Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1846)
- Date
- 1846-08-31
- Page
- Seite 522 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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522 sobald derselbe nicht musikalisch angemessen singen kann, aller Gesang seinerseits entfernt, und der Vortrag lediglich ein würdiges Vor beten werde. Ist er aber musikalisch gebildet, so kann bei einzelnen Piecen immerhin Gesangesweise von ihm angewrndet werden, jedoch nicht bei ganzen, zusammenhängenden Stücken. Das wahrhafte Erforderniß wird also sein, daß der Lehrer angemessen hebräisch und deutsch lesen und vortragen kann. Kann er es nicht, so muß er es lernen, und wird es bei fortgesetztem Eifer. Die Theilnahme der Gemeinde ist ebenfalls sehr zu berücksichtigen, und kann nicht bloß im Zu Horen bestehen, wie es bei vielen neuen Liturgieen der Fall ist. Um diese nun zu bethätigen, habe ich Ihnen Zwiefaches vorzuschlagen, indem ich voraussetze, daß höhere musikalische Mittel in Ihrer Gemeinde nicht vorhanden sind, jedenfalls aber das Schreien und laute Beten der Gemeinde, wie es bisher stattfand, aufh'ört. Nämlich: 1) die Gemeinde lernt in einfacher Weise unisono und znsammenflimmend die gewöhnlichen Responsen im Kaddisch, Borchu, Schma, das Boruch hu und Boruch Schmau, Amen, in der Keduscha sprechen; 2) es werden überhaupt mehre Stücke als Responsorien, das heißt Vers um Vers von Vorbeter und Gemeinde, vorgetragen in einfacher Melodie; so YHT, wie: der Vorbeter: die Gemeinde: 'ns ‘pa -tosr? und so das ganze Stück. Ebenso nw. Im Dp spricht der Vorbeter den ersten Satz nsttan, dann werden trirn und *!»am in stiller Andacht gelesen. Was hierzu gehört, kann die Gemeinde bei gutem Willen leicht überwinden; es übet sich eine Zahl junger Leute expreß dazu ein, und die Anderen lernen es an jenen. Ich habe es aus der Erfahrung, daß dies sehr bald geht, wie z. B. bei Hallet Vers um Vers nach der Tempelmelodie. Auf diese Weise, glaube ich, sind die bedeutendsten Zwecke genügend erreicht. Durch den Wegfall des ganzen Theils vor rr/r^, mehrer Zwischenstücke, der Mischeberachs und Umgebungen des Thoraleserrs, so wie durch den dreijährigen Zyklus ist der Gottesdienst hinlänglich verkürzt, ohne ihm ein wesentliches Stück zu nehmen, und zugleich genug Raum gewonnen, um eine Predigt oder ein Predigtstück und mehre deutsche Piecen integrirend in den Gottesdienst aufzunehmen, damit einerseits der Gottesdienst nickt zu kurz, andrerseits ansprechend werde. Ferner: durch das deutsche rMD2, einen deutschen Psalm, deutsche Sprüche beim Ein- und Ausheben, deutsches Mischeberach, deutsche Haphthora, und die Predigt ist das deutsche Element wesentlicher Bestandtheil deS Gottesdienstes geworden, ohne daß 1) dir hebräische Sprache verdrängt, 2) ein Mischmasch von deutsch und hebräisch hereingebracht worden: sondern sowol die hebräischen als die deutschen Gebete und Vorlesungen bilden gesonderte Glieder, die sich zu einem Organismus vereinigen. Alles dies ist endlich ohne Schwierigkeiten, auch bei geringen Mitteln, herzuflellen, und erfordert nur — den guten Willen des Lehrers und der Gemeinde, ohne welchen freilich Nichts anzufangen ist. Zu allen weiteren Diensten bereit, rc. rc. rc. Zeitungsnachrichten. Großbritanieu. London, 28. August. Die vom Oberhause a» das Unterhaus gelangte Bill zur Entfernung der aus alten Gesetzen fließenden Rechtsbeschränkungen der Juden und Katholiken (wir haben sie in No. 18 d. I. aufgestellt) ist zum dritten Male verlesen und einstimmig genehmigt worden, so daß sie, nachdem sie in der Sitzung vom 18. die königl. Zustimmung erhalten, nunmehr Gesetzeskraft hat. Auf diese Weise sind die Juden, außer der Befähigung zu Parlamentswahlen, in Großbritanien nunmehr völlig gleichgestellt. Preußen. Posen, 19. August. (Voss. Ztg.) Die projektirte Kolonisation der Juden hiesiger Provinz nimmt zwar eine sehr langsame Fortentwickelung und für den Fremden scheint es, als sei dieselbe ganz in Stocken gerathen. Es ist darum und nicht ganz mit Unrecht die Saumseligkeit und Schlaffheit des Zentralvcreins in ausländischen Blättern mit heftigen Worten getadelt worden. Wir können indessen aus sichrer Quelle versichern, da wir darüber die genauesten Erkundigungen eingezogen haben, daß von Seiten des Zentralvereins noch nichts verabsäumt wurde, viel» mehr von diesem unausgesetzt mit unverdrossener Thatigkeit an dem Vornehmen gearbeitet wird. Der Verein kam schon vor vielen Monaten auf Grund