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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-24 · Heft 35 (24.8.1846) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 35 (24.8.1846)
Date
1846-08-24
Page
Seite 509 (sequence 9)
Language
German
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509 haben doch der zweiten Rabbinerversammlung beigewohnt, haben sie beglückwünscht und beadresset, und da hörten sie doch den Sabbatbericht des Dr. Geiger, und wußten, was sie von der Berathung zu erwarten hatten? Nun eben, das ist der Schlüssel: dieser Protest soll jene Adresse aus der Erinnerung verlöschen, annulliren. Nun, die Herren hatten ein ganzes Jahr Zeit, sich zu besinnen! Aus Baiern, 28. Juli. (Bremer Ztg.) Es sind in der jüngsten Zeit wieder sehr viele Juden nach Amerika ausgewandert und zahlreiche jüdische Familien schicken sich an, ihren Glaubensgenossen dahin zu folgen, da die Hoffnungen auf Milderung der Gesetzgebung vom Jahre 1813 — die noch von dem Franzosen Montgelas herrührt — wonach man sich schon seit Jahren sehnt, durchaus nicht in Erfüllung gehen. Auch die Erwartungen, die man in dieser Beziehung von dem jüngsten Landtage hegte, wurden nicht erfüllt. Bei einem Gesetze, das unter anderen Punkten auch den enthält, daß man auf Verminderung der Juden an Plätzen, wo sie sich angesiedelt haben, zielen solle, kann es eigentlich der Regierung nicht unangenehm sein, wenn die Juden in Masse das Land verlassen, und dennoch ist dieses nicht der Fall, da man ihnen vielmehr sehr oft Hindernisse in den Weg legt, bevor sie die Erlaubniß zur Auswanderung erlangen. Karlsruhe, 15. August. (Bad. Bl.) In der 51sten Sitzung der zweiten Kammer hat der Abgeordnete Brentano Namens der Petitions-Kommission über die Eingaben vieler Israeliten Bericht erstattet in welchen sie Gleichstellung mit ihren christlichen Mitbürgern verlangen. Sämmtliche Mitglieder der Kommission sprechen ihre Zustimmung zu dieser Rechtsforderung aus, und beantragen eine empfehlende Ueberweisung der betreffenden Petitionen an das großherzogliche Staatsministerium. Der Bericht des Abg. Brentano geht alle Gründe gegen die Gleichstellung durch, und weist sie kräftig zurück. (Wir werden in nächster No. Auszüge liefern. Redakt.) Frankfurt am Main, 17. August. (Privatmitth.) Der Protest gegen die dritte Rabb. Vers, hat im hiesigen Journal eine kräftige Zurückweisung, eine durchdringende Erwiederung erhalten. Zum Schluffe fordert er auf, die Namen der Unterschriften zu veröffentlichen, da bei so durchgreifenden Dingen ein plattes „Folgen die Unterschrften" nicht genügen kann. Man weiß hier wohl, von wem die Sache ausgegangen, aber eine höchst unbedeutende Zahl bekennt sich zu ihr. Uebrigens wird auch dieses Manifest nur dazu dienen, der Rabb. Vers, ein immer wieder erfrischtes Leben zu verleihen, und, anstatt sie zu erdrücken, sie zur Ausdauer zu erkrästigen. Gerade durch Manifestationen wird die Masse über den rechten Stand der Dinge aufgeklärt, und ihr da Liebe eingeflößt, wo Gleichgültigkeit und Theilnahmlosigkeit herrschten. Preußen. Berlin, 10. August. (Privatmitth.) Vor Kurzem wurde mir von einem potsdammer Maurer die Mittheilung, daß auch in den dortigen drei Filiallogen der hiesigen Landesloge die etwaige Zulässigkeit von Juden zur Sprache kam. Im Ganzen soll es nur eine sehr geringe Minorität gewesen sein, welche aus materiellen Gründen, d. h. um des jüdischen Bekenntnisses und Wesens willen, die Frage verneinen zu müssen glaubten, die Majorität machte vielmehr rein formale, dem Wesen der Sache selbst durchaus äußerliche Gründe geltend. Man erklärte sich gegen die Zulässigkeit der Juden, weil, so lange der preußische Staat die Juden nicht emanzipirt hat, die Aufnahme derselben als eine politische Demonstration von Seiten dieser angesehen werden könnte, welcher Anschein um so sorgfältiger gemieden werden müsse, als der Maurerbund in Preußen allerhöchsten Orts ohnedies schon nicht in sonderlicher Gunst stehe*). Wie sehr s'ch auch in dieser Art der Zurücksetzung ein Fortschritt kund giebt, da sie jede Gehässigkeit ausschließt, so niederschlagend und betrübend muß sie doch für jeden wahren Menschenfreund sein. Besonders muß es uns wundern, wie eine Gesellschaft, welche gerade im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Kreisen eine allgemeine Verbrüderung, eine Aus- *) Bekanntlich wollte Friedrich Wilhelm IV. bei feinem Regierungsantritt denselben gänzlich aufheben und nur den äußersten Anstrengungen seines Protektors, des Prinzen von Preußen, gelang es, den Schlag abzuwenden. 35*

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