Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 35 (24.8.1846)
- Date
- 1846-08-24
- Page
- Seite 507 (sequence 7)
- Language
- German
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5@?7 ist an der Zeit, daß wir es laut und unzweideutig aussprechen, daß wir es verkünden unseren Glaubevsbrüdern in allen Gegenden der Erbe, daß wir uns verwahren im Angesichte unserer Mitbürger anderer Konfessionen "), daß wir es zurufen unseren Kindern und Enkeln: Nein, nein, jene Männer sind nicht unsere Vertreter, ihre Worte nicht der Ausdruck unserer Gesinnungen!12) wir stehen nicht isolirt da in der Mitte des großen Ganzen, abgeschlossen von dem lebendigen Fortschreiten unsres Jahrhunderts! auch wir fühlen uns ergriffen von dem mächtigen Strome, dessen kühne, heilige Wellen alle Welt rings um uns her emporheben und an das glückliche Ufer einer geläutertern und würdiger» Gotteserkenntniß hintragen "). Nein, es sind nicht die Gemeinden, denen die rückschreitende Tendenz der Rabbiner zur Last fällt, es sind nicht etwa tief und lebenskräftig in allen Klassen des Volkes wurzelnde Vorurtheile, welche der Einführung zeitgemäßer Reformen entgegenstehen"), sondern es sind vielmehr die Rabbiner, welche ihrerseits den gesunden Sinn des Volkes durch eitle Redensarten zu berücken und den sich allenthalben regenden bessern Geist, als ihren hierarchischen Absichten hinderlich, im Keime zu ersticken suchen! Nein, wir leben schon längst nicht mehr in den Zeiten, wo kleinliche Fragen über kaum crwahnenswerthe Einzelheiten bei Beobachtung irgend einer Ritualübung mit abergläubischer Aengstlichkeit vor den Rabbi gebracht wurden, um von ihm mit vater!-Doch halt, die Herren sind ja so freundlich, euch „keine böswilligen Absichten" unterjuschieben — bedankt euch für diese Galanterie! n) Wieder die anderen Konfessionen! Mein Gott, diese Juden schwärmen für die anderen Konfessionen. 12J Das haben diese Männer auch noch nie erwartet, noch nie ausgesprochen. Wer dem Judenthume all daS Schöne nachsagt, was diese Herren eben gethan, wird wol von keiner Rabb. Vers, vertreten. Schaukelt euch immerhin auf den „Wellen", ihr kühnen Schwimmer — wir sind froh, daß wir noch etwas festen Boden unter uns habe», etwas positives Jlidcnthum. ") Als Ihr dies niederschriebet, pochte Euch gar nicht das Her; vor dem Gotteswort: „Keine Lüge soll aus deinem Munde kommen"!? 15) Harte Vorwürfe, und nichts als Vorwürfe, wir sind begierig auf deren Begründung — darauf wollen wir warte». spitzfindigem Scharfsinn verhandelt und orakelmäßig entschieden zu werden! Feierlich protestiren wir gegen Bestrebungen, welche, die schönen Namen der Religion, des Fortschritts und der Aufklärung zum Deckmantel mißbrauchend, der gedankenlosen Werkheiligkeit und dem alles religiöse Gefühl ertödtenden, worrglaubenden Buchstabendienste die längst verlorne Macht wiedererobern und der schnödesten Heuchelei Thor und Thür öffnen möchten ,0). Wir bleiben theilnahmlos n) bei den Verhandlungen einer Versammlung, die in ihrer indifferenten Prinziplosigkeit jede Frage, wodurch auch nur mittelbar ein Grundsatz ausgesprochen, jede, wodurch dem Geiste einer erleuchteten Zeit ein Genüge geschehen, jede endlich, wobei auch nur ein kleiner Stein des Anstoßes aus der praktischen Lebensbahn des in und mit der Welt lebenden Israeliten hinweggeräumt werden soll, ängstlich vermeidet und ihre pomphaft angekündigte Aufgabe gelöst zu haben vermeint, wenn sie einen längst veralteten, das Herz nicht mehr erhebenden Kultus mit neuem Flitter umgiebt"). Wir stehen nicht auf gleicher Stufe mit einer Versammlung, welche den Ruhetag, der den seiner Berufsgeschäfte entledigten Menschen dem Menschen gesellig nähern, ihn durch Erhebung seines Geistes und seines Herzens zum Menschen im edlern Sinne machen soll, wenn sie diesen zur festlichen Vereinigung der durch Beschäftigung und Verhältnisse die Woche hindurch getrennten Brüder bestimmten Sabbat als eine separatistische Scheidewand bezeichnen, unerbittlich zwischen Brüdern und Brüdern aufgerichtet, als ein scharfes Schwert, welches grausam die Bande zwischen 16) Wiederum harte Vorwürfe, wir warten auf deren Begründung. Rur das Eine sei hier bemerkt, wollen die Herren dies nicht aus den Verhandlungen der Versammlung Nachweisen? Die Herren werden erlauben, daß wir Anderen glauben, Vernunft und Einsicht haben sich gegen die hierarchischen Besirebniigen der Rabbinen nicht sammt und sonders nach Frankfurt am Main geflüchtet — und so werden sie uns die Bitte gestatten, uns, blinden Maulwürfen, da wir die hochtönenden Phrasen nicht gleich für wahr und wirklich aniiehinen, die Angcn zu öffnen, und nur einigen, nur einigen Nachweis uns zu bringen! n) Eine schöne Thcilnahmlosigkeit! 1S) Da haben wir's — die Rabb. Vers, will einen veredelten, verständlichen Gottesdienst schaffen; Gottesdienst ist aber de» Herren eine „gehaltlose, äußerliche llebung" — darum ihnen ein Dorn.