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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-17 · Heft 34 (17.8.1846) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 34 (17.8.1846)
Date
1846-08-17
Page
Seite 496 (sequence 12)
Language
German
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496 einmal aus, was Du diesen Morgen Ln frommem Eifer mir mitgetheilt hast."*) „Herr," erwiderte die hinterlistige Angeberin, „diese Jüdin, welche vor der tyrannischen Strenge ihrer Mutter sich zu mir flüchtete, sagte mir diesen Morgen, daß sie zu unserem Glauben übertreten wolle, und auf ihre Einwilligung rechnend bin ich zu Dir gekommen, um Dich um Deinen Schutz für sie anzufiehen. Also habe ich früher zu Dir gesprochen, und also wiederhole ich es auch jetzt; hast Du etwas dagegen einzuwenden, Sol?"— „Gewiß, meine liebe Tahra," fiel ihr mit Ungestüm die schöne Sol Ln die Rede; „ich will die Worte, die Du so eben ausgesprochen, nicht einer Verkehrtheit Deiner Seele zuschreiben, und gewiß ist nur ein Jrrthum Deiner Ohren die Ursache des unvorsichtigen Schrittes gewesen, den Du gethan hast. Weinend kam ich in Dein Haus, und beklagte mich vor Dir ob der strengen Behandlung meiner Mutter; auf einige Augenblicke faßte ich den unseligen Gedanken, mich der Herrschaft derselben entziehen zu wollen, aber sei überzeugt, daß ich nun bereits längst diesen Vorsatz innig bereut habe. Wohl habe ich inmitten meiner Trauer Deine Aufforderung vernommen, Türkin zu werden, aber erinnere Dich nur an den geringen Eindruck, den Dein Vorschlag auf mich gemacht hat, und wie ich Dich fest versicherte, daß ich niemals eine gute Türkin sein könnte. Erinnere Dich nur daran, meine liebe Tahra.. . Also sprach die Jüdin im Tone der Freundschaft und Liebe, aber die Türkin, auf rohe, heftige Weise ihr erwidernd, wiederholte nochmals ihre Angaben, und trieb ihre Beschuldigungen so weit, daß sie dieses Wunder der Schönheit auf die grausamste und niederträchtigste Weise angriff. „Verblendetes Mädchen," sprach der Gouverneur, „Du hast es nun selbst gehört, diese Maurin verdammt Dich durch ihre Angaben, denn die Aenderung Deines Entschlusses, zum Banner des Propheten hinüber zu treten, ist ein Verbrechen, welches der Tod selbst nicht hinlänglich zu bestrafen vermag; denke einen Augenblick über das schreckliche Loos nach, welches Dir bevorsteht, und mache Dein Vergehen durch eine offne und entschiedne Erklärung wieder gut." Die Türkin entfernte sich hierauf, und die junge Jüdin wurde vom Gouverneur selbst zu seiner Gattin und seinen Schwiegertöchtern geführt, welchen er ein¬ *) Anmerk. Bei den Mauren genügt ein einziger Zeuge selbst bei Dingen, wo es sich um das Leben des Angeklagten handelt, vornehmlich aber in Religionsangelegenheiten. schärfte, sie mit Sanftmuth und Wohlwollen zu behandeln und um jeden Preis ihr Herz zu gewinnen. Verlassen wir nun auf einen Augenblick die unglückliche Sol, um zu sehen, wie ihre Eltern die Abwesenheit der geliebten Tochter ertrugen. Nachdem Simha ihre Tochter von dem türkischen Soldaten hatte fortführen sehen, ohne im Stande zu sein, für dieses Verfahren irgend einen Grund aufzufinden, eilte sie in heftiger Aufregung und voll Bekümmerniß zu ihrem Gatten hin und theilte ihm das Geschehene mit. Der nichts ahnende Jude blieb bei dieser Nachricht starr vor Erstaunen, und brach dann in tobenden Zorn aus. Zweifel, Argwohn und Ungewißheit durchkreuzten abwechselnd sein Inneres, er warf wüthende und vorwurfsvolle Blicke auf Simha, tief in einer Art blinder Wuth und Aufregung im Zimmer auf und ab, und bemühte sich vergebens, dieses Geheimnifi zu enträthseln. Von seiner Frau begleitet eilte er darauf in das Haus der tückischen Maurin, und überhäufte sie mit tausend Fragen und Bitten, worauf er aber nur ausweichende und geheimnißvolle Antworten erhielt. Einige der Maurin entschlüpfende und in drohendem Tone ausgesprochenen Worte lösten ihm das Räthsel, der Jude begriff die Bedeutung derselben, er schwieg einige Augenblicke, ergriff dann die Hand seiner Frau, und kehrte dann mit ihr nach Hause zurück. Daselbst angekommen rief er voll Ungestüm aus: „Simha, Du bist die Ursache des Schmerzes, welcher in diesem Augenblicke auf mir lastet; Deine Tochter Sol, deren Anblick meine Sorgen linderte und die Freude meines Lebens ausmachte, ist durch Deine Schuld mir entrissen, und der Himmel weiß, ob wir sie jemals wieder in unsere Arme schließen werden. Der Umgang mit dieser Türkin Tahra de Mesmudi, mit dieser hinterlistigen, falschen und treulosen Maurin hat das Herz unserer Tochter verderbt, und sie in die Schlingen der Gottlosigkeit gestürzt, und Deine rauhe und harte Behänd lung hat sie dazu getrieben, Schutz an dem Herzen einer Tigerin zu suchen — das ist die Folge Deiner Unvernunft. Eine Mutter, die dieses Namens sich würdig machen will, muß eine Freundin ihrer Kinder sein, und darf sich von keinem Andern diese wichtige Stellung rauben lassen. Die Neigungen ihrer Kinder mit Sanfrmuth zu erforschen, die Verirrungen derselben mit Milde zu berichtigen, die Auswüchse der zugendlichen Leidenschaften freundlich rathend und zurechtweisend auszugleichen, der Kinder Herz durch das eigne Beispiel zu bilden, und den unschuldigen Vergnügungen, welche dem jugendlichen Gemüthe natürlich sind, freundlich nachzugeben: darin besteht

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