Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1846)
- Date
- 1846-07-27
- Page
- Seite 449 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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449 thal. Derselbe war etwa drei Wochen hier, so wurde er von den drei jüdisch-deutschen Gemeinden auf ein Jahr als Rabbiner ausgenommen mit 1000 Dollars Gehalt. Lilienthal's Todfeinde sind die hier sehr zahlreich wohnenden Polen. Da ich der hiesigen jüdischen Bewohner einmal erwähnt habe, so mögen hier über diese noch einige Bemerkungen folgen. Es bestehen hier gegenwärtig 9, sage neun jüdische Korporationen. 1—4. die vier deutschen Gemeinden, inkl. der Tempel, 5. die por- ' tugiesische Gemeinde, 6. die englische Gemeinde, 7. und 8. die zwei polnischen Gemeinden, und 9. die gemischte Gemeinde, bestehend aus Deutschen, Engländern, - Holländern und Polen. In Beziehung auf den Bildungszustand dieser Gemeinden stehen sie Alle im Vergleich mit den großen Gemeinden Deutschlands weit zurück, was freilich ganz natürlich ist, wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl der hierwohnenden Israeliten, woher sie auch sein mögen, aus den armen Klaffen stammt. Daß dieses Gemisch von so vielen Nationen nicht überein kommen kann, ist leicht zu erwägen, und wenn sich der Süddeutsche vom Norddeutschen wesentlich unterscheidet, welche Verschiedenheit muß da nicht erst in Beziehung auf «ine ganz fremde Nation sein. Der Portugiese wähnt sich auch hier als Adeliger unter den Juden und sein äußeres Wesen harmonirt ganz mit dieser Einbildung. Er ist ein Gentleman. Englische Juden giebt es wol einzeln hier, denn die Masse besteht meist aus Holländern und Polen, die, nachdem sie lange Zeit in England gewohnt, hierher gewandert sind und ganz die englischen Sitten und das englische Leben angenommen haben. Er gehört meist zu der noblen Klasse. Der hiesige Pole ist die schmutzigste Kreatur aller Klaffen und ist der Urheber dessen, daß man auch hier den Namen „Jude" im mißliebigen Sinne braucht. Der Holländer ist bei Weitem besser und ist bei seiner Grobheit und Plumpheit eine ehrliche Haut. Der Deutsche bildet die Majorität hier unter den Juden, ist sehr fieißig und weiß sich schnell genug in das hiesige Leben zu finden. Man findet Vermögende unter ihnen, sowol Geschäftsleute und Fabrikanten, als auch Grundbesitzer rc. Der Deutsche ist stolz gegen den Polen und meidet ihn; dafür wird er vom Letztem gehaßt. Der Holländer will dem Deutschen den Rang streitig machen und wenn der englische Jude sich auch mehr dünkt als der deutsche, so verkehrt er doch mit ihm auf freundlichem Fuße. So ist's im Ganzen, so im Einzelnen; doch fehlt es nicht an Ausnahmen. (Also auch dort, wie bei uns, überall Spaltungen unter den Juden! Redakt.) Preußen. Breslau, 16. Juli. (Privatmitth.) Cs hat sich durch die öffentlichen Blätter das Gerücht verbreitet, als sei der Di-. Zunz zu der dritten Rabbinerversammlung eingeladen worden, und habe dieser es abgelehnt. Von einer offiziellen Einladung durch den Ausschuß war nie die Rede. — Auch dem Di-. Jost wurde böswillig eine andere als aus persönlichen Rücksichten hervorgegangene Absicht angedichtet, daß er nicht zur Versammlung gekommen. Er hat dies im Frankfurter Journal durch folgende Erklärung widerlegt: Auf die heute im Hauptblatte dieses verbreiteten Journals enthaltene, mich betreffende Mittheilung, welche gegen eine ehrenwerthe Versammlung einen indirekten Angriff richtet, halte ich es für Pflicht, offen zu erklären, daß ich, weit entfernt, meiner persönlichen Mitwirkung ein solches Gewicht beizulegen, wie Freunde und Widersacher seit einiger Zeit es ausbeuten, doch jedenfalls weder das mir in jenem Artikel angesonnene Motiv anerkenne, noch dem Beispiele irgend eines Andern folge, sondern lediglich durch Gründe, welche nicht vor die Oeffentlichkeit gehören, zu dem Entschlüsse bestimmt worden bin, in diesem Jahre der Rabbinerversammlung zu Breslau nicht anzuwohnen. Frankfurt a. M., 4. Juli 1846. I. M. Jost, vr. Deutschland. Aus dem Badischen, im Juni. (Privatmitth.) Der badische Landesverein hat folgende Eingabe an den israelitischen großherzoglichen Oberrath erlassen: „Großherzogl. hochlöbl. Oberrath! (Ergebenste Eingabe vieler Israeliten Badens, die Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes betreffend.) Immer mächtiger regt sich wie unter allen unseren Glaubensgenossen, so auch unter Badens Juden, der Wunsch 31*