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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-24 · Heft 35 (24.8.1846) · p. Seite 505

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 35 (24.8.1846)
Date
1846-08-24
Page
Seite 505 (sequence 5)
Language
German
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505 mit ihr so viel um euch werfet, ihr habt sie noch wenig begriffen; die Achtung vor der Meinung des Gegners, ihr habt sie noch wenig in euch ausgenommen! Doch halt, wozu dies? Erwartete man ein Anderes? Nein! Die Verbindung der s. g. Radikalen mit den s. g. Legitimisten ist ja überall vor sich gegangen; beide haben überall eine, wenn auch unnatürliche Hochzeit gefeiert. — Auch das wollen wir nicht, die dritte Rabbinerversammlung vertheidigen. Diese hat, wie alles Menschliche, ihre Tugenden und Schwächen gehabt; was sie Gutes geleistet, wird sich Bahn brechen; was sie nicht zu bemeistern verstand, was sie Schwankendes, Halbes hervorgebracht, das wird sich verlieren, ohn' daß man dafür oder dagegen spricht. Sondern, wie gesagt, nur das wollen wir, gegen dieses Verfahren, gegen dieses verfolgungssüchtige, verdammende, vernichtende Wesen, gegen diese Lust, was nicht seiner Ansicht ist, zu zerschmettern, zu ekrasiren, gegen dieses gewiffenslose Ucber'skniebrcchen, in Bausch und Bogen Todtschlagen — hiegegen erheben wir uns, hiegegen protestiren wir mit aller Kraft! — — Wir hatten einst einen Traum: daS, Jahrtausende um seiner Meinung willen verfolgte Israel würde so viel aus der Geschichte seines Druckes gelernt haben, bei inneren Kämpfen Duldung, Schonung, Achtung zu üben. Wie? Tausende aus deiner Mitte haben den Märtyrertod um ihren Glauben gelitten: ihr Blut, ihre letzten Seufzer werden für dich doch so viel Gutes gehabt haben, daß du begriffest: verfolge nicht um Ansichten, verdamme nicht um Meinungsverschiedenheiten. Es war ein Traum; schmerzliches Erwachen! Dieselbe Rohheit, dieselbe gestachelte Wuth, dieselbe blinde Verfolgung! Auch wir haben Nichts aus der Geschichte gelernt. Wohlan, Leser, so nimm, nachdem du unsre Klage und Anklage vernommen, auch das Dokument entgegen, und laß es dich nicht verdrießen, dann und wann unter den Text zu sehen, und unsere Bemerkungen wahrzunehmen. „Die dritte Rabbincrversammlung hat dasVertrauen der deutschen Israeliten verscherzt ') und es ist an der Zeit, daß die Freunde ') Gut; die Verfasser versichern dies. Wer hat ihnen aber daS „Vertrauen" geschenkt, dies i»i Namen der deutschen Israeliten zu versichernd Haben sic dasVertrauen, des Fortschritts im Judenthum zusammentreten * 2), um sich über diese von Allen gefühlte, von Niemanden mehr aufrichtig geleugnete Thatsache frei und offen auszusprechen. Es ist an der Zeit, daß es ohne Hehl und ohne Rücksicht vor den Augen unserer deutschen Mitbürger kund gethan werde3 4), wie die israelitischen Gemeinden Deutschlands eine höhere Stufe intellektueller Bildung einnehmen, von freierm Gesichtspunkte aus die Lehre und das Leben ansehen, wie ihre Herzen tiefer und inniger von dem Geiste wahrhafter und wirklicher Religiosität durchdrungen sind, als ihre Rabbiner ihnen einzuräumen für gut gefunden. Diese Männer, mit dem Vertrauen der Gemeinden bekleidet *) und von diesen reichlich mit allen Mitteln versehen 5), um wenigstens das zur unumwundenen Aussprache zu bringen, was das sie vor zwei Jahren so grausam „verscherzten", wieder gewonnen? Wo ist ihr Dokument darüber? Es ist jetzt nichts leichter, als im Namen von so und so viel Tausenden zu sprechen — die aber erst existiren sollen! Durch Unterschriften! Alle Religion wird jetzt durch Unterschriften fabrizirt. 3) Wie das Alles umgeschlagen hat! Es ist jetzt wol nirgends so viel Empfindlichkeit für die Meinung Andersglaubender vorhanden, als unter unseren Glaubensgenossen. Die Jndenheit hat damit ihre letzte Selbstständigkeit verloren, wenn sie sich bei jeder Veranlassung fragt, was werden die und die außerhalb unser dazu sagen? Wollt Ihr eine andre Glaubensmeinung als Millionen Eurer deutschen Mitbürger haben, nun so habt auch den Muth, die Konsequenzen zu tragen. Dieses beständige Kriechen vor dem Urthcil Anderer, welch' widriges Schauspiel! 4) Wir hätten einmal sehen wollen, wie es den Theilnehmern der Rabb. Vers, in ihren Gemeinden ergangen wäre, wenn sie den Sabbat aus den Sonntag zu verlegen beralheu hätten! Diese „mit dem Vertrauen der Gemeinden bekleideten Männer" waren sammt und sonders davongcjagt worden. Nun protestiren wir hiermit sogleich gegen jede Insinuation, als ob wir glaubten, daß die Theilnehmer jener Versammlung die Verlegung des Sabbats nicht einmal in Betracht gezogen — das wäre ein willkommner Bissen für die Gegner — sondern wir find überzeugt, daß sie dies aus ihrer innersten llcberzeugung heraus thaten. Aber wir wollten hiermit nur das Heuchlerische dieser Phrasen darrhun, daß die Mitglieder der Versammlung „mit dem Vertrauen der Gemeinden bekleidet" gewesen, mit den Justitutioneii der Religion wie mit Spielmarken umzugehen. r,j Aha, den Herren thut es um die Pfennige leid, die sie vielleicht zu den Reisekosten beigetragen!

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