Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 35 (24.8.1846)
- Date
- 1846-08-24
- Page
- Seite 512 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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512 flüssig zu macken, ihm den belebenden Geist einzuhauchen und es für die Formen empfänglich zu machen suchte, welche unsrer Zeit angemessen sind, und weil sie eine geschichtliche Entwickelung anstrebte, welche an die Vergangenheit anknüpft und die Zukunft vorbereitet. Dennoch ließen sich die wackeren Männer nicht zurückhalten, die weiten Reisen zu unternehmen und im sichern Bewußtsein, durch Gcsinnungstüchtigkeit allem Schwanken und Mißtrauen ein Ende machen zu können, traten sie getrost zusammen. Zur Erleichterung der Opfer, welche die meist schlecht besoldeten Rabbiner zu bringen nicht vermögend sind und welche besonders dieses Jahr bei der weiten Entfernung der meisten Mitglieder bedeutend waren, hatte sich bereits im vorigen Jahre eine Zentralkasse in Frankfurt a. M. gebildet, und die hiesige Gemeinde spendete dieses Jahr einen beträchtlichen Zuschuß. So begann denn die Versammlung ihre diesjährigen Berathungen und sie bewährte vollkommen, wie richtig der Standpunkt ist, den sie einnimmt. Sie zeigte sich treu der heiligen Lehre und dem göttlichen Worte, mit Achtung erfüllt gegen deren geschichtliche Entwickelung im spätern Judenthume, aber auch bestrebt, den rechten Geist der Bibel und der Tradition aus der Verknöcherung zu befreien; sie erkannte an, daß die Religion in dem Gemüthe ruht und daß dort Eingelebtes, wenn es auch weniger auf Autoritäten und zwingende Gründe sich berufen kann, doch wol seine Berechtigung hat, aber auch, daß das mit dem Leben in scharfem Widerspruche Stehende sich immer mehr abbrückelt und, wenn es gewaltsam erhalten werden soll, das Verfahren nur eine Zeit lang die Heuchelei befördert, dann aber zu einer gänzlichen Leere hinführt. In diesem Sinne wurden ihre Beschlüsse über die wichtigen ihr vorliegenden Fragen gefaßt, und mit diesem Maßstabe müssen sie gemessen werden." Oesterreich. Papa, 9. August. (Privatmitth.) *) Durch den von hoher Statthalterei herabgelangten Status quo *) Das Schreiben ist uns ohne Unterschrift zugekommen; da aber der Inhalt ein Faktum ist, welches zur Ergänzung des Art. in No. 33 dient, so haben wir dieses aus dem Schreiben herausgezogen. Redakt. hätte der Einzug unsres neuen Oberrabbi, Herrn Leopold Löw, der am 5. h. vor sich gehen sollte, verhindert werden sollen. Allein am 3. kam die Sache in der Komitatssitzung zur Verhandlung, und wurde 2 Stunden stürmisch debattirt. Die Komitatsstände erklärten den Status quo für ohne gesetzlichen Anhalt; der Grundherr, Se. Erz. Graf Karl Esterhazy, erklärte sich in seinen Rechten gekränkt, und nahm jede Verantwortlichkeit über sich; und so wurde beschlossen, vom Status quo gar keinen Umgang zu nehmen, und Herrn Löw in sein Amt einzusetzen. Der Einzug fand daher am *6. h. statt. Achtzig Mitglieder der Gemeinde fuhren ihm zur ersten Station entgegen, wo unter einem Zelte der Oberrabbiner Löw empfangen, vom vr. Pserhofer deutsch, vom ür. Ditrichstein ungarisch angeredet wurde, welche beide Ansprachen er geziemend erwiederte; dann wurde ein Mahl eingenommen. Vor der Stadt erwarteten ihn die ganze Schuljugend mit Nationalfahnen, der edle Graf und viele Notabilitäten jeder Konfession. Viele Häuser und die Wohnung des Rabbi waren illuminirt; Abends wurde ein Fackelzug mit Musik gebracht. Am Sabbat hielt der neue Rabbi eine Draschah im vollständigen Sinne, nnd erhielt Nachmittags viele Geschenke. Von den Gegnern haben sich schon Viele ihm gänzlich zugewandt. Pesth, 25. Juli. (Privatmitth.) Ich sprach in meinem letzten Briefe über das Verhältniß der ungarischen Literatur und Journalistik der Judenfrage gegenüber, erlauben Sie mir hiemit das Bild zu vervollständigen, indem ich Ihnen das Verhältniß der deutsch-ungarischen Presse zu dieser Frage mit wenigen Worten zu schildern versuche.... Die deutsche Journalistik Ungarns ist größtentheils in den Händen der Juden, daher auch der ihnen oft gemachte Vorwurf, daß sie das deutsche Element zu verbreiten suchen, was aber völlig ungegründet, indem sie durchaus keine oppositionelle Stellung den Uebergriffen des Magyarismus gegenüber einnehmen, wie dies z. B. die in Preßburg, St. Niklau, Agram u. a. O. erscheinenden slavischen zu ihrer ausgesprochenen Tendenz machen, und auch die zwei von Christen redigirten deutschen Zeitschriften „Vaterland" und „Pesther Zeitung", wenn auch nicht so offen, doch stets mittelbar dem ungarischen Element entgegen zu wirken streben. „Ungar", „Spiegel", „Preßburger