Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1846)
- Date
- 1846-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Looses der Israeliten in Rußland und Polen zu bewirken. Derselbe soll von Seite der französischen Regierung ermächtigt sein, den Juden der genannten beiden Länder ein Asyl in Algerien anzubieten, woselbst sie Behufs ihrer Ansiedelung auf jede Weise von der Regierung unterstützt werden würden. Herr Altaras ist zur Erreichung seines Zweckes mit großen Geldmitteln und gewichtigen Empfehlungsschreiben versehen, und wird sich zunächst nach Berlin begeben, wo er weitere Aufträge erwartet. Frankfurt am Main, 14. Juli. Der in unserm vorigen Schreiben angeführte Gesetzentwurf, die Ehen hiesiger Israeliten mit Fremden betreffend, welcher in den heute zur Veröffentlichung gelangten Mittheilungen aus den Protokollen der gesetzgebenden Versammlung enthalten ist, bestimmt im Eingänge, daß die in demselben aufgestellten erleichternden Verfügungen versuchsweise während der nächsten zehn Jahre Gültigkeit haben sollen. Nach dem Art. 1 soll der Senat ermächtigt werden, von der gesetzlichen Zahlbeschränkung auf jährlich zwei solcher Ehen nicht nur im Fall eines Vermögensstandes von mindestens 50,000 Fl., sondern auch dann Dispensation zu erkyeiien, wenn sonst besondere Umstände obwalten, welche den Abschluß der Ehe sowol für den Staat als für die (rsraelltische) Gemeinde nützlich darstellen. Dem Art. 2 zufolge soll das Dispensationsquantum mindestens 1500 Fl. betragen. Nach Art 4 soll es für die Zukunft dabei sein Bewenden behalten, daß eine sich in's Ausland verheirathende Israelitin, ohne dazu vorher obrigkeitliche Erlaubniß erwirkt zu haben, dadurch sofort ihres israelitischen Bürgerrechts verlustig werde, Israeliten aber, welche sich eines gleichen Vergehens schuldig machen sollten, mit angemeffener Strafe zu belegen seien. Aus Württemberg, 15. Juli. (Privatmitlh.) Unfern jüngsten Bericht ergänzen wir nun dahin, daß 1>r. Jordan in Stuttgart in der That zum Mitglied des Bürgerausschuffes gewählt worden ist. Unter 1774 Stimmenden waren 1519 für ihn. Selbst bei der Wahl eines Obmanns dieses Kollegiums waren Stimmen auf ihn gefallen. I. Levi in Eßlingen dagegen hat nicht reüssirt. Der Beobachter berichtet hierüber: „An dem freilich nur einzigen Wahltage stimmten ungefähr einDritttheil der Bürger von der Stadt ab, was namentlich die betrübende Folge hatte, daß mit dem Vorschlag der Wahl eines Israeliten nicht durchgedrungen wurde, indem von der Stadt zwar gegen 100, von den weit zahlreicher abstimmenden Filialien aber nur ein Paar Stimmen auf ihn sielen. Den 21. (Kuriosum.) Seit Jahren ist allenthalben dahin zu arbeiten, Glaubensgenossen im Judenthum zu erhalten und zu befestigen. Endlich hat sich hierzu ein einfaches Mitte! aufgefunden. Und dies wäre? — Gebt denen, welche lau oder gar abtrünnig werden wollen, das Leben Jesu von Strauß zu lesen! — Man höre: der Wagner Schmidt inObcrdischingen, O. A. Ehingen, ein braver, stiller und sonst ganz besonnener Mann, ist durch die Lektüre des Lebens Jesu von Strauß — wo nicht ein Jude, doch wenigstens ein so entschiedener Anhänger des mosaischen Glaubensbekenntnisses geworden, daß er den Sabbat hält und sich allen jüdischen Gebräuchen unterwirft. — Den 30, Ein öffentlicher Bericht über das vorigen Monat in Mergentheim staltgehable Turnerfest besagt unter Anderm: „Besonders war es eine gar überraschende Erscheinung, daß nicht nur Turner von deutschem Blut, sondern auch Jsraeliten-Jünglinge in den Reihen der Turner standen und mit den übrigen wetteiferten. Wie beschämend für Leute deutschen Stammes, welche das Turnen als Kinderspiel verwerfen, wenn Jünglinge eines der germanischen Nation so ferne stehenden Geschlechtes den hohen Zweck des Turnens anerkennen, daß eS ein Krafligungsmittel für Geist und Leib ist. Welch kräftiger Beweis für die Macht germanischen Wesens, daß sie auch ein heterogenes Geschlecht in seine Begeisterung zieht. So wird doch einmal die Zeit kommen, daß auch die Kinder des Orients deutsche werden, nachdem es bisher lange der umgekehrte Fall gewesen." Aus Mittclfranken, im Juli. (Privatmitth.) Zum letzten Male muß ich auf die Ergebnisse, oder vielmehr die Nichtergebnisse des letzten Landtags bezüglich unserer Angelegenheit zurückkommen, um die Federhiebe zu pariren, welche in anderen Blättern gegen die Korrespondenten b. Z. geführt werden, weil sie sich nicht Illusionen hingeben und das Kmdlein bei dem wahren Namen nennen. Diejenigen nun, welche in der Art, wie die Debatte in der Kammer