Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1846)
- Date
- 1846-08-03
- Page
- Seite 467 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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467 Israeliten bei dem Bürgerausschusse gesessen, ist einer dort, wie diese Blätter bereits berichtet, zum Bürgermeister und erst dieser Tage Herr Kirchenvorsteher Elias Pflaum, ein um das Gemeinwohl sehr verdienter Mann, fast einstimmig zum Gemeinderath gewählt worden. In Orten der übrigen Kreise des Königreichs haben die Israeliten erst in der jüngsten Zeit gesucht, von diesem Rechte Gebrauch zu machen und wenn in Eßlingen wie es heißt ein Israelit mit großer Stimmenmehrheit in den Bürgerausschuß berufen ward, und in Stuttgart Herr Rechtskonsulent Jordan, Mitglied der königl. israelitischen Oberkirchenbehörde, ebenfalls in Vorschlag zu dieser Stelle gebracht wurde und zweifelsohne auch gewählt wird, so hat doch der Stadtrath in Buchau geglaubt, er müsse gegen dieses Recht der Israeliten opponiren, und hat diese Sache bis zum Geheimen-Rath, der höchsten Landesstelle, verfolgt, jedoch ohne Erfolg, da sich diese hohe Stelle, wie alle Mittelstellen, zu Gunsten der Israeliten aussprach. So wird in vielen Gemeinden das Recht des Israeliten gern anerkannt und der Würdige sogar aufgesucht, während wieder andere jeden Schritt vorwärts mit aller Gewalt zu hemmen sich bestreben. — Drückt uns in Württemberg noch so manches Ausnahmsgesetz, so haben wir doch die besten Hoffnungen, da, wie man vernimmt, den Ständen ein Gesetzes-Entwurf wird vorgelegt werden, der diese Ausnahmsgesetze größtentheils zu entfernen sucht. — Erst dieser Tage sind mir einige neue Geographien von Baiern zu Gesichte gekommen, worin bezüglich der Juden bemerkt wird: „daß diese zwar Gewissensfreiheit genießen, jedoch ihre Synagogen nur als Häuser zum Privatgottesdienst betrachtet werden." Diese Geographien sind für Schulen bestimmt. Die Verfasser wollen also die liebe Jugend gleich aufmerksam machen, mit welchen Augen sie den Judenbuben zu betrachten habe. Bei uns ist die Synagoge der Kirche gleich gestellt, sie, wie alle Gebäude, die zu religiösen Zwecken dienen, als Gottesäcker, Frauenbäder rc. sind von der Steuer befreit, und bei Neubauten unterstützt der Staat kräftig. Wahre kirchliche Angelegenheiten sind aber auch, durch die Fürsorge der königl. israel. Oberkirchenbehörde, auf's Regelmäßigste geordnet. In den größeren Gemeinden ist fast überall geregelter, in manchen vorzüglicher Choralgesang eingeführt. In kleinen Gemeinden, deren es in Württemberg viele giebt, ist dies natürlich nicht wohl möglich, doch sind überall die profanen Melodien verbannt. — Die milden Stiftungen, wovon früher durch Länge der Zeit manche zu Grunde gingen, weil sie keiner öffentlichen Aufsicht unterstellt waren, sind in allen Gemeinden geordnet und unter Aufsicht der Staatsbehörden gestellt. Dieser Umstand und die öffentliche Erwähnung der Stifter am Versöhnungstag bei mna» n-DTrt tragen viel bei, daß die Stiftungen sich immer mehren, und somit eine reiche Quelle für Ortsarme werden. — Gottesdienstliche Borträge werden bekanntlich alle Sabbate in den Synagogen durch die Rabbinen und in deren Abwesenheit durch die Vorsänger gehalten. Die Letzteren dürfen ihre Vorträge an gewöhnlichen Sabbaten nie über '/4 Stunde ausdehnen und haben Text und Disposition von dem Rabbiner zu erhalten. Die Herren Rabbinen überlassen indeß ihren besseren Vorsängern, dies selbst zu thun. Es ist aber jeder Vorsänger verpflichtet, seine Predigten schriftlich abzufassen und solche dem Rabbiner zur Durchsicht auf Verlangen vorzulegen. Daß bei manchem Vorsänger mehr Kcnntniß des Hebräischen getroffen werden dürste, ist nicht in Abrede zu stellen. Doch könnte diesem Ucbelstande, wenn sich die Gemeinden zu einigen Opfern verstehen wollten, schon bei der Bildung der Lehrer abgeholfcn werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der um unser Kirchen- und Schulwesen sehr verdiente Herr Kirchenrath Maier die Sache unterstützen und fördern würde. Unsere Herren Rabbiner sind weder so mißtrauisch noch so mißgünstig, daß sie die Vorsänger mit ihren Borträgen in die Schiurstube bannen möchten, wie der Herr Klausrabbiner in Mannheim es will. Die württembergischen Vorsänger verkennen aber auch ihre Stellung ihrem Rabbiner gegenüber nicht und leben mit denselben, soweit es dem Berichterstatter bekannt, in Eintracht. W.u. Hannover, 11. Juli. Das Ministerium des Innern hat zu dem hier zu errichtenden jüdischen Lehrerseminar 800 Thlr. beigetragen. Die freiwilligen Spenden haben ihren guten Fortgang. Oesterreich. Pnpa, 12. Juli. (Erklärung.) Ich erkläre hiermit im Angesicht des großen und gebildeten Publi-