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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-17 · Heft 34 (17.8.1846) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 34 (17.8.1846)
Date
1846-08-17
Page
Seite 489 (sequence 5)
Language
German
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489 noch keine Normen für die Zukunft sein. Die Rabb. Vers, ist gegenwärtig noch Produkt der DurchgangSperiode, und theilt deren Vorzüge und Schwächen. Wenn sie auf der einen Seite in ihrer Majorität die hebräische Sprache nicht für uothwendig, auf der andern Seite aber für rathsam erklärt; wenn sie die Wiederherstellung einer würdigen Sabbatfeier anstrebt, und eine Menge Erleichterungen gegen die bisherigen Vorschriften giebt, dennoch aber keine Definition der den Sabbat verletzenden Arbeit aufstellt, einerseits die bestehenden Vorschriften aufhebt, andrerseits die Gewissensfreiheit an die Stelle der bisherigen Kasuistik nicht setzt; wenn sie die zweiten Festtage für unbegründet erklärt, aber den zweiten Tischri empfiehlt; wenn sie die Trauergebräuche antiquirt, dennoch aber nur ihre Reduktion anräth — so hat sie mit allem dem unmöglich Normen für die Zukunft gegeben -aber sie hat die praktische Reform angestrebt und angebahnt, sie hat sich zum Ausdruck des modernen Bedürfnisses gemacht, und dieses formulirt. Das moderne Bedürfniß verlangt Verständlichkeit des Gottesdienstes, die Rabb. Vers, hat dieses formulirt. Es verlangt ein Aufgeben der bisherigen Kasuistik, die Vers, hat es, wenn auch noch mangelhaft, formulirt. Es verlangt Abkürzung der mit dem Leben kollidirenden Festesfeier; die Vers, hat es formulirt, u. s. f. Dies ist also Zweck, Beruf, Aufgabe der jetzigen Rabbinerversammlungen: die praktische Reform des Judenthums in gewissen Sätzen festzustellen. Und diesen Zweck und Beruf erfüllen sie. Die theoretische Reform, den Streit der Prinzipien zu lösen, sind sie nicht berufen — das vermag nur die Literatur und die fortschreitende Entwickelung. Betrachten wir es ganz einfach. Bisher ist die Reform fleckenweis vor sich gegangen; da hat diese Gemeinde, dort jener Theologe, da dieses, da jenes in Vorschlag gebracht oder auSgeführt. So kann die Sache nicht ewig gehen. Endlich einen Mittelpunkt zu schaffen, endlich eine Vereinigung zu bewirken, die dann fortschreitend wachse — daraus ging die Rabb. Vers, hervor. Sie macht sich zum Ausdruck der praktischen Reform. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Afrika. Vom Kap der guten Hoffnung, 1. Mai. Wie es ehemals kein Land gab, das nicht das Blut der Söhne Juda's, vergossen durch das Schwert des Fanatismus, getrunken hat: so wird es auch bald keinen Landstrich der Erde geben, welcher nicht israelitisches Blut im Kampfe für Vaterland, Gesittung und bürgerliche Sicherheit empfangen hätte. In der Abwehr der, mit furchtbarem Ungestüm gegen die, mit wenig Vertheidigungsmitteln bis jetzt versehenen Kolonie anstürmenden Kaffern ist bereits einer der wenigen israelitischen Einwohner ein Opfer geworden. Als im April eine Anzahl berittener Bürger von Grahamstown mit 50 Fußsoldaten und einer Feldschlange unter dem Kommando des Kapitäns der Uermanry und Feldkommandanten Josua D. Norden, eines Israeliten, gegen einen Trupp Kaffern rückte, siel dieser in tapferm Kampfe; sein Leichnam wurde von den Kaffern furchtbar verstümmelt; den andern Tag aber räumten diese das Feld, und die Ueberreste des tapfer» Kapitäns wurden von seinen Mitbürgern gesammelt und nach der Stadt gebracht. Am 28. April wurden dieselben nach jüdischem Ritus unter vielen Ehrenbezeugungen von Seiten der Garnison und Stadt zur Erde bestattet. Er hinterließ eine Wittwe, geboren zu New-Uork, und mehre Kinder. Tripoli. (Jew. Intellig.) Von Juden im Innern Afrika's, sagt ein Reisender, der jüngst eine neunmonatliche Reise in die große Wüste gemacht, habe ich nichts weiter erfahren, als daß in der Nähe aller inneren Städte Negroes existiren, welche den Sabbat halten und die Beschneidung beobachten. Damit hat aber ihre Religion ein Ende, und einen weitern Begriff von Religion und Moral haben sie nicht. Sie verbringen den Sabbat mit Trinken und Sichberauschen. Wahrscheinlich haben sie sich lange vor der Zerstörung Jerusalems zum Judenthume in Aethiopien oder Abyssinien bekannt, waren von da in's Jnnre Afrika's gedrungen, und dann in Verfall gerathen. In der großen Wüste fand ich eine Anzahl jüdischer Familien in Souf, dem südlichsten Ende von Algerien, und in einer, den Christen nicht geöffneten arabischen Gegend. Die Juden der Sahara sind die Mäkler der Städte und Dörfer. In Misrata h, einer Landschaft von ungefähr 70,000 Bewohnern, giebt es 50 jüdische Familien, die Mäkler, Kleinhändler und Essenzenverfertiger sind. Sie bezahlen 100 Thaler jährlich an die Regierung von Tripoli,

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