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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-08-03 · Heft 32 (3.8.1846) · p. Seite 469

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 32 (3.8.1846)
Date
1846-08-03
Page
Seite 469 (sequence 13)
Language
German
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469 eine sehr verdienstliche Handlung, einen Ungläubigen zu ihrem Glauben zu bekehren, und nach demAlkoran ist es gestattet, zur Erreichung dieses Zweckes jedes möglichen Mittels stch zu bedienen. Die Maurin nun bemühte sich jedesmal, wenn sie mit der jungen Jüdin zusammenkam, derselben die Vortrefflichkeit ihrer Religion, die Vortheile, welche diese ihren Anhängern darbiete, und die Achtung, welcher die Gläubigen genossen, anzupreisen: die unschuldige Sol beachtete jedoch niemals diese Ermahnungen viel, und hörte sie im Gegentheile mit einer Art von Mitleid an, indem sie selbst für den Glauben ihrer Eltern enthuflastisch eingenommen, es einem Uebermaaß von religiösem Eifer zuschrieb, wenn ihre Freundin so schwärmerische Lobspruche den Dogmen ihres Glaubens zollte. Eines Tages, als die Frühröthe sich durch dichte Nebelmassen ankündigte, welche das Gewölbe des Himmels dunkel umschleierten, als das furchtsame und wirre Getön der Vögelstimmen Momente des Schmerzes und der Trauer weissagend verkündete, als das brausende Rauschen des Windes die alten Baumstämme zu entwurzeln drohte, als die Blumen trauernd ihre Kronen senkten und das belebende Gestirn des Tages sich vor den Blicken der Sterblichen verbarg: erhob sich die schöne Sol gleich einer zweiten Circe von ihrem Lager, um durch ihre Gegenwart die aufgeregten Elemente zu beschwichtigen. In ihrem Hause befand sich ein kleines Zimmer, in welchem sie gewöhnlich ihr Gebet zu verrichten pflegte, und zu diesem Zimmer lenkte sie zuerst ihre Schritte, nachdem sie vorher ihre Hände nach frommer Weise von dem Schmutze der Sünde gereinigt hatte *). Sie machte sich darauf an die Besorgung mehrer häuslicher Arbeiten, da aber schon der Tag zur Hälfte verstrichen war, so tadelte ihre Mutter sie streng deshalb, daß sie nicht früher an ihre Arbeit gegangen war; sie antwortete in ziemlich aufgeregter Weise; ihre Mutter ward zorniger, schärfte ihre Vorwürfe und drohte selbst mit Schlägen: da floh die Jungfrau, den Zorn der Mutter fürchtend, eilig aus dem Hause, uud flüchtete sich in die Arme ihrer maurischen Freundin. O des unseligen Augenblickes! — Die schöne Sol warf sich weinend in die Arme derjenigen, von welcher sie allein Trost und Hülfe erwartete; bitter beklagte sie ihr Loos, und war unvorsichtig genug, laut den Wunsch auszusprechen, der Sklaverei, in welcher sie bis jetzt gelebt, zu entrinnen; ihre Thränen, ihre Aufregung sprachen laut *) Anmerk. Es ist Sitte bei den Israeliten, jeden Morgen und vor jeder Mahlzeit sich die Hände zu waschen. die in ihrem Innern wogenden Gefühle aus, und den Geist von tausend stch durchkreuzenden Ideen erfüllt gab sie sich ganz ihren Empfindungen hin. Die schlaue Maurin, welche ihre schöne Freundin in Trauer versenkt und der tiefsten Betrübniß hingegeben vor sich sah, hielt den Augenblick für günstig, um ihr längst schon gefaßtes Vorhaben auszuführen. „Meine Tochter," sagte sie, „Du bist unglücklich, nur weil Du es selbst zu sein verlangst; Deine Mutter beherrscht Dich mit tyrannischer Willkür, und mißbraucht Deine Sanftmuth und Geduld; Alle, die Dich kennen, bemitleiden Dich; die ganze Nachbarschaft, aufgebracht durch die harte Behandlung, welche Dir zu Theit wird, hat mehr als einmal laut ihren Unwillen hierüber geäußert. Alle nennen Dich eine Thörin, weil Du im Stande Deinen Leiden ein Ende zu machen zn keinem Mittel Deine Zuflucht nimmst, und wahrlich keine günstigere Gelegenheit konnte sich zu diesem Zwecke barbieten als gerade jetzt; ich werde Deine Beschützerin, Deine wahre Freundin sein, vertraue mir nur Dein Heit und Deine Rettung an, hörst Du, meine liebe Sol?" — „Ich verstehe Dich nicht, Tahra," entgegnete das trauernde Mädchen, „denn mir fällt kein erlaubtes Mittel ein, der Gewalt meiner Mutter zu entrinnen; es ist zwar wahr, daß sie mich zuweilen mit Recht zurechtweist, aber sehr oft auch ganz ohne Ursache und wegen der unbedeutendsten Versehen. Ach, wenn sie mich nur etwas sanfter behandeln würde, so wollte ich wahrlich gern Alles ertragen!" — „Liebe Freundin," sagte die Maurin, „erwarte niemals eine bessere Behandlung von Deiner Mutter, sie wird Dich ihren Launen und ihrem Fanatismus opfern; verlangst Du denn wirklich von ihrer Tyrannei befreit zu werden?" — „Ganz gewiß!" — „Nun ich habe Dir oft von den Vorzügen meiner Religion gesprochen, werde Maurin, und Du wirst aus einer Sklavin eine Freie werden." — „Du machst mir einen schrecklichen Vorschlag, Nachbarin," erwiederte ihr Sol, „ich wäre niemals im Stande eine gute Maurin zu sein; übrigens bin ich gewohnt, dergleichen von Dir zu hören, aber für jetzt bedarf, ich einiger Augenblicke Ruhe, mögest Du mir dieselbe gestatten." Nachdem sie dieses gesagt, zog sich die junge Jüdin in ein abgelegenes Gemach zurück; die Maurin aber eilte mit der Schnette des Windes davon, um ihr Vorhaben in's Werk zu setze». An der Spitze der Zivil- und Militärbehörden in Tanger stand um diese Zeit Arbi Esido, ein Mann von hartem und finsterm Charakter, von welchem die Maurin sich eine Audienz erbat. Vor Esido gelassen, theilte sie

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