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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-17 · Heft 34 (17.8.1846) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 34 (17.8.1846)
Date
1846-08-17
Page
Seite 498 (sequence 14)
Language
German
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493 auf die Neige ausschlürfen wirst. Bringt diese Jüdin," herrschte er darauf feinen Wachen zu, „in's Gefängniss, auf daß ße iyr strengsten Gewahrsam die Wirkungen meines Zorns empfinde;" und mit vor Zorn funkelnden Augen den Mücken wendend überließ er die Juden seinen Schergen, um sie in's GMugniß zu fyhrey. Auf einem kleinen Hügel dicht vor der Stadt liegt die Burg Alcazaba, welche zur Aufnahme der Verbrecher bestimmt ist, und hierher wurde auch die arme Sol gebracht, und Ln eine enge, feuchte und schmutzige Zelle eingesperrt, welche nur ein sehr kleines Fenster gegen die Straße zu hatte, und in welcher sie kaum gerade zu stehen vermochte. Ihre Eltern, welche die drei Tage hindurch, während welcher ihre Tochter im Hause des Gouverneurs zugebracht hatte, dasselbe nicht ausser Augen gelassen hatten, erfuhren nun auch alsbald die Einkerkerung ihres geliebten Kindes. Als die Rächt soeben begonnen hatte, das ganze Himmelsgewölbe mit ihrem dunkeln Schleier zu bedecken, machten sich Haim Hachnel und seine Frau Simha auf den Weg zum Gefängnisse. Bei demselben angelangt spähte ihr ängstlicher Blick so lange an dem Gebäude umher, bis sie die Gestalt ihrer bejamweruswerthen Tochter dunkel zu erkennen vermochten. Die schöne Sol stand dicht an dem harten Eisengitter, welches das kleine Fenster ihrer Zeste bedeckte, und ihre Hände, weißer als der Schnee, leuchteten gleich einem klaren, durchsichtigen Schleier an dem geschwärzten Metalle hervor. Todesschweigen herrschte ringsum, und nur von Zeit zu Zeit wurden leise, schmerzliche Seufzer wie von einem mühsam athmenden Wesen vernommen. „Da ist sie," rief Simha tief erschüttert aus, „laß uus ohne Verzug näher treten, Hachnel, und ihre Hand an unser Herz drücken." Die unglückliche Gefangene hörte die letzten Worte, und rief mit lauter, schmerzerfüllter Stimme aus: „Meine Mutter, komm herbei, und sei Zeugin meiner Reue." Haim und Simha eilten mit der Schnelle des Windes an das trennende Eisengitter heran, und erfaßten die Hände ihrer unglücklichen Tochter, welche sie ohne ein Wort zu sprechen mehre Minuten laug mit ihren heißen Thränen benetzten. Stelle Dir, o Leser, das rührende und zärtliche Schauspiel dieser drei Unglücklichen, vor, deren Herzen inmitten der Trauer und des Schmerzes einander laut eutgegenschlugen, und deren Schweigen so reich an Ausdruck war; die gewandteste Feder vermöchte diese Szene nicht würdig, nicht ausdrucksvoll genug zu beschreiben. Die schöne Sol, von kaltem Schweiße bedeckt, wagte kaum ihren Mund von der Hand ihrer Mutter zu erheben, diese und ihr Gatte drückten gegen ihre Brust die Hand ihrer geliebten Tochter, sie alle zerflossen in Thränen — aber die starreu Riegel des grausamen Kerkers verhinderten sie, sich gegenseitig die Beweise der Liebe und der zärtlichsten Anhänglichkeit zu geben, nach denen ihr Herz sich sehnte. Nach einer kurzen Pause des Stillschweigens brach die junge Gefangene in folgende Worte aus: „Mein guter Vater, und Du, meine geliebte Mutter, Nichts war schrecklicher für mich als der Gedanke an Euer» Schmerz; meine Leiden berührten mich weniger tief als die Euren, und in diesem Augenblicke vergesse ich Alles, was ich gelitten habe, da ich Eure Hände an mein Herz drücken kann. Ich allein habe mein Schicksal verschuldet, ich allein verdiene alles dieses zu erleiden, und ich bin entschlossen, mein Vergehen sei es selbst mit meinem Blute zu sühnen. Mindert Eure Trauer, meine Lieben, mögen meine Augen, sei es auch nur für einen Augenblick, Euch beruhigt sehen, und laßt uns auf den Gott Abraham's vetrauen, daß er uns seine Vaterhuld nicht entziehen werde." Diese muth- und trostvollen Worte, welche die Jungfrau an ihre Eltern richtete, beschwichtigten einigermaaßeu die tiefe Trauer, welcher dieselben sich hingegeben hatten, und stimmten sie weicher und milder. Sol erzählte ihnen alles das, was ihr, seitdem sie das elterliche Haus verlassen, zugestoßen war, ohne den geringsten Umstand auszulassen, und je weiter sie iu ihrer von tiefen Seufzern unterbrochenen Erzählung vorrückte, desto mehr hob sich ihre Stimme, und desto lebendiger und kraftvoller entflossen die Worte ihrem Munde. Ihre Eltern hörten ihr mit ängstlicher Spannung zu, und ihr Schmerz wuchs bei dem Gedanken an das traurige LooS, welches ihrer Tochter bevorstehe. „Geliebte Sol," sagten sie, „wozu bist Du denn nun entschlossen, wirft Du doch noch zum Türkenglauben übertreten?" — „Niemals, meine lieben Eltern, niemals; ich erblicke in meinen Leiden eine sichtliche Strafe des Himmels für meine Sünden, und ich glaube fortwährend eine innere Stimme sagen zu hören: Sol, Sol, du hast gegen die Pflichten einer guten Tochter gefehlt, Du hast nicht Mäßigung genug besessen, um die dir zuweilen von deiner Mutter bewiesene Strenge mit Sanftmuth zu ertragen; du hast dem Gedanken Nahrung gegeben, dich ihrer Aufsicht zu entziehen, du hast dich in die Arme einer Maurin geworfen, um dein eignes Unglück herbeizuführen, und du mußt daher nun auch die Folgen deiner Unbesonnenheit tragen. Also spricht die innere Stimme zu mir, aber zu gleicher Zeit fühle ich in

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