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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-24 · Heft 35 (24.8.1846) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 35 (24.8.1846)
Date
1846-08-24
Page
Seite 504 (sequence 4)
Language
German
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504 diese und ihr neues Vaterland gegeben. Ja, diese Liebe für den Ruhm und die Unabhängigkeit dieses Landes haben sie um so mehr bewiesen, als sie ihre Organisation durch die Wahl eines Oberofsiziers, der nicht ihres Glaubens ist, vollendeten, nämlich als Kapitän Herrn Carroll, der Zahlmeister des ölen Regiments gewesen, aber willig diesem Amte entsagte, um den Oberbefehl über dieses patriotische Freiwilligenkorps zu übernehmen; ihre anderen Offiziere sind: Herr Levi Benjamin, erster Lieutenant, Joseph Simpson, zweiter Lieutenant, Samuel G. Goldsmith, dritter Lieutenant, S. Eytinge, erster Sergeant, vr. I. Horwitz, Wundarzt." Frankreich. Aus dem Elsaß, 5. August. (Privatmitth.) Die Wahl des Obersten Cerf-Berr, Präsident des Zentralkonsistoriums, zum Deputirten von Weißenburg hat diesmal einen eigenthümlichen Wahlkampf hervorgerufen. Denn außerdem daß in der Bevölkerung selbst, die ganz aus Katholiken besteht, eine bedeutende Zahl altgläubiger Katholiken wider den Israeliten eingenommen sind, und sein Gegner, ein echter Katholik, dadurch schon Chancen für sich hatte, stimmten auch nicht Wenige von feinen eigenen Glaubensgenossen gegen ihn. Das auch in diesen Blättern vielfach besprochene Programm des neuen Zentralkonsistoriums vom 12. März c. hat bekanntlich im Elsaß vielen Rumor gemacht, und hat man einen Protest von 1600 Unterschriften dagegen zu Stande gebracht. Biele der israelitischen Wähler ließen sich daher verleiten, gegen den Präsidenten dieses Zentralkonsistorius, unter dessen Auspizien das Programm erlaßen wurde, zu stimmen. Demungeachtet wurde er unter 217 Stimmenden von 119 zum Deputirten erwählt, was unter besagten Umständen ein hohes Zeugniß für seine Befähigung ist. — Auch die Munizipalwahlen waren den Israeliten sehr günstig, und wir können uns wol wahrhaft des Fortschritts freuen, den die Juden sowol an sich in rhrer Theilnahme am öffentlichen Wohl, als auch in der Achtung ihrer Mitbürger machen. Wenn auch die zwei Hauptstädte des Rheindepartements, und zwar Straßburg dem Herrn Ratisbonne, der 15 Jahre im Munizipalrathe saß, nicht mehr diese Ehre durch Stimmenmehrheit gab, und Kolmar den Herrn Mannheimer nicht als Kandidaten annahm, so sind doch in den anderen Städten fast ohne Ausnahme Israeliten gewählt worden, und wo ehemals kein einziger Jude Mitglied des Munizipalrathes war, haben 2 oder 3 Israeliten Sitz im Kollegium erhalten. L. B. Deutschland. Von der Saale, 14. August. (Privatmitth.) Anderthalb Jahre ist es her, daß wir ein Dokument in Händen hatten, welches das alte Schauspiel des Verdammens, Verurtheilens, des schnöden Bannes i in neuem Flitter ausführte. Alte Erinnerungen von j Cherem, der neben der Inquisition herlies, von hie- > rarchischem Aburtheilen für immer wachten in uns auf, und die ohnmächtige Wuth pharisäischen Zelotismus, der in seinen letzten Zügen lag, weckte die Geister. Der Leser weiß, wir meinen den Erlaß der 77. — Anderthalb Jahre sind darüber vergangen, nutz- und wirkungslos hat sich das Verfahren erwiesen, und siehe — wir müssen abermals vor das Publikum treten mit einem, von demselben Geiste diktirten Dokumente. Von denselben Herren? fragt der Leser. Nein! wir würden ihn dann kaum behelligen. Gerade von der entgegengesetzten Seite, ein Manifest der Radikalen, jener Männer, welche einmal jede Form der Religion zerbrechen, spurlos verschwinden machen, und das Judenthum in ein spanisches Luftschloß verwandeln wollen. Von diesen ein Manifest, geschleudert gegen die dritte Rabbinerversammlung. Der Leser glaube nicht, daß wir einen Feldzug gegen die Ansichten dieser Männer beginnen wollen. Einerseits würden wir sie doch nicht bekehren, andrerseits haben sie im Publikum längst eine dröhnende Niederlage erlitten, als der frankfurter Reformverein eine Nicht-Religion durch Unterschriften gründen wollte, und nirgends, nirgends ein Echo fand für seine Phrasen, drittens wollen wir ja nicht auch verdammen, verurtheilen, absagen. Achtung vor jeder Meinung, sobald sie in sich eine wahrhafte, keine heuchlerische ist! Aber gegen das Verfahren dieser Männer ist es, daß wir offen das Schwert ziehen, daß wir ihnen zurufen: Sehet, ihr habt euch vor anderthalb Jahren wüthend gebehrdet gegen die 77, ihr habt sie verhöhnt, beschimpft, bedroht — und nun steht ihr auf derselben Stufe, nun vollzieht ihr dasselbe Werk! Geht, die Freiheit des Gewissens, wo-

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