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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-17 · Heft 34 (17.8.1846) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 34 (17.8.1846)
Date
1846-08-17
Page
Seite 488 (sequence 4)
Language
German
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488 Bestehende vor den Richterstühlen der Kritik und Vernunft bestehe, sondern inwiefern daS Gemüth sich desselben zu bemächtigen, es zu befruchten, und Nahrung daraus zu ziehen vermöge. — — So lange dies das Werk des Einzelnen ist, und stch mit Einzelnem beschäftigt, kann diese Richtung nur ansprechend, liebenswürdig, anregend, befriedigend sein. Sobald sie sich aber als ein Allgemeines setzen, als solches die Herrschaft ergreifen, und selbstständig bestehen will: so verfallt sie in Nichts, ja giebt sich selbst auf. Denn erstens hört eine jede Gemüthlichkeit, die sich außer sich setzen will, auf, gemüthlich zu sein; Gemüthlichkeit ist unmittelbar, unbewußt; als Prinzip ist sie ohne In- und Anhalt, vage, zufällig, eigensinnig. Zweitens läßt sich das Gemüthliche nicht zur Erkenntniß bringen, weil es Grund und Motiv nur immer in sich selbst hat. Drittens ist das Gemüthliche nur persönlich, und kann niemals dahin gelangen, wo es nicht von selbst ist. Wir haben hiermit die vorhandenen drei Richtungen mit kurzen Worten in ihren Vorzügen und Schwächen zu charakterisiren gesucht, und werden nicht ermangeln, bei andrer Gelegenheit bald ausführlich darauf zurückzukommen. Was uns betrifft, so können wir alle drei nur als die Vorstufen zu einer höhern Einigung ansehen, die sich mit der Zeit aus ihnen herausardeiten wird. Die historische Richtung kann lediglich als die momentane gelten, eigenthümlich für den Augenblick, nothwendig mit der Durchgangsperiode verbunden, in der wir uns befinden. Ihr Resultat wird sein: der vollendete Durchbruch einer richtigen Auffassung der Geschichte unsrer Theologie; vor ihr verschwindet die starre, kritiklose Gläubigkeit an die Geschichte, und die Menge neuer geschichtlicher Auffassungeu, die sie iu Kours bringt, wird zu einer richtigen Deutung der geschichtlichen Entwickelung führen. Die intellektuelle Richtung wird ihre Feindseligkeit gegen die Geschichte, ihr für sie selbst nothwendiges Abstoßen gegen das Geschichtliche verlieren. Die gemüthliche endlich wird ihr Recht der Persönlichkeit sich zum Bewußtsein bringen, und sich lediglich als Hülfstruppe, als Theologisches, erkennen. Die Theologie wird dann die heilige Schrift als ihre wahre Basis wieder anerkennen, in derselben die Ideen von den zeitlichen Formen zu unterscheiden anflreben — aber nicht Ln der bisherigen oberflächlichen Weise — die Geschichte als die Entwickelung der Menschheit zu diesen Ideen auffaffen, und die Jetztzeit als das zum Bewußtsein Kommen dieses geschichtlichen Prozesses begreifen. In dieser Auffassung vereinigen sich die historische und intellektuelle Richtung auf einem höhern Standpunkte. Daß zur Verwirklichung schon Schritte geschehen, dafür zeugt schon der Streit um die Symbolik in der Schrift. Auf diese, bis jetzt nur noch einseitig erörterte Frage werden wir in Kurzem einzugehen Gelegenheit nehmen. Wir kommen nach dieser Auseinandersetzung zur dritten Rabbinerversammlung. Je schroffer jene drei Richtungen noch nebeneinander und gegeneinander stehen, desto weniger kann eine Vereinigung im Prinzips erwartet werden. Hier findet sich aber dennoch zweifaches Gemeinsame: erstens, daß das moderne Bewußtsein trotz der verschiedenen einseitigen Anschauung doch bei Allen vorwaltend ist; zweitens, daß die Systeme noch lange nicht scharf genug entwickelt sind, als daß nicht die Anhänger jedes derselben noch fühlen, daß beim Gegner ebenfalls Wahrheit sei, die als gegnerische man noch nicht zu überwältigen vermöge. Die Folge dieses ist, daß. man Ln praktischen Fragen sich dennoch zu vereinigen im Stande ist, wenn auch das Prinzipielle dabei in Wegfall kommt. Diesen Maßstab muß man anlegen, wenn man die Leistungen der Rabbinerversammlung beurtheilen will. Man hat so oft es ihr vorgeworfen, daß sie keine Prinzipien ausspreche, daß sie den Prinzipienstreit vermeide. Allein es hat sich immer herausgestellt, daß dieser Vorwurf ganz inhaltsleer ist. Je mehr Prinzip der einzelne Theilnehmer hat, desto weniger kann eine mündliche Debatte zu einer Einigung im Prinzips führen. Diese kann nur die Literatur und die entwickelnde Zeit zu Stande bringen. Aus mündlichen Debatten geht nur als das einzige Resultat in prinzipieller Beziehung hervor — daß die Gegner Achtung vor einander gewinnen, und die Ansicht des Andern achten lernen; während man aus der Studierstube heraus nur verwerfen lernt. — Wird aber nun eine praktische Frage in die Hand genommen, so zeigt es sich, daß aus den entgegengesetztesten Prinzipien heraus dieselbe auf gleiche Weise beantwortet werden könne, und daß daher hierin eine Einigung möglich ist. Erst da, wo das einzelne Prinzip wieder verschwunden ist, und sie in die Wissenschaft allesammt aufgegangen sind: erst da ist es möglich, in der Lösung einer Frage zugleich ein Prinzip auszusprechen. Wir werden daher in den Beantwortungen der Rabbinerversammlung nirgends ein bestimmtes Prinzip ausgesprochen finden, nicht aber weil die Theilnehmer prinziploS sind, sondern weil sie zu viel Prinzip haben, das in der Wissenschaft seine höhere Lösung noch nicht gefunden hat. Allerdings werden daher ihre Beschlüsse

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