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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-24 · Heft 35 (24.8.1846) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 35 (24.8.1846)
Date
1846-08-24
Page
Seite 508 (sequence 8)
Language
German
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508 Bürger und Bürger zerschneidet, als eine tiefe Kluft, über welche der Nachbar dem Nachbarn vergeblich die Arme entgegenstreckt *'-0. Wir erwarten nichts mehr von Männern, die cs sich zum Geschäfte gemacht, über Dinge abzuhandeln und förmliche Beschlüsse zu fassen, welche so sehr weit hinter uns liegen, daß es bei den Meisten unter uns eben dieser Verhandlungen und Beschlüsse bedurfte, um sie ihnen nur wieder mit allen ihren Einzelheiten in's Gedächtniß zurückzurufen! Wir sagen uns los von einer Synode, welche, an sich formell unberufen, erst durch treue Erfüllung dessen, was sie verheißen und was man von ihr erwartet hat, eine wirkliche Mission erwerben und nur in ihren Ergebnissen einen Stützpunkt und eine Bürgschaft für künftiges Bestehen erlangen sollte, die aber, sobald sie mit dem Bewußtsein der Gemeinden in so grellem Widerspruch gerathen, jedes Bodens ermangelt, auf dem sie fußen, jeder Sendung entbehrt, auf die sie sich berufen könnte. Wir erklären feierlich, daß wir auf die Beschlüsse und die sonstige Wirksamkeit der Rabbinerversammlung und ihrer Mitglieder keinerlei Rücksicht nehmen, daß wir uns weder Du hast dich, lieber Leser, lange danach gesehnt, wir selbst harrten auf die Begründung dieser schwere», schweren Verurtheilung — jetzt ist ste da. Wir frugen uns, was har denn die Herren so in Harnisch gesetzt? was hat ihnen das zweischneidige Schwert in die Hand gegeben? Jzt ist es klar: weil die Versammlung der Rabbinen den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen nicht Lckrctirt hall O, dann, hätte sie bas gethan, dann wäre nimmer von den hierarchischen Bestrebungen die Rede gewesen, nimmer von der heiligen Demuth, nimmer von Berücken, Ersticken, Schwimmen, Wellen, Ufer und all dergleichen, und — wir hätten all unsere Anmerkungen spare» können. Also die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag ist das gcryze Verständniß unsrer -Zeit, die ganze Wirksamkeit der Volkslehrer, mit der stehe», mit der fallen sie! Wir haben es oben gesagt, wir wollen nicht mit den Ansichten der Herren rechten, wir wollen nur ihr Verfahren und ihre Grunde dem Leser in'S Licht stellen. Run, da er weiß, daß der ganze Protest aus Frankfurt am Main nur aus dem Grimm über die Richtverlegung des SabbatS auf den Sonntag »ntsprungcn ist; nun, da er weiß, daß all die harten Anklagen, dieses Verdammen, dieses Absprecht» aller Religiosität und Moralität, diese Insinuation von Heuchelei, Jntrigue, Verdreherei, kurz diese ganze Beschuldigung der Spitzbüberei lediglich aus diesem einen Motiv hervorgegangen: so hat der Leser ei» hinlängliches Selbsturiheil, und wir können ihm die Kommentirung der folgenden Paragraphen selbst überlassen. ihren Aussprüchen irgend anschließen, noch nach ihr, ihrem Geiste und ihren Tendenzen beurthcilt sein wollen; daß wir dagegen in der deutschen Gesittung und der fortgeschrittenen Wissenschaft unter dem Beistände des Allerhöchsten auch zur intellektuellen, religiösen und sittlichen Erhebung unsrer deutschen Glaubensgenossen die würdigsten und sichersten Mittel zu finden hoffen. Frankfurt a. M., im August 1846. (Folgen die Unterschriften.)" Der Leser gestatte uns nur noch einige Worte der Nachrede. Der Eindruck, den das ihm so eben vvrgelegte Dokument machen mußte, kann nur ein peinlicher sein. Wir schauen hier zu tief in ein Gewebe von Unrecht, Leichtsinn und Herzlosigkeit, als daß wir es nicht wahrhaft beklagen müßten; wir sehen hier, wie Männer, die sich, dem ganzen alten Judenthume gegenüber, für die alleinigen Inhaber der Religiosität und Gottesfurcht ausgeben, so unmoralisch sind, eine Reihe von Männern, deren Leben und Worte der Oeffentlichkeit gehören, zu einer Anzahl von intriguanten, berückenden, hinterlistigen Gaukelspielern zu machen, und sie vor den Augen ihrer christlichen Mitbürger, für deren Urthcil jene so viel Empfindlichkeit zur Schau tragen, als gemeine, überzeugungslose, niedrigst gesinnte Hanswurste zu brandmarken — nur weil diese Charakter genug haben, eine der heiligsten Institutionen unsrer Religion, die ihnen freilich nur gehaltlose Uebungen sind, nicht leichtsinnig über Bord zu werfen; wir sehen hier, wie Männer für die Vergangenheit und den Bestand der Religion, in der sie geboren sind, so gar kein Herz, für die Wehen, Krisen und Kämpfe dieser Religion so gar keinen Sinn haben, daß sie rasen gegen diejenigen, welche ihres Sinnes nicht sind, und welche selbstständig auch ein Urtheil zu haben, ansprechen. Wenn dies die Früchte der „Vernunft und Aufklärung", welche die Herren immer im Munde führen, wären — dann wäre es traurig! Und so scheiden wir von dem Proteste mit der traurigen Ueberzeugung, daß Verfolgung und Verdammung noch lange nicht geschieden, daß gegenseitige Achtung noch lange nicht gewurzelt sind: doch aber auch von Neuem aufgeklärt über den Stand der Dinge, und was man von sich zu halten habe. Der Leser möchte doch aber noch eine praktische Lösung dieser Frage haben. Die Herren dieses Protestes

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