Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1846)
- Date
- 1846-07-27
- Page
- Seite 450 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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450 nach Befriedigung des religiösen Bedürfnisses in einem, unserem jetzigen Bildungsstande, unserer jetzigen Anschauungsweise entsprechenden Gewände. Einen erfreulichen Beweis bildete der Anklang, den die Bildung eines Vereins zur Vermittlung der Gemeinsamkeit der in unserm Lande hienach strebenden Kräfte überall fand. — Es war daher auch für diesen Verein eine heilige Pflicht, in der ersten, nach dessen förmlicher Konstituirung, berufenen Generalversammlung die Frage zu berathen: Ist es möglich, einen Halt-, einen Vereinigungspunkt für unsere religiösen Bedürfnisse zu gewinnen, ein Ziel und Endpunkt zu finden für die verflachenden, zersetzenden Elemente einerseits, für die erstarrenden und ertödtenden andererseits, die nun lange genug unser innerstes Leben zerstört? Und die Antwort lautete: Allerdings in der Synagoge, in dem öffentlichen, feierlichen Gottesdienste könnte der Vereinigungspunkt, das Mittel zur Versöhnung gefunden werden, wenn deren Einrichtungen, wie zu allen Zeiten in Israel, den Bedürfnissen des Lebens und der Zeit sich wieder anschließen würden, wenn die Synagoge den alten Geist bewahrt, aber der veralteten Institute, die nur Andachtslosigkeit und Lossagung zur Folge haben, sich entschlägt, neue lebcnsfrische Elemente in sich ausnimmt, wenn das, was der Anschauungs- und Gesinnungsweise derer widerspricht, die dem Leben der Jetztzeit angehören, entfernt, und allen unseren Glaubensgenossen die Theilnahme an der öffentlichen Gottesverehrung möglich gemacht wird. Hierin liegt aber auch das einzige Mittel, die immer klaffender werdende Spaltung zu heben. Wir haben uns daher zum feierlichen Entschlüsse vereinigt, mit allen unseren Kräften zu wirken, daß unser jetzt bestehender Gottesdienst wieder in Einklang trete mit unserem Leben, das noch immer auf der Basis unsrer altehrwürdigen Religion beruht. Wir wissen wohl, daß uns zunächst nur der Ausdruck dieser in unsrer Mitte immer bewußter werdenden Wünsche, das dringende Aussprechen der in uns erwachenden Bedürfnisse zusteht, daß wir die Abhnlfe hauptsächlich von unseren Kirchenbehörden erwarten, den Vollzug deren Ermessen anheim geben müssen. Wir sind überzeugt, daß cs bei unsrer obern Kirchenbehörde, die, wie wir mit Dank anerkennen, schon seit ihrem Entstehen durch einzelne Verbesserungen eine genügendere Reform vorbereitet, nur des Ausdrucks dieser unserer Wünsche bedarf, daß ein großherzogl. hochlöbl. Oberrath besser als wir erkennt, daß es nun zur Beseitigung drohender Nachtheile an der Zeit sei, kräftiger und entschiedener zu Werke zu gehen, daß unser Gebetbuch einer zeitgemäßen Revision, und unser Gottesdienst einer Ausnahme der deutschen Sprache als vollberechtigtes Element für jeden Hauptgottesdienst in Gebet und Predigt, und somit eine Beschränkung des hebräischen Elements, eine harmonische Verschmelzung dieser beiden Bestandtheile und soweit thunlich, Einführung der zur Herstellung eines genügenden Choralgesanges unentbehrlichen Orgelbegleitung dringend bedarf. Diese wichtigen Fragen sind so umfassend, so vielfach erörtert, daß wir uns mit dieser Andeutung begnügen dürfen, um so mehr, da bereits in so vielen deutschen Ländern diese Wünsche sich zur Thal gestaltet haben. Doch mächtig regt sich das Bedürfniß, und so wünschenswerth eine Erledigung dieses Gegenstandes durch eine allgemeine Verordnung, so wenig dürfen wol die Wünsche einzelner Gemeinden, in denen sich diese Bedürfnisse dringender regen, unberücksichtigt bleiben. Wir erlauben uns daher auch um künftige Unterstützung für diese Gemeinden zu bitten, die ein Vorbild von dem, was der unserer Gesinnung angehörige Theil unsrer Glaubensgenoffenschaft erstreben will, schaffen wolle, und die gerade deßwegen die Unterstützung um so mehr verdienen, als gewiß die Ausführung im Leben zunächst geeignet sein wird, auch die ängstlichsten Gemüther zu beruhigen. — Zwei spezielle Einrichtungen, deren Folgen sich erst in der Zukunft zeigen werden, und die daher nicht frühzeitig genug in das Leben gerufen werden können, glauben wir schon jetzt geziemendst beantragen zu müssen: die Aufnahme der Uebungen im Vortrage deutscher religiöser Gebete und Predigten und des Unterrichts im Orgelspiel (das schon für die Lehrer des Choralgesangs nothwendiges Bedürfniß ist) in den Studienplan der jüdischen Seminaristen. — Im Vertrauen, daß wir von unsrer obern Kirchenbehörde nur eine rege Unterstützung der zur Befriedigung unserer religiösen Bedürfnisse nöthigen Institutionen erwarten können, stellen wir die Bitte: Ein großherzogl. hochlöbl. Oberrath wolle den Gegenstand der Verbesserung unseres öffentlichen Got-