Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1846)
- Date
- 1846-08-31
- Page
- Seite 518 (sequence 2)
- Language
- German
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518 sich darüber ausweisen soll, daß auch alle diejenigen,, ui der-« AiWteKenhrLe er auftriLr, mit ftinem B-Kchren eimversiande« ßeh-n. Hat man denn auch tye: Mäsnek ans dem Volke, welche mit Petitionen vor diese hohe Kammer hintraten und Freiheit der Presse, gleichmäßige und gerechte Vertheilung der Steuern, Entfesselung des Grundes und Bodens, Geschwornengerichte u. dergl. verlangten, erst nach ihrer Vollmachtsurkunde gefragt? Hat man von ihnen verlangt, daß sie vorerst Nachweisen sollten, ob auch der Wille sämmtlicher Staatsbürger durch den Mund solcher Petitionäre ausgesprochen sei? Meine Herren! wenn es sich darum handelt, Verbesserungen in den staatlichen Zuständen herbeizuführen, dann ist jedes Mitglied der Staatsgesellschaft berechtigt, für sich allein vor einen der Faktoren der Gesetzgebung hinzutreten, ja, es bedarf einer solchen äußern Anregung gar nicht, weil auch ohne diese jeder Faktor der Gesetzgebung befugt ist, die Initiative zu ergreifen. Ihre Kommission, meine Herren, konnte sich uicht zu dem Glauben bekennen, daß die Emanzipation (wie viele streng orthodoxe Juden glauben, weshalb diese auch dem Begehren entgegen sind) das Grab des ganzen Judenthums sei; sie hegt zwar die Ueberzeugung, daß die Emanzipation das Judenthum läutern werde von den Schlacken, die sich in den Jahrtausenden gebildet haben, daß eS dasselbe zurückführen werde auf die Reinheit der göttlichen Offenbarung, und daß es vernichten werde all' die falschen Lehren, welche mit dem wahren Judenthume nicht verbunden sind, und mit demselben nicht im Einklang stehen. Wenn nun auch einzelne Bekenner des mosaischen Glaubens in der Unkenntniß der reinen göttlichen Lehre an Jrrthümern festhalten, und in der Emanzipation den endlichen Untergang solcher Irrlehren erblicken, dessen allmäliges Herannahen sie jetzt schon in der fortschreitenden religiösen Aufklärung und sittlichen Bildung ungern erblicken, so darf uns dies doch offenbar nicht bekümmern. §. S. Die früheren Kammerbeschlüsse haben durchaus nicht die bürgerliche Gleichstellung der Juden für immer von der Hand weisen wollen; allein sie haben die Gewährung dieser Rechte an Bedingungen geknüpft, welche einer unbedingten Verwerfung ganz gleichkommen, sie haben verlangt, daß die Juden ihren Glauben verlassen und einen andern annehmen sollen. Zu diesem Verlangen glaubte mau sich dadurch berechtigt, daß man annahm, es stelle die jüdische Religion sittenwidrige, antisoziale und antinationale Grundsätze auf. Meine Herren! Wenn diese ungeheure Anschuldigung gegen eine Religionsgesellschaft in Wahrheit begründet wäre, wenn wirklich die Lehre des Moses eine sittenwidrige und den Grundsätzen unserer Staatsverwaltung widersprechende wäre, warum ist die Staatsgewalt Mchk schon längst eingeschritten, um dieselbe von dem Boden unseres Vaterlandes auszurotten, warum hat die Staatsgewalt diese Religion nicht bloß geduldet, sondern sogar konstitutionsmäßig ausgenommen und mit einem geordneten Kirchenregiment versehen? Warum ist man in anderen Staaten, in welchen die Juden gleiche Rechte mit den Christen genießen, nicht auf den Gedanken gekommen, staatsgefährliche Grundsätze in ihren Religionslehren zu wittern? Kaum möchte man glauben, daß die Gegner der Emanzipation, welche sich nicht scheuen, solche furchtbare Anschuldigungen gegen eine Religionslehre in die Welt zu schleudern, nicht die Absicht haben, dem Staate hierdurch selbst die ungeheuersten Vorwürfe zu machen! Unbegründet sind aber diese Vorwürfe und der von Napoleon im Anfänge dieses Jahrhunderts berufene große Sanhedrin hat dieses schon feierlich ausgesprochen; sie lassen sich nur dadurch erklären, daß man aus Religionsbüchern Sätze herausriß, dieselben außer allen Zusammenhang brachte und sie so drehete und deutete, bis sie in die Form gebracht waren, die man ihnen zu geben beabsichtigte. Die israelitische Religion hat ihre Hauptgrundlage in dem alten Testamente, in der Lehre des Moses und der Propheten, in der nämlichen Lehre, auf welche sich auch die christlich Religion stützt und welcher doch gewiß der Vorwurf der Unsittlichkeit nicht gemacht werden kann. „Wenn eine heiße und aufopfernde Liebe zu allem Guten und Edeln," sagt die Petition des Oberraths Eppstein und der im Rufe der Orthodoxie stehenden Rabbinen, „wenn treue Anhänglichkeit an Fürst und Vaterland, wenn Muth und Selbstverleugnung die Grundpfeiler der Bürgertugend sind, — wo finden wir diese Grundsätze reiner, heiliger, unzweideutiger ausgesprochen, als in den Schriften Moses und der Propheten?" Der Grundsatz der Nächstenliebe durchweht die Lehre des alten Testaments, und wie hätte auch ein weiser Staatsmann, wie Moses, Feindschaft, Heuchelei und Verfolgung der Mitbürger und damit den Untergang jeder Staatsgesellschaft lehren können? In den Urkunden der Bibel wollte man freilich auch solche sittenwidrige Lehren nicht finden, man glaubte, dieselben in den Lehren des Talmuds suchen zu müssen. Wir haben die Petition eines Mitgliedes des von der Staatsregierung eingesetzten israelitischen Kirchenregimeuts und