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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-24 · Heft 35 (24.8.1846) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 35 (24.8.1846)
Date
1846-08-24
Page
Seite 510 (sequence 10)
Language
German
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510 gleichung und Versöhnung der im Leben herrschenden Unterschiede und Abstufungen als ihre Aufgabe angiebt, welche die Ausübung und Verbreitung einer universalen, so zu sagen kosmopolitischen Humanität zu ihrem Zwecke haben will, wie eine solche Gesellschaft die Grundsätze der ihr nothwendig entgegengesetzten sozialen Vereine als Motiv ihrer Handlungsweise angcben kann. Uns wenigstens scheint es viel würdiger und ehrenvoller sich der Gefahr auszusetzen, von einer physischen Uebermacht durch Zwangsmaßregel äußerlich aufgelöst zu werden, als durch Verleugnung des innersten Lebensprinzips sich selbst freiwillig geistig zu vernichten. Doch wozu uns noch hierüber wundern? Sind wir ja gewohnt von unseren deutschen Männern die Freiheit theoretisch sehr gelehrt und tief traktiret, aber praktisch gar jämmerlich genothzüchtigt zu sehen! Schon oft hat sich der deutsche Michel auf den Flügeln des Liberalismus emporzuschwingen gesucht; aber in die Sonnennähe des Judenthums angelangt wurde es dem etwas korpulenten Herrn stets zu heiß und ängstlich, seine so glänzend zugestutzten Fittige schmolzen wie Wachs zusammen und er stürzte wieder zur Erde nieder, von dannen er gekommen. Jndeß wollen wir auch nicht in Abrede stellen, daß es von jeher immer kennenswerthe Ausnahmen gegeben, deren Zahl in unseren Tagen in starkem Zunehmen begriffen ist. Um ein Beispiel anzuführen wollen wir den Schriftsteller Held nennen. Dieser bespricht in einem kürzlich erschienenen Buche die religiösen Bewegungen der Gegenwart und sucht besonders den Satz durchzuführen, daß alle Streitigkeiten der positiven Religionen, die er als Sekten der einen Religion ausfaßt, ein Streit „um des Kaisers Bart" sei. In der kurzen Charakteristik der einzelnen Sekten heißt es von den Juden: „Die armen Juden sind die Märtyrer des der. schen Sektenwesens, bloß deshalb, weil sie nicht begreifen können, daß der Stifter des Christenthums ein persönlicher Sohn Gottes sein soll. Denn das ist so ziemlich der ganze Unterschied, welcher zwischen dem Glaubensbekenntnisse der Juden und Christen besteht. (?) Auch die Juden glauben wie die Christen an die Persönlichkeit Gottes, glauben, daß er mit seinem bloßen Worte: „Es werde!" die Welt erschaffen hat und sie nach seinem Gutdünken regiert. Sie halten Jesum, den Stifter des Christenthums, für einen vortrefflichen, mit großem Geiste begabten Mann, der die Mißbräuche des Judenthums habe abstellen wollen, gegen diese eine Opposition ergriffen, sich Anhang verschafft habe, als Demagoge ausgetreten sei und für die von ihm hervorgerufene Bewegung das Schicksal vieler Demagogen, nämlich den Tod habe erleiden müssen. Dies ist die Meinung der Juden. Wenn Jemand, der als Christ — das will sagen von christlichen Eltern — geboren ist, aufträte und dieselbe Meinung ausspräche: so würde man ihm zwar im Mittelalter die Inquisition auf den Hals gesetzt haben; allein heutiges Tages wird man ihm von wegen der Glaubensfreiheit kein Haar krümmen. Und was würde unser aufgeklärtes Jahrhundert sagen, wenn man einen solchen Menschen für seine Meinung verurtheilte: nicht Stadtverordneter, Deputirter und Offizier werden, in keinen Staatsdienst treten, gewisse Gewerbe nicht treiben, nicht nach seinem Willen Grundstücke kaufen und sich nicht ohne besondere Erlaubniß verheirathen zu dürfen? Und doch hat man wegen derselben Lehrmeinung die Juden zu dieser immerwährenden Strafe verurtheilt! Man sage mir doch, in welcher Verbindung jener Glaubenssatz mit diesen Staatsbürgerrechten stehen kann! Der Christ wird wegen eines Diebstahls zu dreijährigem Zuchthause verdammt, der Jude wegen einer Glaubensmeinung zu lebenslänglicher Freiheitsbeschränkung! Von allen Sekten Deutschlands ist die der Juden die versolgteste, denn sie wird nicht bloß von anderen Sekten verfolgt, sondern auch von der Staatsgewalt; ihre Verfolgung ist nicht bloß eine religiöse, sondern auch eine politische. Und haben die Christen denn noch gar nicht bedacht, welch' ein schwarzer Undank sich in ihrer Judenverfolgung ausdrückt? nicht daran gedacht, daß sie vom Standpunkt des Christenthums aus die Juden als ihre Wohth äter zu betrachten haben? Was die Christen sind, sind sie durch die Juden. Ihre Bibel haben sie von den Juden, den Haupttheil ihres Katechismus (die zehn Gebote) haben sie von den Juden, ihre Sage von der Schöpfung der Welt haben sie von den Juden, ihre Apostel waren Juden, ja selbst der Stifter ihrer Religion war ein Jude. Sie verdanken den Juden Alles was sie haben und sind. Das Judenthum ist die Mutter des Christenthums. Wer wird seine eigene Mutter schmähen, verfolgen und tobten?! Macht man gegen alles dies geltend, was so oft von Kurzsichtigen geltend gemacht wird: daß

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