Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1846)
- Date
- 1846-08-17
- Page
- Seite 492 (sequence 8)
- Language
- German
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492 administrirt aus jener Zeit der Anarchie vor der Kabinetsordre vom 8. August 1830 für die westphälischen Provinzen in die geordneteren jüdischen Zustände nach dieser Zeit hinübergeführt, hatte sie 1833 mit Predigt, Religionsschule, Konfirmation rc. versehen, und bot Magdeburg seitdem durchgängig das Bild einer ruhigen Gemeinde dar. Das Gedächtniß des Gerechten dienet zum Segen! Von der Elbe, 10. August. (Privatmitth.) Es giebt wol jetzt keinen eigenthümlicher gestellten Lebensberuf als den des jüdischen Geistlichen. Wir wollen von den enormen Anforderungen des Wissens, die an ihn gestellt werden, absehen, wir wollen nicht daran denken, daß man sogar von ihm verlangt, daß er ein feiner Weltmann sei: nur was die Führung seines Amtes, was die Art seiner Bewegung betrifft, wollen wir einen Augenblick der Betrachtung unterziehen. Vor Allem will man, daß er — keine Ansicht, keine Ueberzeugung habe. Und gestattet man ihm diese allenfalls noch, so soll er doch — keine Willenskraft haben, an der Verwirklichung seiner Ansichten zu arbeiten. Daß dieser Ausspruch kein unerwiesener sei, wird man bald einsehen, wenn wir zeigen, wie der jetzige jüdische Geistliche „nach Jedermanns Pfeife tanzen soll". Der jetzige jüdisch?. Geistliche soll wie ein Zeitungsblatt sein, in welchem Jeder nur das lesen will, was seine Meinung ist, eine andre entfernt haben will, oder sie doch wenigstens ignorirt. Es existirt kein Israelit, der seinem Geistlichen Prüfung, Urtheil und Charakter genug zutraut, um sich dessen Meinung als einer wohlbegründeten hinzugeben: sondern ohne Prüfung, Urtheil und Charakter stellt er sich von vorn herein über dessen Meinung, und erachtet sie für sehr unwesentlich. Man verstehe uns wohl, wir erkennen Selbstständigkeit in der Glaubensanschauung für einen großen Vorzug an, jedoch erstens nur, wo sie aus sorgfältiger Kenntniß und Prüfung hervorgegangen, und zweitens fordern wir, daß man sie dem, welchen man zum geistlichen Lehrer bestellt, auch zugestehe. Diesem sagt aber der Orthodoxe gänzlich ab, sobald er irgend einer Reform die Hand bietet, und der Reformer wiederum, wenn er irgend einen Konservatismus darstcllt. Zu dieser kurzen, wenn auch schneidenden Betrachtung veranlaßten mich verschiedene Artikel, welche in den öffentlichen Blättern über die jüngste Rabbinerversammlung zu lesen waren. Da werden wüthende Gesichter geschnitten, Lossagungen ausgebreitet, Verachtung, Achselzucken rc. ausgesprochen, kurz alle Gunst und Kunst abgeschnitten. Warum? Weil die Versammlung nicht so geurtheilt und beschlossen habe, wie eben — die Artikelschreiber und ihre Gleichgesinnten wollen. Die Versammlung hat Sabbat und Festtage nicht mit Stumpf und Stil ausgerottet — darum die Blitze. Sie hat anstatt die Beschneidung zu beseitigen, sie mit Vorsichtsmaßregeln umgeben — darum der Donner. Sie hat sich beikommen lassen, unter den Trauergebräuchen ein kleines, gestrichenes Maß beizubehalten — darum der Platzregen. Die Reformer sagen sich von ihr los, sie geben ihr den Abschied, sie finden sie lächerlich, verächtlich. Warum? Es sind da 30 Geistliche, die wollen nicht tanzen nach Jener Pfeife! Vorm Jahre Verdammungsurtheile der Orthodoxen, in diesem Jahre desgleichen von den Reformern. Ist das nicht genug? Daß man diesen Männern ein eigenes Urtheil zutraut, daß man bei ihnen Selbstständigkeit und Ueberzeugung voraussetzt — o Gott bewahre! Sie sollten ja nur das Instrument, das willige Werkzeug sein. So geht es im Großen, so im Kleinen. Und fragt man nun, was hier zu thun sei? So habe ich nur eine Antwort. Gerade das, was man nicht haben will, dadurch wird man zum Siege kommen. Das einzige Mittel, durch welches man zwischen den Parteien hindurch kommen kann, ist: Selbstständigkeit, Ueberzeugung, Freimuth. Nur durch diese wird man jene Achtung erwerben, welche die Parteien zuletzt dennoch anerkennen, nur durch diese den allein würdigen Bestand erlangen! Berlin, 9. August. (Privatmitth.) DieFrankel'sche Theologenversammlung wird hier vor sich gehen, und find ungefähr 30 Theilnehmer angemeldet. Frankel, Bodenheimcr, Sachs, Meisel, Deutsch, Fürst, B. Beer, Aron Fould, Kulp rc. sind die bedeutenderen Herren, außerdem noch eine ziemliche Anzahl Rabbinats-Kandidaten. Ob die Sitzungen öffentlich oder nicht, ob regelmäßige Debatten oder nur Besprechungen stattsinden werden, ist noch nicht bestimmt. Der Zionswächter hat sich übrigens davon losgesagt, die eigentlichen Orthodoxen werden nicht erscheinen. Es ist also nur eine Fraktion der Rabb. Vers., und