Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1846)
- Date
- 1846-08-31
- Page
- Seite 526 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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526 dies allein schon jene Anklage in ihrer Nichtigkeit darstellen. Uebrigens hat die diesjährige Rabbiner- Versammlung, so weit es an ihr lag, den zweiten Feiertag de jure aufgehoben, und daß dieser wenigstens „ein kleiner Stein des Anstoßes," wird doch wol auch vom vorurtheilsvollsten Gegner eingeräumt werden. Man ruft ferner aus, „wir meinten unsere pomphaft angekündigte Aufgabe gelöst zu haben, wenn wir einen längst veralteten, das Herz nicht mehr erhebenden Kultus mit neuem Flitter umgeben." Allein müssen wir denn wieder daran erinnern, daß man im vorigen Jahre gerade am hiesigen Orte jenen Berathungen über den Kultus die aufrichtigste und herzlichste Theilnahme, den unumwundensten und lautesten Beifall gezollt hat? Oder wäre wirklich die beschlossene Einführung der deutschen Sprache und der Orgel beim öffentlichen Synagogengottesdienste, die Derogirung des politischen Messias, die Ausmärzung aller Bitten um Zurückführung nach Palästina, um Wiederherstellung des jüdischen Staates und des alten Opferdienstes — wäre dies Alles in der That nur Flitter, womit wir unfern Kultus umgeben wollen, nicht ein tief in das ganze Wesen des Judenthums eingreifendes Umgestalten? das könnten nur diejenigen zu behaupten wagen, denen aller und jeder Kultus Flitterwcrk zu sein scheint, die in der That ihrerseits das Wort „Religion" als eine „eitle Redensart" im Munde führen und damit ein „leeres Gaukelspiel" treiben, die ihre „pomphaft angekündigte Aufgabe" gelöst zu haben glauben, nicht im Neubegründen, sondern im Zerstören und Verfallenlaffen des Judenthums und seines öffentlichen Kultus. — Nun aber kommen wir zur wichtigsten und schwersten Anklage, also lautet sie: „wir stehen nicht auf gleicher Stufe mit einer Versammlung, welche den Ruhetag, der den seiner Berufsgeschäfte entledigten Menschen dem Menschen gesellig nähern ... soll, wenn sie diesen zur festlichen Vereinigung der durch Beschäftigung ... getrennten Brüder bestimmten Sabbat als eine separatische Scheidewand bezeichnen." In der That! es ist uns ein Räthsel, wie vernünftige Männer ihre Namen unter ein Machwerk setzen konnten, das weder klar gedacht, noch richtig geschrieben erscheint! Vor Allem fragen wir, ist denn wirklich, wie hier gelehrt wird, der Sabbat zur festlichen Vereinigung aller Menschen bestimmt, oder ist er eingesetzt, um die Genossen eines und desselben Glaubens durch gemeinsame Feier inniger zu verbinden? Wohl räumen wir die Vortheile ein, welche ein mit unseren christlichen Mitbrüdern gemeinsam zu begehender wöchentlicher Ruhetag mit sich führen müßte; wir bedauern tief die hier bestehende Trennung, noch tiefer, daß sie jemals für nöthig ist befunden worden. Wenn aber die Rabbinerversammlung erklärte, daß die Aufhebung jener Trennung nicht in ihrer Macht stehe, hat sie deshalb den Sabbat als einen separatistischen Ruhetag bezeichnet, was doch mit anderen klareren Worten sagen soll, sie habe an dem besondern Ruhetage gerade das Trennende als ein Erforderliches hingestellt? — Wenn Rabbinen die Verlegung des Sabbats auf einen andern Wochentag weder mit ihrem Gewissen, noch mit der Ehrfurcht vor Bibel und Geschichte, noch mit dem Fortbestände des Judenthums, als einer positiven Religion, in Uebereinstimmung bringen können, so mag man dagegen mit Gründen streiten, seine abweichende Meinung klar und offen aussprechen, aber dagegen deklamiren, ist unnütz, dagegen gar mit Wortverdrehung und untergeschobenen Motiven auftreten, unredlich*). — Endlich erklären die Herren Verwahrer sich auch dagegen, daß wir förmlich über Dinge abgehandelt hätten, die sehr weit hinter ihnen lägen. Was dies für Dinge seien, wird nicht näher angegeben. Nach dem Tone der ganzen Verwahrung zu schließen, dürfte ziemlich das ganze Judenthum sehr weit hinter den Verwahrern liegen; denn sie, „die sich ergriffen fühlen von dem mächtigen Strome, dessen kühne, heilige Wellen alle Welt rings um uns her emporheben (wie schön!) und an das glückliche User einer geläutertern und würdigern Gotteserkenntniß hintragen," sie geben dadurch allerdings zu erkennen, daß sie uns weit, sehr weit voraus sind. Denn wir erklären: einegeläutertere und würdigere Gotteserkenntniß, als sie klar und schlicht *) Ich werde meine Meinung über diesen Gegenstand bei einer andern Gelegenheit des Nähern aussprecheu, so wie über manchen andern die dritte Rabb. Vers, betreffenden Punkt, worüber öffentliche Blätter theils falsche, theils falsch aufgefaßte Berichte gegeben haben. So wie ich überhaupt das verehrliche Publikum und meine geehrten Glaubensgenossen insbesondere bitte, ihr Eudurtheil über diese Angelegenheit bis zum Erscheine« der Protokolle aufzuschieben. Der Verf.