Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1846)
- Date
- 1846-08-17
- Page
- Seite 499 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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rvir eine übernatürliche Kraft und Entschlossenheit, allen Schlägen des Schicksals Stand zu halten, ich wünsche selbst mit meinem Leben mein Vergehen wieder gut zn machen, und der unbesonnenen Jugend ein Beispiel meiner Reue zu geben — dieses ist mein fester und unerschütterlicher Entschluß." Kaum hatte die Gefangene ihre Rede vollendet, als das knarrende Geräusch der Riegel die Annäherung eines lebenden Wesens ankündete, die Unterredung wurde rasch abgebrochen, und nachdem man eine neue Zusammenkunft für die nächste Nacht verabredet hatte, entfernten sich die betrübten Gatten in größter Eile, um nicht von unberufenen Augen gesehen zu werden. Die Thüre des Kerkers aber öffnete sich, und die maurische Gefangenwärterin trat ein, um der schönen Sol den Befehl mitjutheilen, welchen sie bekommen hatte, die Gefangene jeder Unterhaltung mit Anderen zu berauben, und sie mit der größten Strenge zu behandeln. Das arme Mädchen hörte diese tyrannische Anordnung des Gouverneurs ruhig und ohne eine Miene zu verziehen an, und sagte nur, die Augen zum Himmel erhebend: „Vater im Himmel, ich unterwerfe mich ganz deinem erhabenen Willen." Die Gefangenwärterin entfernte sich tief ergriffen, und die junge Jüdin kniete nieder, inbrünstigen Gebeten sich hingebend. Als Haim Hachnel und seine Gattin, welche den von der Maurin überbrachten Befehl noch mit angehört hatten, in tiefer Trauer nach Hause zurückgekehrt waren, erzählten sie das Vorgefallene ihrem Sohne Asajar. Dieser eilte ohne Verzug zum Gefängniß hin, bemühte sich, die Gefangenwärterin durch Geschenke zu gewinnen, und erlangte nicht ohne Mühe ihre Einwilligung, im Dunkel der Nacht mit der Gefangenen am Fenster der Kerkerzelle sich unterhalten zu dürfen, worauf er eilig nach Hause zurückkehrte, um seinen Eltern diese frohe Botschaft mitzutheileu. Niemals durchzog das Gestirn des Tages für diese Unglücklichen langsamer seine Bahn als an dem nun folgenden Tage, der ihnen lang wie ein Jahrhundert vo?- kam, und dessen Stunden sich zu der Dauer von Jahren ausdehnten: so groß war ihre Ungeduld, sich von Neuem wiederzusehen. Endlich brach der langersehnte Abend herein, und sein bleiches Antlitz verschaffte den betrübten Eltern zum zweitenmale den Trost, ihre liebe Tochter zu begrüßen. Die zärtlichsten Liebkosungen wechselten mit Thränen und Seufzern ab, die innigsten Worte der Liebe und Tbeilnahme ertönten dort am Gitter des Kerkers, und so lang wie die Stunden des Tages erschienen waren, so rasch flogen die Stünden der Nacht dahin, den Moment der Trennung immer näher rückend. Dieser Moment kam nur zu früh heran, indem die Gefangenwärterin herbeikam, und daran mahnte, daß es Zeit wäre sich zu trennen. Was Eltern und Kind beim Scheiden fühlten brauchen wir hier nicht zu beschreiben; wer selbst geliebt hat und die Empfindungen eines Vaters, einer Mutter gegen ihr Kind kennt, wird den Schmerz dieser guten Menschen zu würdigen im Stande sein. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Vk Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile' u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Zu Michaelis d. I. findet ein wissenschaftlich gebildeter Privatlehrer, der auch gründlichen Unterricht im Französischen und Englischen ertheilen kann, hier eine Anstellung. Gehalt 180 Thlr. Pr. Krt. nebst freier Wohnung, Mittag- und Abendtisch. Reflektanten wollen ihre Qualifikations-Zeugnisse portofrei an Unterzeichneten einsenden. Röbel in Mecklenburg. B Engel. Ein unverheiratheter, musikalisch gebildeter junger Mann, der mehrere Instrumente spielt, und durch den auch bereits ein Chor mit gutem Erfolg eingeübt und geleitet worden, welcher auch seit einiger Zeit Gesangunterricht an einer allgemeinen Schule ertheitt, sucht für obengenannte Fähigkeiten einen angemessenen Wirkungskreis. Er kann die besten Zeugnisse seines moralischreligiösen Lebenswandels beibringen. Auch würde er auf Verlangen die Funktionen eines Gemeindeboten übernehmen. Reflektirende wollen sich gefälligst an eine wohllöbliche Redaktion dieser Zeitung um nähere Auskunft wenden. *) Vakanzen. Ein jüdischer Schächter und Kantor, welcher mit der Musik vertraut, den Gottesdienst mit Choralgesang einzuführen und zu leiten, auch nöthigenfalls Religkons- *) Der junge Mann ist uns von Autoritäten empfohlen worden. Redakt.