Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1846)
- Date
- 1846-08-03
- Page
- Seite 470 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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470 ihm mit, daß in ihr Haus eine junge Jüdin von hoher Schönheit sich geflüchtet habe, welche von ihr überredet worden sei, Türkin zu werden, daß die Mutter derselben aber, in nächster Nachbarschaft wohnend, alle ihre Bemühungen vereiteln würde, so lange das Mädchen Ln ihrer Nähe bliebe. Mit feurigem Eifer suchte die Maurin dem Gouverneur die Wichtigkeit dieses Uebertritts anschaulich zu machen und derselbe entsandte sogleich einen Soldaten mit dem Aufträge, die schöne Jüdin vor ihn zu bringen. Schnett wie der Blitz eilte Tahra de Mesmudi nach Hause zurück, um die trauernde Sol von dem Verfahren des Gouverneurs zu benachrichtigen, als sie aber eben im Begriff stand, derselben diese Mittheilung zu machen, traten zu gleicher Zeit Simha und der türkische Krieger herein, jene um ihre Tochter zurückzufordern, dieser um sie vor Arbi Esido zu führen. Die schöne Sol, welche noch von Nichts wußte, hörte mit Erstaunen den Befehl des Gouverneurs vor ihm zu erscheinen, und warf sich weinend in die Arme ihrer Mutter, welche sie nicht von sich lassen wollte. Der Soldat aber, seiner Pflicht getreu, riß mit roher Gewalt die schluchzende Tochter vom mütterlichen Busen fort, doch bevor sie schied, drückte sie noch ihre purpurrothen Lippen auf die feuchten Wangen ihrer Mutter und sprach: „Meine Mutter, mäßige Deine Trauer, ich weiß zwar nicht, was der Gouverneur von mir will, aber mein ruhiges Gewissen wirft mir nichts vor; vertraue auf meine Unschuld und Liebe zu Dir, daß ich so rein und unschuldig in Deine Arme zurückkehren werde, wie ich jetzt aus ihnen scheide." Nach diesen Worten folgte sie dem ungestümen Andringen des Schergen, welcher sie sogleich mit sich fortführte, und-ihre Mutter, welche von Weitem mit ihren Blicken den zitternden Schritten ihrer Tochter folgte, blieb allein, ohne Trost zurück, das kommende Unglück betrauernd. Sobald Arbi Esido die Ankunft der Jüdin vernahm, befahl er, sie sogleich vor sich zu bringen. Ihr Erscheinen setzte den Marokkaner in Erstaunen, in deffem Herzen Gefühle erwachten, welche mit seiner Strenge und dem Ernste seines Antlitzes im Widerspruch standen. „Tritt näher," sagte er, „und fürchte nichts, ich bin derjenige, welcher im Namen des Propheten Deinen Entschluß begünstigen wird, und ich habe mir vorgenommen, Dich glücklich zu machen. Der große Allah hat Dich gewürdigt, einen Strahl seines mächtigen Glanzes zu Dir gelangen zu lassen, er nimmt Dich in die Reihe seiner Bekenner auf und wirkt, daß Du die Jrrthümer Deines Glaubens abschwörst; von dem heutigen Tage an wirst Du glücklich sein....Staunend hörte die Jüdin diese Worte des Gouverneurs an, und bewahrte, ohne ihre schönen Augen vom Boden zu erheben, das tiefste Schweigen. „Du erwiederst nichts, bezauberndes Mädchen? Die Honri's des Paradieses sind nicht schöner als Du; sage, ist es wahr, daß Du Türkin werden willst? Hast Du es nicht Deiner Freundin und Nachbarin Tahra gesagt?" — „Sie hat Dich getäuscht, o Herr," entgegnete Sol, „niemals habe ich dergleichen ausgesprochen; sie hat mich zwar dazu aufgefordert, aber nie habe ich ihr meine Einwilligung zu erkennen gegeben; als Jüdin bin ich geboren, als Jüdin will ich auch sterben." Diese in sanftem aber festem Tone ausgesprochenen Worte trugen, weit entfernt den Gouverneur zum Zorne zu reizen, nur noch mehr dazu bei, sein Her; für die Jüdin zu gewinnen. „Irgend eine geheime Furcht," sprach er, ihr näher tretend, „läßt Dich von Deinem Vorsätze abweichen. Du hast jetzt Keinen zu fürchten, Deine Eltern haben keine Gewalt mehr über Dich; ich bin hier als der Stellvertreter des Kaisers, und seine erhabene Macht beschützt Dich von dem Augenblicke an, wo Du zu den Gläubigen übertrittst. Das ärmliche Kleid, welches jetzt Deinen reizenden Körper deckt, wird mit seidenen Gewändern vertauscht werden; Seide, Gold und edle Geschmeide sollen der Lohn Deines Uebertrittes und die Zierde Deiner Schönheit werden; sprich ohne Wanken nur ein Ja aus, und wir werden Beide glücklich sein." Die glänzenden Anerbietungen des Gouverneurs machten jedoch keinen Eindruck auf die junge Jüdin, eine dunkle Rothe übergoß ihre zarten Wangen, und aus ihren glänzenden Augen stürzten Thränenströme hervor, und ein Zittern befiel die schönen Glieder und zuckte über die reizenden Züge hin. „Laß mich in die Arme meiner Mutter zurückkehren," rief Sol, sich dem Gouverneur zu Füße werfend, aus; „niemals werde ich Türkin werden, o Herr, denn ich habe es niemals zugesagt; Tahra fehlt gegen die Wahrheit, wenn sie Dir das Gegentheil versichert hat; mein durstiges Gewand werde ich nie mit einem andern vertauschen, welches reich an Gold und Schande für wich ist; als Jüdin bin ich geboren, o Herr, und als Jüdin will ich sterben!" (Fortsetzung folgt.)