Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1846)
- Date
- 1846-08-03
- Page
- Seite 468 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225443-3225476--07920-3238707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
468 kums, welches diese Blätter liest, daß ich mich an den Spaltungen in der hiesigen Gemeinde auf keine Weise und zu keiner Zeit betheiliget habe; daß ich bis heute auch von Niemanden weder um Meinungsäußerung, noch um Rath oder Mitwirkung aufgefordert worden; ich selbst aber bin jenem jugendlichen Feuereifer schon entwachsen, der sich gern unberufen der öffentlichen Angelegenheiten bemächtiget, und sie zu seiner eigenen macht. Ich habe in meiner Gemeinde keinen politischen Beruf; ich habe in keinem einzigen öffentlichen Blatte, außer in diesem, je über jüdische Angelegenheiten referirt, und mißbillige höchlich jenes Bloßstellen von Personen, wie es in Bezug auf Papa in einer andern Zeitung vom Donaustrande aus geschehen, in derUebcrzeugung, daß solche Gemeinheit keiner guten Sache dienen könne. Meiner verehrten Gemeinde gegenüber erkläre ich endlich, daß ich in Betreff ihrer Angelegenheiten noch ferner in meiner bisherigen Unbedeutenheit zu verharren wünsche, so lange ihr Gott nicht wieder seinen Frieden schenkt. Sam. Pserhofer, Dr. der Heilkunde, korresp. Mitglied der königl. Gesellschaft der Acrzte, Ord. mehrere wohlthät. Vereine, und des jüd. Spitales zu Papa. Auszug e. Die heldenmüthige Jüdin, oder: Das Märtyrthum der jungen Hachnel. Eine wahre Begebenheit. Frei nach dem Spanischen von Gegen Ende des Jahres 1834 wohnte zu Tanger au der Küste der Berberei, im Staate Marokko, der jüdische Kaufmann Haim Hachnel mit seiner Frau Simha. Sie hatten zwei Kinder, einen Sohn Namens Isajar, welcher im Geschäfte seines Vaters arbeitete, und eine Tochter Namens Sol, welche gerade ihr stebenzehntes Jahr vollendet hatte, und von der Natur mit so seltner Schönheit begabt war, daß sie die Bewunderung Aller, welche sie sahen, auf sich zog. Das Glück hatte sich gegen Halm Hachnel nicht sehr günstig gezeigt, und obwol er des Nothwendigen nicht entbehrte, um mit seiner kleinen Familie anständig zu leben, so fehlten ihm dennoch die Mittel, um eine Dienerin zur Besorgung der häuslichen Arbeiten halten zu können. Simha, welche auf diese Weise sowol für die Bedürfnisse des Hauses als auch für die Erziehung ihrer Tochter zu sorgen hatte, unterwies deshalb Letztere früh in den Pflichten des Haushalts, und überließ die Besorgung derselben bald gänzlich ihrer Leitung. Anfangs unterwarf sich die junge Hachnel folgsam den Befehlen ihrer Mutter, und beschäftigte sich anhaltend mit den Arbeiten ihres Geschlechtes; als sie aber mehr und mehr heranwuchs, und sich in ihr die Leidenschaften entwickelten, welche, wenn auch rein und unschuldig, dennoch die kindliche Anschauung einer neuen Richtung zuzuwenden pflegen, fing die schöne Sol an etwas unzufrieden darüber zu werden, daß die vielen ihr von der Natur verliehenen Reize mit zu großer Strenge verborgen gehalten würden. Ihre Mutter, welche bis dahin ihre einzige und beste Freundin gewesen war, glaubte gegen sie eine Strenge zeigen zu müssen, welche das junge Mädchen erbitterte, und da sie in ihrem Hause nicht die Nachsicht fand, welcher ihr Herz für die erlaubten Vergnügungen ihres Alters bedurfte, so sah sie sich außerhalb desselben nach einem gefühlvollen Wesen um, welches ihren Klagen ein theilnehmendes Ohr liehe. Dieses Wesen fand die schöne Sol in einer Maurin, Namens Tahra de Mesmudi, die in ihrer nächsten Nachbarschaft wohnte. Sie schloß mit derselben bald ein inniges FreundschaftSbüudniß und besuchte sie bald mit, bald ohne Erlaubniß ihrer Mutter, sie zur Vertrauten ihrer kleinen Leiden und Kümmernisse machend. Simha fesselte indeß mit stets gleicher Strenge ihre Tochter au die Arbeiten des Hauses, so daß sie kaum jemals auf die Straße hinauskam, und alle ihre herrlichen Eigenschaften, welche die staunenden Augen von Tausenden von Jünglingen auf sie gerichtet haben würden, die sich glücklich geschätzt hätten, sie nur anzuschauen, gereichten nur den Urhebern ihres Daseins zur Freude, und es schien anderen Sterblichen nicht vergönnt zu sein, dieses Wunder der Natur zu betrachten. Eine solche Strenge betrübte die bezaubernde Sol so sehr, daß sie mehr als einmal ihr Schicksal verwünschte, aber sie verschloß ihre Gefühle in der Tiefe des Herzens, und ließ nie eine Klage laut werden, als nur vor ihrer türkischen Freundin, vor welcher sie ihr Inneres erschloß. Diese aber, die treueste, uneigennützigste Freundschaft vorgebend, sann auf die Ausführung eines Vorhabens, welchem die schöne Sol zum Opfer fallen sollte. Bei den Arabern gilt es nämlich für