Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1846)
- Date
- 1846-08-31
- Page
- Seite 525 (sequence 9)
- Language
- German
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525 aufgefordert, daß sie im Besitze keinerlei geistlicher Macht sich befinde und nach keiner solchen strebe, daß sie keine andere Autorität besitze, noch besitzen wolle, als welche das Volk ihr freiwillig zugestrhe, wer in aller Welt also darf uns verwerfliche Tendenzen in die Seele schieben, welche wir mit aller Entschiedenheit von uns abweisen? Es ist daher ein eitler Popanz, welchen die „Verwahrung" aufstellt, wenn sie von „hierarchischen Absichten" und von einer priesterlichen Autorität spricht, welche wir „auf den Trümmern der uralten Denk- und Glaubensfreiheit uns anmaßten." Welch' ein Unsinn in Ausdruck und Gedanken! wir maßen uns auf den Trümmern der uralten Denk- und Glaubensfreiheit eine Autorität an! Wie? lag etwa die Glaubensfreiheit bei den Israeliten schon vor dem Auftreten der jüngeren Rabbinen in Trümmern, wie kann der Wolf dann dem untenstehenden Lamme die Trübung des obern Bergwaffers zur Last legen? Oder hätte die Rabbinerversammlung wirklich in diesem Jahre den Tempel israelitischer Glaubensfreiheit in Trümmern geschlagen? Dann mußte diese Herostratie zu Breslau in stockfinsterer Nacht vor sich gegangen sein, denn beim hellen Tageslichte und vor den Augen der Welt hat man nichts davon wahrgenvmmen. Oder hat man dabei — wie denn allerdings im vorigen Jahre, nur von einer andern Seite her, aber mit denselben Worten derselbe Vorwurf gegen uns losgelassen wurde — die Verhandlungen der früheren Versammlungen im Auge? Allein im vorigen Jahre haben sich ja alle gebildeten und aufgeklärten Männer der hiesigen israelitischen Gemeinde zu einer Adresse vereinigt, in welcher es unter anderen anerkennenden Worten heißt: „wir danken Ihnen, daß Sie alle persönlichen Rücksichten hintangesetzt, daß Sie vor Anfeindungen und Mißdeutungen nicht zurückgeschreckt; wir erkennen und bewundern Ihren Glaubensmuth; nur selten wird uns-ein solches Beispiel der Verläugnung des eigenen Interesses geboten." Wahrlich, so schnell und so sehr kann es sich doch mit uns nicht verschlimmert haben, daß wir im vorigen Jahre so rühmenswerth und in diesem so verdammensw-erth erschienen, daß man unsere frühere Wirksamkeit einer Erwähnung gar nicht für würdig hielt! In der That sonderbar! Wäre wirklich das Verfahren der Rabbinen ein „leeres Gaukelspiel," ginge wirklich unser Streben „gewandt und beharrlich " dahin, den bessern Geist im Keime zu ertödten, den Sinn des Volkes durch „eitle Redensarten" zu berücken, wie unsere „Verwahrer," mit diesen und ähnlichen Jnvektiven freigebig um sich werfend, die Welt wollen glauben machen, nun, warum hat man dies im vorigen Jahre nicht besser gewürdigt, nicht entschieden zurückgewiesen, statt unser Verfahren entschieden zu loben und aufmunternd hervorzuheben? Denn der diesjährigen Versammlung könnten bittere Borwürfe solcher Art nur von Augenzeugen gemacht werden, und siehe da! diese, die würdigsten und fortgeschrittensten Männer der israelitischen Gemeinde zu Breslau haben sich ebenfalls beeifert, und zwar ebenfalls erst am Schluffe der Verhandlungen, ihre fortwährend innige Theilnahme für das Institut der Rabbinerversammlungen durch eine Adresse, bedeckt mit zahlreichen, ohne Kolportirung von Haus zu Hause zu Wege gebrachten Unterschriften auf eine glänzende Weise an den Tag zu legen. So muß denn doch die Rabbinerversammlung, in der Nähe betrachtet, keine so schauererregende Erscheinung sein, wie unsere Himmel und Hölle aufbietenden „Verwahrer" sie darstellen möchten. Man wirft uns auf eine tief verletzende Weise vor, daß wir die Namen Religion, Fortschritt und Aufklärung zum Deckmantel mißbrauchten, um der gsdankenlosen Werkhciligkeit und dem wortglaubenden (!) Buchstabendienste die längst verlorene Macht wieder zu erobern, der schnödesten Heuchelei Thür und Thor zu öffnen!" Wir fragen alle redlich und billig denkenden Männer in und außer Israel, ob ein solcher Vorwurf gegen Volkslehrer, welche, angetrieben von keiner Regierung und keiner Gemeinde, sondern bloß von ihrem Herzen öffentlich zusammentreten, um ihre religiösen Ueberzeugnngen ohne Scheu und Furcht auszusprechen, und wo Heilung möglich, dieselbe anzustreben, nicht rin bitterböses Unrecht involvire? Man sagt, „wir vermieden ängstlich jede Frage, wobei auch nur ein kleiner Anstoß aus der praktischen Lebens bahn (?) der in und mit der Welt (sic!) lebenden Israeliten hinweggeräumt werden soll." Die Rabbinerverfammlung kann in Betreff der Unwahrheit dieses Vorwurfs ruhig auf ihre Protokolle verweisen. Ja, wäre es nur das Einzige, was sie bewirkt, daß ihre zu Braun schweig über den Eid gepflogenen Verhandlungen notorisch zur Abstellung des „Judeneids" in jenem Lande beigetragen, so würde 36*