeit nicht geben. Die Herren würden den richtigen Ausdruck getroffen haben, wenn sie anstatt der Gotteserkenntniß von der äußern Gottes Verehrung gesprochen hätten. — Am Schluffe ihres Manifestes erklären die Herren Verwahrer, daß sie feierlichst von der Rabbinerversammlung sich lossagten und nunmehr ihren eigenen Weg gehen wollten. — In billiger Verwunderung fragen wir dagegen: und bisher, meine Herren, gingen Sie nicht Ihren eigenen Weg? und konnten Sie ihn etwa nicht gehen? Nennen Sie doch die Mitglieder der Rabbinerversammlung, die Ihnen irgend wie und wo verdammend oder ausschließend in den Weg traten? Sie wollen fortan auf die Beschlüsse unserer Versammlung keine Rücksicht nehmen; die Hand auf's Herz, meine Herren! in welchem Falle hätten Sie denn ja auf unsere Beschlüsse Rücksicht genommen? — Wenn Jemand sich, durch innere oder äußere Motive, genöthigt sieht, bei schwebenden Religionsfragen die Beschlüsse einer Synode abzuwarten, um sich im praktischen Leben darnach einzurichten, dann mag ein Solcher, so jene ihm kein Genüge leisten und er ihnen nicht Nachkommen will oder kann, feierlich und laut erklären, damit man sein geändertes Benehmen zu würdigen wisse, daß er dieser Synode den Gehorsam kündige und von nun an seinen eigenen Weg gehen werde. Allein wie unter uns die Sachen stehen, werthe Herren, wahrlich, da war ein solches Ereifern, daß Sie fast Ihre Rabbiner exkommunizirt hätten, gelinde bezeichnet, höchst unnöthig. Uebrigens können wir im Interesse unserer hiesigen Gemeinde den Wunsch, ja das Verlangen nicht unterdrücken, die Namen der sämmtlichen Herren Unterzeichner jenes Manifestes durch den Druck veröffentlicht zu sehen. Denn ein so nackt hingestelltes „folgen die Unterschriften" halten wir bei so tiefgreifenden Angelegenheiten durchaus für ungeeignet. Frankfurt a. M. im August 1846. Leopold Stein, Rabb. der israel. Gemeinde dahier. Alzey, 15. August. (Privatmitth.) Folgender „Antiprotest" gegen die frankfurter „Verwahrung" ist von hiesiger Gemeinde erlassen worden: Antiprotest. Es liegt (Hauptblatt des Frankfurter Journals No. 219) der Protest mehrerer Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main gegen die jüngst stattgehabte dritte Rabbinerversammlung vor uns, und fast ergreift uns Entsetzen über das maßlose Ausschreiten und die Ungebührlichkeit, womit diese wenigen, dem Judenthume entfremdeten Männer sich zu Richtern aufwerfen und dabei noch den Muth haben, im Namen der deutschen Israeliten, der israelitischen Gemeinden Deutschlands rc. aufzutreten. Dieser Protest mit seinen giftigen Geschossen und feindlichen Angriffen gegen ein Institut, welches noch warme Anhänglichkeit und Pietät für ein Bestehendes und Heiliges gezeigt, diese bitteren Ausfälle gegen eine Versammlung, weil sie nicht, gleich den Männern des Protestes, der väterlichen Religion den Untergang geschworen, bestärkte uns auf's Neue in unserem festen Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Heilsamkeit des Strebens der Rabbinerversammlung, welcher wir Glück wünschen, daß sie in diesen Männern ihre Feinde gefunden. Wie? Ihr seht Euch durch die Ergebnisse der breslauer Rabb. Vers, in Eueren Erwartungen getäuscht? Was hatte Euch aber auch dazu berechtigt, die Vertreter des Judenthums für seine Zerstörer zu halten, und eine Rabb. Vers., welche von vorn herein Erhaltung und Fortbildung des Judenthums und Belebung des religiösen Sinnes zu ihrer Devise gemacht (§. 1 der Statuten der Rabb. Vers.) für fähig zü halten, daß diese Devise in Euerem Sinne eben nur eine heuchlerische Maske sei, um unter derselben den deutschen Israeliten nach und nach das Judenthum zu entwinden? Alle die böswilligen Verleumdungen, womit Ihr die würdig und wacker strebende Versammlung vor den Augen des israelitischen und mehr noch des nichtisraelitischen Publikums prostituiren zu können vermeint, fallen auf Euer eigenes Haupt zurück und sind dem Denkenden nur traurige Belege Eurer unlauteren Tendenzen. Wie mochtet Ihr auch so verblendet sein, Anklagen mit solcher heftigen Bitterkeit ungescheut dem Publikum aufzutischen, welche so sonnenklar bereits durch die Protokolle der früheren Rabb. Vers, widerlegt sind, welche durch die bald erscheinenden Protokolle der diesjährigen Versammlung ohne Zweifel zur Lüge gemacht werden, ja welche Ihr selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.